Ehemalige Klavierfabrik in Bremen: Ein Arbeiter erinnert sich

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Ein Trupp von Jungen vor der Klavierfabrik. Den Zylinder trägt Karl-Werner Michelmann, er war vor 70 Jahren Lehrling bei Thein. privat Der denkmalgeschützte Backsteinbau der ehemaligen Pianofortefabrik Otto Thein im Bremer Ostertor wurde aufwendig saniert und wird im März als Galerie und Kunstwerkstatt eröffnet. Karl-Werner Michelmann, ehemaliger Lehrling und Bewohner der Fabrik, berichtet von Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als zeitweise Särge produziert wurden, weil die Geschäfte schlecht liefen. Die Familie Michelmann war ab 1949 in der Fabrik beschäftigt, mit Aufgaben wie Tischlerei, Beizen und Polieren; nach der Lehre wechselte Michelmann aus Gesundheitsgründen zur Polizei. Unser Artikel wurde mit KI für Sie zusammengefasst. → Mehr Infos Mehr anzeigen Weniger anzeigen Einmal waren sie echt in der Bredouille. Die Geschäfte liefen so schlecht wie noch nie, und was tun, um den Betrieb zu retten? "Wir haben uns auf Särge verlegt", sagt Karl-Werner Michelmann. Gestorben wird immer, beerdigt auch, damals waren es bevorzugt Erdbestattungen. Also schreinerten die Tischler an den Holzkisten herum, eine Arbeit, die ihnen nicht viel abverlangte, denn normalerweise produzierten die Männer Klaviere, was naturgemäß eine Ecke schwieriger ist. Michelmann, heute 87 Jahre alt, hatte trotzdem weniger zu tun. Sein Arbeitsplatz war nicht in der Tischlerei, sondern dort, wo gebeizt, lackiert und poliert wurde, ein Aufwand, der Anfang der 1950er-Jahre mit den Särgen nicht getrieben wurde. "Wir haben stattdessen alte Klaviere und Flügel aufpoliert", erzählt Michelmann. Er war Lehrling in der Pianofortefabrik Otto Thein, wohnte mit seinen Eltern in dem mittlerweile 130 Jahre alten Gebäude im Bremer Ostertor auch: "Mutter und Vater waren die Hausmeister." Die Erinnerungen an diese Zeit wurden neu geweckt, als im WESER-KURIER vor ein paar Monaten ein Bericht über die ehemalige Klavierfabrik stand. Das denkmalgeschützte Haus in der Bohnenstraße ist nach vielen Jahren Leerstand aufwendig saniert worden und wird voraussichtlich im März als Galerie und Kunstwerkstatt eingeweiht. Die Wohnungen in den oberen Etagen sind bereits bezogen. Die 130 Jahre alte Klavierfabrik in der Bohnenstraße, errichtet vom Bremer Pianobauer Thein und mittlerweile unter Denkmalschutz, hat wieder eine Zukunft. Foto: Christina Kuhaupt Der Dornröschenschlaf einer geschichtsträchtigen Immobilie, die später auch einmal Anlaufpunkt der alternativen Szene war, hat damit ein Ende, so stand es in der Zeitung, und das hat Michelmann enorm interessiert. Neugierig wurden auch Kulturschaffende, die mit der alten Fabrik Möglichkeiten sehen, ihre Arbeiten auszustellen – und die Bewohner von damals, wilde Zeiten, die sie in dem Haus erlebt haben. "Wir sind 1949 in das Haus gezogen, Eltern und drei Kinder", berichtet Michelmann. Drei Jahre später begann er die Lehre. Sein Bruder war auch bei Thein, als Klavierbauer. Der Vater wurde, neben seiner Hausmeistertätigkeit, als gelernter Möbeltischler in der Schreinerei gebraucht. Fast die ganze Familie also, die Dienst in der Fabrik verrichtete. Sie musste dafür nur ein paar Stufen hinuntergehen. Im Erdgeschoss wurde gezimmert und geformt, eine Etage höher bekamen die Pianos ihre Innereien und noch weiter oben wurde gebeizt und poliert. "Es gab zwar einen separaten Spritzraum für Lacke, die Dämpfe zogen aber sonstwohin, alles ziemlich ungesund", sagt Michelmann, "als Entschädigung haben wir jeden Tag einen halben Liter Milch bekommen." Mit einem Lastenaufzug im Innenhof wurden die schweren und sperrigen Klaviere von einem Geschoss zum nächsten transportiert. Die eiserne Rahmenkonstruktion für den Aufzug ist während der Sanierung rekonstruiert worden, hoch und runter fährt da aber nichts mehr, schon gar kein Piano. "Otto Thein baute individuell entworfene Klaviere für die obere Mittelklasse, die Pianoforte genannt werden durften, weil die Lautstärke der Tastenanschläge jederzeit stufenlos zwischen leise (piano) und laut (forte) verändert werden konnte", schreibt das Landesamt für Denkmalpflege in seiner Kurzbeschreibung der Fabrik. Abtransport der Klaviere. Viele wurden zu der Zeit nach Südkorea exportiert. Foto: privat Ein Jubiläum, das gefeiert wurde: 1000 Klaviere produziert. Foto: privat Das 1000. Klavier der Pianofortefabrik Thein in Bremen. Foto: privat Karl-Werner Michelmann bei der Arbeit, er poliert einen Klavierdeckel. Foto: privat Michelmann erinnert sich, dass es jedes Mal rund ein Vierteljahr gedauert hat, bis ein Klavier fertig war. Oft seien sie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nach Südkorea verkauft worden. Die Legende, dass eines der Klaviere auf der "Titanic" stand, als das Schiff 1912 im Nordatlantik unterging, kennt Michelmann nicht. Also ist wahrscheinlich nichts dran, denn das wäre unter den Beschäftigten, zu denen auch Klavierstimmer gehörten, sicherlich ein Thema gewesen. Mit der Arbeit bei Thein hat er nach der Lehre aufgehört – "wegen der Gesundheit, und ich wollte nicht mein Leben lang an der Werkbank stehen". Michelmann ging zur Bremer Polizei und blieb dort bis zur Pensionierung vor 27 Jahren. Heute lebt der gebürtige Bremer mit seiner Frau in Königsfeld im Schwarzwald. Seine Zeit in der Klavierfabrik ist vor 70 Jahren zu Ende gegangen. Nun taucht sie für ihn noch einmal auf. Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt. → Mehr Infos Zur Startseite

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