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Der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Frank Henning aus Osnabrück hat sich nach einer persönlichen Äußerung über eine Journalistin der Neuen Osnabrücker Zeitung entschuldigt. Nach Darstellung der NOZ soll Henning am Freitag in seinem für Kontakte sichtbaren WhatsApp-Status einen Artikel der Redakteurin Sandra Dorn scharf kritisiert, sie als Person abgewertet und dabei auch ihre Frisur erwähnt haben. Der Vorgang hat wenige Tage vor der Kommunalwahl in Niedersachsen politische Reaktionen innerhalb der SPD und bei der CDU ausgelöst.
Henning räumte sein Verhalten selbst ein. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bezeichnete er seine Kritik als persönlich verletzend und indiskutabel und erklärte, sie tue ihm aufrichtig leid. Nach seiner Darstellung sei die Nachricht im Affekt entstanden und eigentlich für eine Kollegin bestimmt gewesen. Sie sei versehentlich in seinem WhatsApp-Status gelandet. Henning erklärte zudem, er habe den Eintrag gelöscht und sich bei der Journalistin entschuldigt.
Damit hat der Politiker den grundlegenden Vorgang selbst bestätigt. Der genaue Wortlaut des ursprünglichen Eintrags stammt dagegen aus der Darstellung der Neuen Osnabrücker Zeitung und der betroffenen Redakteurin. Demnach soll Henning Dorns Artikel in grober Sprache kritisiert, sie als ätzend bezeichnet und einen Zusammenhang mit ihrer neuen Frisur hergestellt haben. Hintergrund soll ein Beitrag über die kommunale Wohnungsgesellschaft Wohnen in Osnabrück, kurz WiO, gewesen sein.
Henning kündigte nach dem Vorgang an, seine Kommunikation künftig stärker zu hinterfragen. Er wolle sich an den Grundsatz halten, zunächst nachzudenken und erst anschließend zu schreiben. Osnabrücker SPD-Vorsitzender geht auf Distanz
Innerhalb der SPD fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Robert Alferink, Vorsitzender der SPD Osnabrück und Kandidat seiner Partei für die Oberbürgermeisterwahl, distanzierte sich ausdrücklich von Hennings Äußerung. Nach Alferinks öffentlicher Stellungnahme sei diese respektlos und persönlich herabwürdigend gewesen. Eine solche Form der persönlichen Abwertung überschreite für ihn eine Grenze der politischen Auseinandersetzung.
Alferink betonte zugleich, dass Politiker journalistische Beiträge auch deutlich kritisieren könnten. Persönliche Herabsetzungen gehörten für ihn jedoch nicht zu einer sachlichen Debatte. Der SPD-Unterbezirksvorstand bestellte Henning nach Angaben Alferinks zu einem persönlichen Gespräch ein.
Anders fiel die Reaktion der SPD-Landtagsfraktion aus. Sie stellte sich grundsätzlich hinter ihren Abgeordneten. Die Fraktion erklärte, Henning habe einen Fehler gemacht, stehe dazu, bedauere sein Verhalten und habe sich entschuldigt. Forderungen aus der CDU nach weitreichenden personellen Konsequenzen bezeichnete die SPD-Fraktion als befremdlich.
Der Frank Henning WhatsApp-Status führt damit auch innerhalb seiner Partei zu unterschiedlichen Bewertungen. Während die Osnabrücker Parteispitze deutliche Distanz erkennen lässt, verweist die Landtagsfraktion vor allem auf die Entschuldigung und Hennings Umgang mit dem Vorgang. CDU-Politikerin Kämmerling verlangt Konsequenzen
Deutlich schärfer reagierte Verena Kämmerling. Die CDU-Kreisvorsitzende in Osnabrück und niedersächsische Landtagsabgeordnete forderte den SPD-Vorstand um Robert Alferink am Montag dazu auf, personelle Konsequenzen zu ziehen.
Kämmerling erklärte, ein Mandatsträger dürfe Frauen nicht in dieser Weise persönlich angreifen und herabsetzen. Ihre Forderung bezog sie sowohl auf Hennings Tätigkeit im Osnabrücker Stadtrat als auch auf sein Mandat im Niedersächsischen Landtag.
Henning sagte dem NDR zu dieser Forderung, sie hätte sehr weitreichende Konsequenzen. Er werde darüber nachdenken. Eine Entscheidung über seine Mandate kündigte er damit zunächst nicht an.
Eine namentlich zuordenbare öffentliche Stellungnahme von Vertreterinnen oder Vertretern der Grünen zu dem konkreten Vorgang lag am Montagabend zunächst nicht vor. Entsprechend war auch keine Forderung der Grünen nach persönlichen oder politischen Konsequenzen bestätigt. Journalistin macht Vorgang selbst öffentlich
Sandra Dorn entschied sich gemeinsam mit ihrer Redaktion dafür, den Vorgang öffentlich zu thematisieren. Nach Darstellung der NOZ machte sie dabei deutlich, dass Kritik an ihren Texten zum journalistischen Alltag gehöre. Hennings Äußerung habe nach ihrer Einschätzung jedoch nicht allein ihre Arbeit, sondern sie persönlich betroffen.
NOZ-Chefredakteurin Louisa Riepe stellte sich öffentlich hinter Dorn. Nach ihrer Bewertung habe die Verbindung der beruflichen Arbeit einer Frau mit ihrem Äußeren sexistische Züge. Diese Bewertung ist eine persönliche Einordnung Riepes und keine amtliche Feststellung.
Auch der niedersächsische Landesverband des Deutschen Journalisten-Verbandes erklärte öffentlich seine Solidarität mit der Journalistin. Politische Brisanz wenige Tage vor der Kommunalwahl
Der Zeitpunkt verschärft die politische Bedeutung des Vorgangs. In Niedersachsen werden am Sonntag, 13. September 2026, die Kommunalvertretungen neu gewählt. In Osnabrück findet gleichzeitig die Wahl zur Oberbürgermeisterin oder zum Oberbürgermeister statt.
Henning gehört der SPD seit 1986 an und sitzt seit Februar 2013 im Niedersächsischen Landtag. Dort vertritt er den Wahlkreis Osnabrück-Ost. Zusätzlich ist er Mitglied des Rates der Stadt Osnabrück. Nach Angaben des Landtags gehört er außerdem dem Aufsichtsrat der kommunalen Wohnungsgesellschaft WiO an, über die der von ihm kritisierte Zeitungsartikel gehandelt haben soll.
Der politische Konflikt dreht sich damit inzwischen weniger um die Frage, ob Henning die Äußerung bedauert. Das hat er ausdrücklich erklärt. Unterschiedlich beurteilen SPD und CDU vielmehr, welche Konsequenzen aus seinem Verhalten folgen sollen. Während die SPD-Landtagsfraktion auf Einsicht und Entschuldigung verweist, verlangt Kämmerling für die CDU weitergehende Schritte. Der Osnabrücker SPD-Vorsitzende Alferink positioniert sich zwischen diesen beiden Linien, indem er sich klar von der Äußerung distanziert und ein parteiinternes Gespräch anberaumt hat.
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