Bitcoin fällt auf rund 78.600 Dollar, während US-Spot-ETFs fast eine Milliarde Dollar anziehen und Onchain-Daten eine wichtige Schwelle zeigen.
Illustration, KI-generiert
Bitcoin rutscht weiter ab und notiert am Dienstagnachmittag bei rund 78.600 Dollar, nach Ständen von über 82.000 Dollar in der vergangenen Woche. Der Rücksetzer wirkt zunächst wie gewöhnliche Konsolidierung nach einem starken August. Ein Blick auf die Onchain-Daten zeigt allerdings, dass der Markt gerade eine historisch bedeutsame Schwelle streift. Warum der Arbeitsmarkt Bitcoin ausbremst
Auslöser der Schwäche ist der amerikanische Arbeitsmarktbericht für August. Die US-Wirtschaft schuf 162.000 neue Stellen, mehr als dreimal so viele wie von Ökonomen erwartet. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent.
Die Zahlen verschieben die Zinserwartungen spürbar. Steigende Wahrscheinlichkeiten für eine restriktivere Fed-Politik belasten tendenziell Kryptowährungen, die selbst keine Zinsen abwerfen. Hinzu kommen steigende Ölpreise infolge der Eskalation zwischen den USA und dem Iran, die Inflationssorgen zusätzlich anheizen. Institutionelles Geld bleibt trotzdem treu
Während der Kurs schwächelt, zeigt sich die Nachfrage über US-Spot-ETFs bemerkenswert stabil. Nach einem kurzen Tagesabfluss Anfang September verbuchten die Fonds nur zwei Handelstage später den größten Tageszufluss seit Mitte Januar. In der Woche bis zum 4. September summierten sich die Nettozuflüsse auf rund 987 Millionen Dollar – die dritte Zuflusswoche in Folge.
Diese Diskrepanz zwischen fallendem Kurs und anhaltendem institutionellem Kaufinteresse ist bemerkenswert. Sie deutet darauf hin, dass langfristig orientierte Anleger die aktuelle Schwäche als Kaufgelegenheit begreifen, während kurzfristige Trader auf die Makro-Risiken reagieren. Die 74,7-Prozent-Marke als Wendepunkt
Spannender als die Tagesbewegung ist ein struktureller Indikator: der Anteil der Bitcoin-Versorgung, der aktuell im Gewinn liegt. Dieser Wert steht laut Onchain-Analysen bei über 71 Prozent und nähert sich damit seinem historischen Mittelwert von 74,7 Prozent. Überschreitungen dieser Marke markierten in der Vergangenheit typischerweise den Übergang von Bären- zu Bullenmärkten.
Gleichzeitig zeigt sich die Volatilität historisch niedrig – getrieben vor allem davon, wer die Coins hält, nicht von der reinen Marktkapitalisierung. Je mehr Bestand bei langfristigen Haltern liegt, desto ruhiger bewegt sich der Kurs typischerweise.
Die Richtung dürfte sich in den kommenden Tagen klären. Am Freitag steht mit dem amerikanischen Verbraucherpreisindex das letzte wichtige Inflationssignal vor der Fed-Sitzung am 16. September an. Bleiben die ETF-Zuflüsse bis dahin positiv, selbst wenn die Rendite zweijähriger US-Anleihen über 4,34 Prozent verharrt, werten Marktbeobachter das als Zeichen, dass der Markt die Zinspolitik nicht mehr als bindende Bremse behandelt.
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