Ist er der Mann, der Sachsen-Anhalts CDU wieder nach vorne bringt? Der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller will neuer Landeschef seiner Partei werden. "Ich kandidiere als Landesvorsitzender", sagte der 37-Jährige. Er könnte damit auf Noch-Ministerpräsident und Noch-Landeschef Sven Schulze (CDU) folgen.
Schon vor der Landtagswahl, bei der die CDU auf 17,2 Prozent abstürzte, hatte Müller für Wirbel gesorgt. "Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag", so Müller wenige Tage vor der Wahl.
Der 37-Jährige sprach aus, was manche dachten - doch zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) rügte Müller deshalb am Montag öffentlich sehr deutlich - ohne ihn direkt beim Namen zu nennen. Er habe in den Parteigremien darauf hingewiesen, "dass es niemand von uns verstanden hat, dass wenige Tage vor dem Wahltermin ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt, wie das drei Tage vor der Wahl bis zum gestrigen Tag anhaltend geschehen ist", sagte Merz vor Journalisten.
Sepp Müller gehört dem Bundestag seit 2017 an. Auch vier Jahre später hatte er das Direktmandat im Wahlkreis Dessau-Wittenberg geholt. 34,3 Prozent der Wähler stimmten damals für den gelernten Bankkaufmann aus Gräfenhainichen - das war das beste Erststimmenergebnis der CDU im Osten. Danach stieg er zum Fraktionsvize der Union auf.
Vor der Bundestagswahl 2025 wurde Müller zum Spitzenkandidaten der CDU in Sachsen-Anhalt gekürt. Doch dass er in der Partei nicht unumstritten ist, belegte sein Ergebnis - es fiel mit einer Zustimmung von rund 81 Prozent überschaubar aus. Müller ist Vater eines Sohnes und inzwischen mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Stefinger (CSU) verheiratet.
Müller treibt eine Sorge um
Müller und Schulze gelten in der CDU nicht als besonders gute Parteifreunde. Über den Vorstoß Müllers vor der Wahl waren viele in der CDU verstimmt. Sich kurz vor der Wahl so zu äußern, gehe gar nicht, hieß es. Doch Müller treibt die Sorge um, was mit der CDU geschieht, wenn sie weiter nach links rückt.
Sepp Müller hat die DDR nicht mehr bewusst erlebt. Doch er blickt sehr kritisch auf das SED-Regime und Die Linke. Bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags 2025, die Alterspräsident Gregor Gysi (Linke) leitete, hielt er demonstrativ das Buch "Die Täter sind unter uns" während dessen Rede nach oben.
Müller zeigte sich im Sommer 2025 unzufrieden mit der eigenen Arbeit in der schwarz-roten Regierungskoalition. Er verwies etwa auf die schwierige Lage im Osten. "Die Einsicht, dass wir als bürgerliche Mitte auseinanderfallen, wenn wir weitermachen wie bisher - diese Erkenntnis ist im Osten schon fünf Jahre weiter."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Politik":
kns/roj/news.de
(0)Comments