Landwirtschaft im Ammerland: Weinlese in Bad Zwischenahn – Warum der Ort später nicht auf der Flasche stehen darf

Landwirtschaft im Ammerland: Weinlese in Bad Zwischenahn – Warum der Ort später nicht auf der Flasche stehen darf
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Category: Business
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Michael Bruns baut Weißwein in der Gemeinde Bad Zwischenahn an. In Norddeutschland ist das erst seit 2017 erlaubt. Hinter dem Projekt steckt eine Menge Herzblut – ein Besuch bei der Weinlese. Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung. Bad Zwischenahn - Grüne Trauben glänzen im Sonnenlicht, die Weinstöcke stehen in Reih und Glied: Diese Kulisse kennt man aus Weinbaugebieten in Süddeutschland. Die Anbaufläche, auf der Michael Bruns an diesem Morgen seine Ernte koordiniert, liegt jedoch nicht an steilen Berghängen, sondern auf dem 'platten' Land im Norden. Seine Weinreben der Sorte Solaris wachsen in Bad Zwischenahn, einem Landstrich, in dem ihr Anblick selten ist. Hier entsteht ein Weißwein, von dem man gar nicht so genau sagen darf, wo er entstanden ist. 'Auf den Flaschen dürfen wir Bad Zwischenahn als Ort nicht nennen', erklärt Michael Bruns. Das liege daran, dass das Ammerland kein offizielles Weinanbaugebiet sei, gibt der 29-Jährige schon einmal einen ersten Einblick in die komplizierten bürokratischen Vorschriften in der Europäischen Union. Der Erntetag Doch bevor der Wein in die hohen, grünen Flaschen kommt, müssen erst einmal die Trauben geerntet werden. Für die Weinlese sind an diesem Samstagmorgen in Bad Zwischenahn Familienangehörige, Nachbarn und Freunde zusammengekommen. Mit scharfen Scheren ausgestattet, arbeiten sie sich durch die Rebenreihen und schneiden die schönsten Exemplare ab. Die roten Kisten, in denen die Trauben abgelegt werden, füllen sich schnell. Gut zweieinhalb Tonnen Früchte werden an diesem Tag zusammenkommen – sie werden noch am selben Tag zu einem Bioweingut in der Pfalz gebracht. Dort wird die Ernte noch einmal sortiert und dann in die Presse gegeben. Noch am selben Abends landet der Traubensaft in großen Stahltanks. Dort reift er mehrere Monate. 'Wir fahren ein- bis zweimal zum Abschmecken hin. Man sagt, 60 Prozent der Weinqualität kommen aus der Traube, 40 aus dem Keller.' Ein Teil der Ernte. Bild: Liebscher Schutz vor Nässe und Kälte Mit den Trauben ist Michael Bruns in diesem Jahr zufrieden. Der Erntezeitpunkt muss genau passen. Mit einem Gerät haben er und Hajo Beeken, mit dem er das Projekt betreibt, vorher den sogenannten Oechslegrad der Früchte gemessen. Er liegt bei 90. 'Mehr als 100 sollten es nicht sein, dann wird der Wein süß', erklären die beiden. Damit der Wein an seinem Standort gut gedeihen kann, wurde der Anbau an die Umgebung angepasst. 'Solaris ist eine früh blühende Sorte. So bekommen die Trauben länger Zeit, Zucker zu sammeln', sagt Michael Bruns. Um die Pflanzen gegen Spätfrost im Frühjahr zu schützen, wurden Wassersprinkler installiert. 'Sie gehen bei einer Temperatur von einem Grad an und besprühen die Pflanzen. Durch die Erstarrungswärme bei Frost hält man die Blüten bei 0 Grad.' Und auch gegen Nässe wird vorgesorgt. 'Die Rebenreihen stehen hier weiter auseinander als üblich. So bekommen die Trauben mehr Licht und der Wind kann gut durchgehen und die Blätter trocknen. Alles, was feucht ist, bringt Pilze.' Hajo Beeken und Michael Bruns. Bild: Liebscher Beginn im Jahr 2018 Wie kommt man darauf, in Norddeutschland Wein anzubauen? Für Michael Bruns, dessen Familie ein großes Pflanzenunternehmen im Ammerland betreibt, und der mittlerweile Geschäftsführer der Baumschule Marken ist, ist der Anbau nicht Beruf, sondern eher Hobby. 'Ich war früher schon mit auf Geschäftsreisen mit meinem Vater, da haben wir Weinanbau sogar in Schweden gesehen. Das Thema hat uns interessiert, auch wegen des Klimawandels', erinnert sich der 29-Jährige. 'Ich habe dann im Studium das Thema Weinanbau mit belegt, da habe ich viel erfahren.' Jetzt nutzt er dieses Wissen, um den ersten Wein aus Bad Zwischenahn – auch wenn man das nicht offiziell sagen darf – anzubauen und auf den Markt zu bringen. 'Es ist erst seit 2017 überhaupt erlaubt, hier Wein anzubauen', erzählt Michael Bruns von den Anfängen. Mitte der 70er-Jahre hatte die Europäische Union die Neuanpflanzung von Weinreben verboten, um Übermengen bei der Weinproduktion abzubauen. Trauben am Tag der Lese. Bild: Liebscher Michael Bruns hat 2018 vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) eine Genehmigung für seinen Weinanbau bekommen, 2019 die ersten Reben getopft und 2020 gepflanzt. Er ist nicht der einzige Weinbauer in Niedersachsen. Seit 2025 dürfen laut Laves insgesamt 48 sogenannte Bewilligungsinhaber professionellen Anbau betreiben. Der 'MeerWein 53 Grad' von Michael Bruns wächst momentan auf einem halben Hektar heran. 'Er ist ziemlich gut', lautet die einhellige Meinung der Helfer am Tag der Ernte. Probieren kann man ihn demnächst zum Beispiel auf dem Weinfest in Bad Zwischenahn am Wochenende und bei der Landpartie. Ja, ich möchte den Newsletter "Kurzvoracht – Der Tag kompakt" der Nordwest Mediengruppe erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe. Einwilligung und Werberichtlinie Ja, ich möchte den Newsletter "Kurzvoracht – Der Tag kompakt" der Nordwest Mediengruppe erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). 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