Fragen & Antworten 8. September 2026 Catharina Spethmann und Torsten Harms
Bremens Wirtschaft soll unter anderem von den Investitionen in den Hafen profitieren. Bild: Imago | Jochen Tack
Über 1,3 Milliarden Euro gehen nach Bremerhaven und Bremen, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Nun wurden die Maßnahmen des Bundes vorgestellt.
Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Häfen in Bremerhaven und in den Flughafen gesteckt werden. Ziel ist die militärische Ertüchtigung des Flughafens sowie des Überseehafens in Bremerhaven. Damit "die Bundeswehr und ihre Nato-Partner im Verteidigungsfall Personal und Material schnell verlegen können", heißt es in einer Mitteilung des Senats. Doch es gebe auch einen zivilen Nutzen, erläuterte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei einer Senatspressekonferenz.
Man muss ganz klar sagen: Das gibt uns die historische Chance, den Hafen insgesamt in Schuss zu bringen. Das hätten wir mit eigenen Mitteln alleine nie geschafft. Insofern ist es so: militärische Zwecke, aber auch ziviler Nutzen. Und am Ende kommt ein deutlich sanierter und ertüchtigter Hafen dabei raus.
Andreas Bovenschulte (SPD), Bremer Bürgermeister Was ist konkret in Bremerhaven geplant?
Rund 800 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Hafens fließen. "Gebaut und ertüchtigt werden unter anderem eine Schwerlastbrücke und mehrere Schwerlastflächen im Hafen, ein Teil der Stromkaje, ein Verbindungskanal mit Drehbrücke sowie verschiedene Binnenkajen im Kaiserhafen", so die Mitteilung des Senats. Auch die Vertiefung der Hafenbecken und der Ausbau der Containerkaje sind Teile eines größeren Maßnahmenpakets. Eine neue Brücke über die Geeste soll gebaut werden, die auch schweres Gerät tragen kann. Die Barkhausenstraße soll erweitert werden. Gut ein Drittel der Containerkaje wird für das Militär saniert. Auch eine neue Feuerwache ist geplant.
Auf die Frage, ob ein modernisierter Hafen nicht vielleicht erst recht ein Angriffsziel wäre, sagt Bovenschulte: "Erstmal dient ja der Ausbau des Hafens dazu, dass unsere Sicherheit, unsere Freiheit gesichert bleibt. Soll ja gerade dazu dienen, das Signal zu senden: 'Legt euch lieber nicht mit uns an, wir sind vorbereitet'. Also wir wollen ja diese ganzen Dinge dafür tun, dass der Fall des Falles nie eintritt, der Spannungsfall oder der Verteidigungsfall." Was bekommt die Stadt Bremen vom Geld?
160 Millionen Euro fließen in den Flughafen Bremen, aber ausschließlich in Bereiche, die für militärische Zwecke wichtig sind: Flächen werden schwerlastfähig gemacht, Zäune und Sicherheitsstrukturen ausgebaut, Logistik- und Vorfeldflächen vergrößert.Das kann den Flughafen insgesamt leistungsfähiger machen – etwa für Fracht und den Wirtschaftsstandort – aber die zivile Abflughalle für Passagiere wird damit nicht modernisiert.
Investiert wird in das, was im Verteidigungsfall gebraucht wird – aber "davon profitiert natürlich der Flughafen als Gesamtheit", so Bovenschulte. Was muss Bremen beisteuern?
Bremen muss rund 200 Millionen Euro in die Waagschale legen. Das Geld ist Bremens Anteil – damit kommen erst die 1,35 Milliarden Euro zustande. Der größte Teil des Eigenanteils wird aus bereits geplanten Mitteln im bremischen Sondervermögen Hafen finanziert. Dort werden Investitionsmittel umgeschichtet und Projekte priorisiert, um den Anteil zu decken. Gibt es schon einen Zeitplan für die Umsetzung?
Das Geld wurde für die Jahre 2026 bis 2031 bereitgestellt. Ziel der Nato ist eine sogenannte Anfangsbefähigung bis 2027 – also der Hafen soll dann schon eingeschränkt als Militär-Drehscheibe nutzbar sein. Spätestens 2031 soll der Hafen vollständig für große Verlegungen funktionieren.
Das klingt zwar nach einem knappen Zeitplan, doch vom Bürgermeister heißt es dazu, dass bereits viele Projekte geplant wurden und nun auch tatsächlich umgesetzt werden können. Was bedeuten die Maßnahmen für die Menschen in Bremerhaven und Bremen?
Der Ausbau sei nicht nur für das Militär gut, sondern auch die Wirtschaft könne dadurch profitieren, heißt es. Die 1,35 Milliarden Euro entsprechen ungefähr 2,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes Bremen pro Jahr, ordnet Bovenschulte ein. "Das ist eine riesige Summe, gemessen an der Größe Bremens und Bremerhavens und allein das wird einen wirtschaftlich positiven Effekt haben."
Es wird aber auch einige Baustellen geben.
Wenn man will, dass die Dinge nach vorne gehen, dann braucht man auch Baustellen. Wenn man Stillstand haben will, hat man keine Baustellen, aber ich bin sehr dafür, dass wir keinen Stillstand haben.
Andreas Bovenschulte (SPD), Bremer Bürgermeister Gibt es schon Informationen, ob ein geplanter zweiter Militärhafen nach Bremerhaven oder nach Emden kommt?
Darauf wurde weder in der Senatsvorlage eingegangen noch hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Sommerbesuch in Bremerhaven vor einigen Wochen etwas dazu gesagt. Sein Ministerium gibt sich weiterhin bedeckt.
Quelle: buten un binnen
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 8. September 2026, 17:35 Uhr
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