Wer glaubt, Operette sei etwas für Menschen, die ihre Sonntage vorzugsweise mit einem Nickerchen verbringen, hätte am vergangenen Sonntag in Hombrechtikon seine Meinung ändern müssen. Die Vorstellung von «Wiener Blut» war ausverkauft; und das Publikum bekam einiges geboten. Linth24 war dabei und tauchte für einen Nachmittag in Johann Strauss' turbulente Welt ein. Schon bald war klar: Hier wird nicht lange gefackelt. Hier wird geliebt, gelogen, verwechselt und gesungen. Und zwar mit einer Spielfreude, die selbst die kompliziertesten amourösen Verwicklungen ziemlich leichtfüssig aussehen lässt. Ein Graf und sein Frauenproblem
Im Mittelpunkt stand Graf Balduin Zedlau. Frisch verheiratet wäre ein ruhiges Leben eigentlich eine gute Idee gewesen. Zedlau hatte allerdings andere Pläne. Ehefrau Gabriele, Tänzerin Franziska und Probiermamsell Pepi sorgten dafür, dass sein Liebesleben eher einem schlecht organisierten Terminkalender glich. Christoph Waltle spielte den Grafen mit Charme, Witz und einer gehörigen Portion Überforderung. Tereza Kotlánová als Gabriele, Anna Gitschthaler als Franziska und Anna Gössi als Pepi hielten dagegen – gesanglich ebenso überzeugend wie schauspielerisch.
Chaos im Dreivierteltakt
Und natürlich durfte das Chaos weiterwachsen. Erich Bieri als Fürst Ypsheim-Gindelbach, Marcel Zehnder als Kagler, Tom Muster als Josef und Andreas Schiller als Graf Bitowski komplettierten die Solistenriege. Chor und Ballett sorgten zusätzlich für Bewegung auf und neben der Bühne. Strauss hätte seine Freude gehabt
Musikalisch wurde das Ganze von Caspar Dechmann geleitet. Das Orchester der Operette Hombrechtikon brachte Strauss' Walzer und Polkas mit Schwung in den Saal. Es war Musik, bei der man sich nur schwer stillhalten konnte. Besonders schön: Die Produktion nahm ihre Geschichte ernst, sich selbst aber nicht zu wichtig. Genau das braucht «Wiener Blut». Denn wenn ein Graf gleichzeitig seine Ehe retten, seine Liebschaften koordinieren und den Überblick behalten muss, wäre feierliche Steifheit ohnehin fehl am Platz. Die Regie von Stefan Wieland setzte auf Tempo, Situationskomik und gutes Timing. Das funktionierte. Immer wieder wurde im Publikum gelacht – und zwar nicht aus höflicher Solidarität.
Noch ist das Blut nicht versiegt
Die Operette Hombrechtikon spielt «Wiener Blut» noch bis 4. Oktober im Gemeindesaal Blatten. Vorstellungen gibt es jeweils Freitag und Samstag um 19 Uhr sowie Sonntag um 15 Uhr. Weitere Termine sind der 11., 12. und 13. September, 18., 19. und 20. September, 25., 26. und 27. September sowie 2., 3. und 4. Oktober. Unser Rat: Hingehen!
Unser Eindruck nach dem Sonntagnachmittag: Wer Operette für angestaubt hält, sollte sich Hombrechtikon gönnen. «Wiener Blut» ist flott, frech, musikalisch stark und vor allem eines: verdammt unterhaltsam. Wer noch kein Ticket hat, sollte sich beeilen. Das erste Wochenende war bereits ausverkauft. Wiener Blut fliesst schliesslich nicht ewig.
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