FC Liverpool mit Investoren: Kapitalistische Auswüchse beim Arbeiterklub

FC Liverpool mit Investoren: Kapitalistische Auswüchse beim Arbeiterklub
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Category: Sports
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Kurz nach dem Ende der jüngsten Sommertransferphase trat Richard Hughes als Sportdirektor des FC Liverpool zurück. Die Nachricht hatte sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet: Im Juli 2026 verabschiedete sich auch sein langjähriger Bekannter Michael Ed­wards aus seiner Rolle als Fußball-CEO der Fenway Sports Group (FSG), der Eigentümergesellschaft des Klubs. Als Edwards seinen Posten vor zwei Jahren übernahm, sollte er ein Multi-Vereins-Modell aufbauen, was die FSG wieder verwarf. In diesem Zuge setzte sich der Manager ebenso für die Verpflichtung von Hughes vom AFC Bournemouth ein. Dieser beerbte damals den acht Monate lang als Interimslösung eingesprungenen Jörg Schmadtke. Zuvor hatte wiederum Julian Ward für eine Saison das Amt ausgeübt, nachdem er 2022 als Stellvertreter des sehr erfolgreich agierenden Edwards auf diesen gefolgt war. Somit befinden sich die Reds nun auf der Suche nach ihrem vierten Sportdirektor in vier Jahren. Spektakulärer Investoren-Einstieg Die Veränderungen im Management stehen beispielhaft dafür, dass dem FC Liverpool mit Blick auf diese Spielzeit, die in der Champions League an diesem Mittwoch mit dem Heimspiel gegen Atlético Madrid (21 Uhr/DAZN) beginnt, die einst viel beachtete Kontinuität im Verein abhandengekommen ist. Als Auslöser gilt das kurz vor Beginn der Fußball-WM 2022 öffentlich bekundete Interesse der FSG, einen Verkauf der Vereinsanteile zu erwägen. Der Prozess zog sich über mehrere Jahre hin, wie es bei Transaktionen dieser Größenordnung üblich ist – bis in diesem Sommer der spektakuläre Einstieg des Investorenkonsortiums 1892 Holdings verkündet wurde, benannt nach dem Gründungsjahr des Vereins. Hinter diesem Zusammenschluss steht eine Riege prominenter Multimilliardäre: Amazon-Gründer Jeff Bezos, Facebook-Mitinitiator Eduardo Saverin und Ex-Morgan-Stanley-Veteran Amit Bhatia. Für Bezos ist es nach zahlreichen Gerüchten der erste Einstieg in ein Sportunternehmen. Angeblich sicherte sich die Gruppe bis zu 40 Prozent am Klub – mehr, als zunächst angenommen worden war. Die Kaufsumme beläuft sich dem Vernehmen nach auf gewaltige rund zwei Milliarden Euro, von denen Bezos als Ankerinvestor offenbar eine Milliarde Dollar beisteuerte. Laut Berichten sollen Bezos, Saverin und Bhatia zudem eine vertraglich nicht näher bekannte Option besitzen, die FSG als Mehrheitseigner des Klubs bald abzulösen. Vor dem Hintergrund der sozialistisch angehauchten Anhängerschaft des FC Liverpool mutet es allerdings geradezu grotesk an, dass jetzt ausgerechnet der superreiche Geldadel am River Mersey mitregiert. Am Ende der vergangenen Saison protestierten die Fans bei Heimspielen in Anfield gegen einen Aufschlag bei den Ticketpreisen. Sie hielten gelbe Karten hoch, auf denen FSG-Eigentümer John Henry im Warndreieck zu sehen ist. Darunter stand: 'Vorsicht – Anfields Seele in Gefahr'. Paradoxerweise dürfte in den Werten des Arbeiterklubs die Attraktivität für die neuen Shareholder liegen. Die Reds gehören zu den prestigeträchtigsten Fußballorganisationen der Welt. Sportliche Stringenz beim FC Liverpool leidet Unter den Umwälzungen leidet insbesondere die sportliche Stringenz, mit der die FSG den FC Liverpool seit der Übernahme im Oktober 2010 für 350 Millionen Euro geführt hat. Die Besitzer achteten stets darauf, dass sich der Klub finanziell selbst trägt. Entsprechend muteten die plötzlichen Transferausgaben von knapp einer halben Milliarde Euro im Vorjahr, mit denen der notwendige Umbruch im Kader eingeleitet wurde, wie der Versuch an, das gesamte Konstrukt für potenzielle Investoren aufzuhübschen. Mehr denn je wurden mit Florian Wirtz und Alexander Isak illustre Namen verpflichtet. Dazu kamen in diesem Sommer 270 Millionen Euro Ablöse, darunter 125 Millionen für Bradley Barcola von Paris Saint-Germain. Trotzdem hinterlässt der LFC-Kader einen kaum ausgewogenen Eindruck. Das liegt nicht nur an den wechselnden Sportdirektoren, sondern ebenso an der fehlenden Konstanz auf der Trainerposition. Im Mai 2026 wurde der Niederländer Arne Slot kurzerhand entlassen – obwohl dieser die Reds nach Jürgen Klopps Abschied 2025 zur Meisterschaft geführt und anschließend trotz einer insgesamt enttäuschenden Saison noch die Champions-League-Teilnahme geschafft hatte. Für ihm kam Andoni Iraola aus Bournemouth. Der Baske sagte kürzlich zum Vorgehen seines Klubs sinnigerweise, man habe sich 'für die besten Spieler entschieden' und nicht für die positionell womöglich passendsten. Die Weiterentwicklung des Kaders wird nun Iraola obliegen – ebenso wie einem noch zu bestimmenden neuen Sportdirektor.

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