Wie kann das zusammenpassen?
Bereits am Montag gibt der Volkswagen konzern bekannt, sein Werk in Osnabrück Ende 2027 aufzugeben. Ab dann rollen keine Autos mehr vom Band, sondern Rüstungsgüter.
Und das ausgerechnet in einer Stadt, die sich selbst als Friedensstadt versteht. Erst vor wenigen Tagen verkündet Volkswagen die Streichung von 50.000 Stellen im gesamten Konzern. Während diese Nachricht von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch immer verdaut werden muss, legt der Autohersteller am Montag nochmal nach: Auch das Werk in Osnabrück soll aufgegeben werden. Die Produktion des VW T-Roc Cabrios soll somit bereits Ende nächsten Jahres auslaufen.
Und somit auch die über 150 Jahre alte Automobilgeschichte der Stadt. Doch statt einer Schließung soll das Werk künftig für die Herstellung von Luftverteidigungssystemen herhalten und somit knapp 1.400 Arbeitsplätze bis 2029 sichern. Katharina Pötter , Oberbürgermeisterin der Stadt, zeigt sich über die Entscheidung erleichtert.
'Es gab keine Alternativen zur Rüstungsindustrie. Das haben wir jetzt zwei Jahre lang versucht und auch mit vereinten Kräften über alle Kanäle versucht, eine andere, eine zivile Nutzung für das VW-Werk zu finden', erklärt die CDU-Politikerin im Gespräch mit RTL. Im Hinblick auf die Automobilindustrie müsse man anerkennen, dass der Standort Deutschland aktuell nicht wettbewerbsfähig sei, heißt es weiter. Die Osnabrücker Friedensinitiative kritisiert das Vorhaben von Stadt und Land indes scharf.
Man bedauere, dass keine anderen Alternativen, wie etwa die Produktion von Elektrobussen für den Nahverkehr, beachtet wurden. Zumindest die Landesregierung hätte formell die Möglichkeit gehabt, Volkswagen zum Teil von seinem Vorhaben abzuhalten. Denn mit einem Stimmrecht von 20 Prozent ist Niedersachsen der zweitgrößte Anteilseigner des Konzerns und kann sich somit an Entscheidungen maßgeblich beteiligen. Stattdessen hat das Land nun eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der es eine Minderheit am neuen Werk in Osnabrück erwirbt.
Doch wie passt dieses Vorhaben in eine Stadt, die seit dem westfälischen Frieden 1648 als Friedensstadt gilt? Viele Menschen äußern sich am Dienstag im Gespräch mit RTL kritisch. , heißt es.
Andere wiederum sehen die Rüstung als Absicherung für den Standort. , meint ein zweiter Passant. Laut der Stadt Osnabrück soll es bei dem Werk aber vor allem um den Punkt der Verteidigung gehen.
'Es geht darum, den Frieden zu sichern und die Freiheit und die Sicherheit unserer Bevölkerung in Deutschland zu sichern, in Europa zu sichern. Und wenn wir da als Standort Osnabrück einen Beitrag zu leisten können, dann tun wir das gerne. Gerade in Tradition unserer Friedensstadt', sagt Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Für Moritz Schlosser vom Aktionsnetzwerk 'Zukunftswerk Osnabrück' geht das jedoch nicht zusammen.
'Rüstungsproduktion funktioniert nur so lange, wie auch Krieg herrscht. Und wir wollen ja auch irgendwann mal, dass auf der Welt Frieden herrscht', erzählt er. Der Kampf zwischen Rüstung, Alternativen und gesicherten Arbeitsplätzen: er scheint für viele Seiten gerade erst zu beginnen.
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