Die US-Tochter American Rheinmetall hat den ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die US-Armee übergeben. Das Fahrzeug durchläuft nun die Entwicklungs- und Leistungsprüfung im Rahmen des Phase-3/4-EMD-Vertrags, der ein Volumen von rund 764 Millionen US-Dollar umfasst. Die restlichen sieben Prototypen sollen im laufenden Jahr folgen.
Der Lynx XM30 setzt auf einen Hybrid-Elektro-Antrieb und eine modulare Architektur mit digitaler Echtzeit-Konnektivität. Rheinmetall arbeitet bei dem Programm im 'Team Lynx' mit Textron Systems, Raytheon, L3Harris, Allison Transmission und Anduril Industries zusammen. Für den Konzern ist der Auftrag ein weiterer Baustein im Ausbau des US-Geschäfts, das neben dem europäischen Rüstungsgeschäft zunehmend an Gewicht gewinnt.
Weitere Aufträge stützen die Substanz
Der Lynx-Fortschritt reiht sich in eine Serie operativer Nachrichten der vergangenen Wochen ein. Die Bundeswehr hatte Mitte August einen Zusatzauftrag über mehr als 500 Millionen Euro brutto für 149 weitere mobile Rettungsstationen erteilt. Damit steigt das Gesamtvolumen aller bestellten Systeme auf 165 Einheiten mit einem Wert von über 600 Millionen Euro.
Für die Tochter Rheinmetall Project Solutions ist es der größte Einzelauftrag ihrer Firmengeschichte, die Produktion soll im ersten Quartal 2027 anlaufen.
Auch am Standort Kassel investiert der Konzern kräftig: Rund 270 Millionen Euro fließen in den Ausbau zu einem Panzerwerk mit Drohnen-Testzentrum, hinzu kommen etwa 25 Millionen Euro vom Land Hessen.
Der Standortumsatz soll sich von 1,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr bis 2029 auf 5 Milliarden Euro mehr als verdreifachen, die Belegschaft in Kassel von rund 2.200 auf 3.500 Beschäftigte wachsen.
Kursbild bleibt angeschlagen
Trotz der operativen Dynamik bleibt der Aktienkurs unter Druck. Rheinmetall notiert aktuell bei 1.023,20 Euro und damit rund 6,8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.097,59 Euro.
Seit der Guidance-Senkung vor rund einem Monat hat das Papier auf 30-Tage-Sicht 11 Prozent verloren. Anleger reagieren damit weiterhin verhalten auf die im August reduzierte Jahresprognose, obwohl der Auftragsbestand zuletzt auf über 100 Milliarden Euro gestiegen war.
Der Blick nach vorn richtet sich nun auf das Arminius-Projekt zur Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr. Das finale Verhandlungsfenster lief in der zweiten Septemberwoche, die parlamentarische Behandlung im Haushaltsausschuss ist für den 9. Dezember angesetzt.
Der Fixvertrag über Fahrzeuge und Service soll ein Volumen von rund 14,4 bis 14,5 Milliarden Euro erreichen, zwei Optionen könnten den Rahmen auf bis zu 26 Milliarden Euro anheben. Eine Anzahlung von rund 30 Prozent wird für Ende Dezember oder Januar 2027 erwartet.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Operativ liefert Rheinmetall mit dem Lynx-Meilenstein, den Rettungsstationen-Aufträgen und dem Kassel-Ausbau handfeste Fortschritte, während der Kurs die im August gesenkte Prognose noch nicht verarbeitet hat. Die Entscheidung über Arminius im Dezember dürfte zeigen, ob der Auftragsbestand die aktuelle Kursschwäche kompensieren kann.
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