Feministische Demokratie zum Jubiläum

Feministische Demokratie zum Jubiläum
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Category: Entertainment
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Stand: 08.09.2026, 18:39 Uhr Von: Meike Kolodziejczyk KommentareDruckenTeilen Von Wunderwesen und Märchenheldinnen, Dragkings und Operndiven, Meeresfrauen und Schönheitsmonstern: Das Internationale Frauen-Theaterfestival des Frankfurter Kulturvereins Protagon feiert seine zehnte Ausgabe Es wird wieder bunt, ein Spektakel, bei dem sich allerhand fabulöse Figuren tummeln werden, auf dem an Farben und Facetten ohnehin nicht armen Gelände des Kulturvereins Protagon in Frankfurt. Da wandeln Wunderwesen und Märchenheldinnen umher, Dragkings und Operndiven, Trojanerinnen und Kampferprobte, Meeresfrauen und Schönheitsmonster. Und das Ganze garniert eine gute Portion 'Fotzenschleim'. Bevor nun manch einer (und möglicherweise auch manch eine) pikiert nach Luft japst: Alle sind eingeladen, wenn das Internationale Frauen-Theaterfestival (IFTF) kommende Woche, vom 14. bis 20. September, seine zehnte Ausgabe feiert, mit Bühnenstücken, Performances, Tanz, Musik, Kunst, Workshops, Gesprächen und Kinderprogramm. 'Wir sind ein Festival von Frauen für alle Menschen', betont Bárbara Luci Carvalho, Gründerin und künstlerische Leiterin des Festivals. 'Feminismus ist als diverses Konzept zu verstehen – mit diversen Perspektiven.' Und er gehe auch und gerade 'Männer in Machtpositionen' etwas an. Von Mutter Ozean und Meerjungfrauen 'Feminist Democracy', feministische Demokratie, ist das Thema, das zum Jubiläum in den Mittelpunkt gerückt wird. Das IFTF wolle dabei auf viele verschiedene Lebensrealitäten blicken, 'auf Geschlecht, Herkunft, Klasse und Macht', und fragen, 'wie demokratische Räume gerechter und vielfältiger werden können', heißt es in der Ankündigung. Demokratie soll 'durch Kunst erlebbar' gemacht werden, neue Wege und Formate sollen 'feministische Friedenskultur stärken und queeren, antirassistischen sowie dekolonialen Perspektiven eine Bühne geben'. Allein mehr als 20 performative Acts stehen an den sieben Tagen auf dem Programm, von Ensembles aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern sowie aus der Region. Zur Festivaleröffnung führt die auf dem Protagon-Gelände residierende An㈠tagon Theateraktion gemeinsam mit dem Ondadurto Teatro aus Rom 'Diaspora' auf. Es interpretiert die griechische Tragödie 'Die Troerinnen' von Euripides neu und nimmt die verheerenden Nachwirkungen des Trojanischen Krieges zum Ausgangspunkt, um den Blick auf die Situation von Migrant:innen und Menschen auf der Flucht heute zu richten. Bárbara Luci Carvalho sitzt im Büro von Protagon und kann zu jedem Festivalbeitrag etwas Vergnügliches oder Mitreißendes berichten. Ständig läuft jemand im Gang vorbei oder steckt grüßend den Kopf zur Tür hinein. Auch draußen auf dem Gelände geht es rührig zu. Es ist immer was zu tun für den Kulturverein, der sich seit seiner Gründung 1999 für eine offene und freie Theaterszene jenseits der etablierten Häuser einsetzt – und dieses Jahr bereits ein großes Jubiläum feierte. Im Sommer ging die 25. von Protagon ausgerichtete Sommerwerft mit einem Besucherrekord zu Ende. Sie lief unter dem Motto 'Der Ozean beginnt in Frankfurt'. Im Zentrum stand das Pilotprojekt 'Blue Lab', eine von der Unesco-Ozeandekade anerkannte Initiative, die Kunst, Wissenschaft, Bildung und Umweltschutz verbindet – und auf dem IFTF fortgesetzt wird. In Brasilien heiße es 'Mutter Ozean', doch wenn es hierzulande um Frauen und das Meer gehe, 'kommt immer sofort das Klischee: Meerjungfrauen', sagt Carvalho teils amüsiert, teils genervt. 'Blue Lab' soll nun Feminismus, Kunst und Wissenschaft zusammenbringen, mit dem Film 'Women from the Sea' von Raquel Clemente Martins sowie mit Gesprächen mit Ciane Fernandes, Professorin für Darstellende Kunst mit Schwerpunkt Ökoperformance, und der Meeresbiologin Giovanna Dante. 'Beim Blue Lab geht es darum, wie wir auch mit Theater die Umweltwahrnehmung fördern.' Es sollen sämtliche Perspektiven einbezogen werden, auch die von Frauen und anderen 'marginalisierten Gruppen', deren Stimmen oft nicht gehört werden. 'Wir wollen alle mitnehmen, in einem Boot.' Auf die Opernbühne entführt derweil die Produktion 'Domina', die die großen Frauenfiguren aus Verdis 'La Traviata', 'Otello', 'Macbeth' und 'Aida' aus queerer Sicht neu beleuchtet. Und zum 'Fotzenschleim': Das Wort taucht auf im Titel des Solo-Stücks von Mateja Meded, das das Festival beendet. 'Fotzenschleimpower gegen Raubtierkaputtalismus' ist teilweise autobiografisch, denn die im früheren Jugoslawien geborene Künstlerin, die seit 1992 in Deutschland lebt, drückt darin ihre Erfahrungen als Mädchen und später als Frau in einem neuen Land aus. Zum Beispiel den Druck, ständig gefallen zu wollen, sich 'klein zu machen' und 'die gute Ausländerin' zu spielen. 'Für mich bedeutet Demokratie auch, Geschichten und Geschichte zu erzählen', sagt Carvalho. Denn so werde 'eine emotionale Erfahrung und Verbindung geschaffen'. Und das Frauen-Theaterfestival ist ihre Geschichte. Die gebürtige Brasilianerin ist seit 17 Jahren aktiv bei Protagon und hat am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen Choreografie und Performance studiert. Nach der Teilnahme an einem Theaterfestival in Dänemark hatte sie die Idee, ein Treffen internationaler Künstlerinnen zu organisieren. 'Ich wollte eigentlich gar kein Festival machen', sagt sie und lacht. Doch was 2017 mit einem viertägigen, weitgehend auf Theaterfrauen beschränkten Austausch begann, hat sich in knapp zehn Jahren zu einem Festival gemausert, das laut Eigenbeschreibung 'das einzige dieser Art in Deutschland' ist. Heute ist das IFTF Teil des Magdalena-Projekts, eines Netzwerks für Frauen im zeitgenössischen Theater aus aller Welt. Unterstützt wird es unter anderem vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, vom Frauenreferat und vom Kulturamt der Stadt Frankfurt. Nicht ohne Grund hat Bárbara Luci Carvalho 2025 den Tony-Sender-Preis erhalten, mit dem Frankfurt Frauen ehrt, die sich besonders für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung engagiert haben. Und damit geht es natürlich auch in Zukunft weiter: 'Das Ziel ist es, Kultur zu schaffen, zu der alle Menschen Zugang haben.' Das Internationale Frauen-Theaterfestival läuft von Montag, 14. September, bis Sonntag, 20. September, auf dem Gelände des Kulturvereins Protagon in Frankfurt, Orber Straße 57. Der Eröffnungsabend beginnt um 19.30 Uhr mit Reden, um 19.45 Uhr steht die Performance 'Dengbêj in the Disco' auf dem Plan und danach um 21 Uhr 'Diaspora – Eine zeitgenössische Tragödie'. Das Blue Lab, das als Projekt der Unesco-Ozeandekade auf der Sommerwerft seinen Anfang nahm, wird fortgesetzt am Mittwoch, 16. September, 19 Uhr. Ein Symposium am Freitag und Samstag, 18. und 19. September, widmet sich dem Festivalthema 'Feministische Demokratie'. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist auf freiwilliger Spendenbasis für alle Menschen frei und offen. Für die Workshops für Frauen und Mädchen wird eine Anmeldegebühr erhoben. Das Programm und Informationen sind auf www.iftf-frankfurt.com zu finden.

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