Alexander Dupp, Sachverständiger und Betreiber des Technischen Entwicklungs- und Leistungszentrum (TELZ) in Weroth im Westerwald, über realitätsferne Normen, gefährliche Gewerke-Schnittstellen und den Praxisanspruch seiner Prüf- und Testeinrichtung. Von Holger Dirks GFF auf Tour: Im Juni besuchte GFF das TELZ in Weroth bei Montabaur und ließ sich von Inhaber Alexander Dupp das Prüfzentrum und dessen Möglichkeiten erklären. - © Dirks filter_none WEITERE BEITRÄGE ZU DIESEM ARTIKEL
Alexander Dupp: Der Ausgangspunkt war der Wunsch nach mehr Praxisbezug. Wir haben im Fensterbau wahnsinnig viele Normen, Vorschriften und Richtlinien – und nicht alle sind unbedingt praxistauglich.
In den Normungsausschüssen sitzen viele gute Fachleute, die sich ernsthaft darum kümmern. Aber Normen zu verändern ist schwierig. Es ist wahrscheinlich einfacher, die Titanic zu heben und wieder zum Laufen zu bringen, als eine Norm zu ändern.
Wir haben deshalb einen anderen Ansatz gewählt: Wir wollen Lösungen schaffen, Dinge probieren, entwickeln, konstruieren und prüfen. Und das so, dass es in der Praxis wirklich funktioniert und händelbar ist.
Bei einbruchhemmenden Prüfungen wird die Scheibenfläche selbst nie angegangen. Geprüft wird immer nur die Befestigung der Scheibe im Flügel.
Die Fläche der Scheibe ist hinsichtlich ihrer Prüfung – ob mit Kugelfall oder Axtschlag – normativ definiert.
Aber glauben Sie, dass das den Täter interessiert? Nein. Der interessiert sich nicht für Prüfnormen. Wir haben in der einbruchhemmenden Norm außerdem noch einen Handbohrer. Fürs Foto ist das prima, aber nicht mehr. Die Zeit ist darüber weggegangen. Heute gibt es Akkuschrauber, die man über USB am Rechner lädt, und damit kann man auch einen Zylinder bohren.
Wir sind in vielen Bereichen nicht mehr in der realistischen Praxis.
Die Prüfung nach DIN 18008 arbeitet mit einem Zwillingsreifen, der aus 900 Millimeter Fallhöhe auf die Scheibe trifft. Die Aufprallgeschwindigkeit entspricht etwa 50 Stundenkilometer. Usain Bolt schafft in der Spitze 48, 49 Stundenkilometer. Aber dafür braucht er Anlauf ohne Ende. Jetzt haben wir ein Treppenhaus oder eine Studentenwohnung. Von der Eingangstür bis zum Fenster sind es 3,50 Meter.
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