'Auf dieser Bühne will man sein': Basketballerinnen entfachen WM-Hype
Den ohrenbetäubenden Applaus hatte sich Deutschlands von einer Lebensmittelvergiftung offenbar genesene Aufbauspielerin Alexis Peterson-Smalls mit höchstem Einsatzwillen verdient. Erst erzielte sie im zweiten Viertel willensstark zwei Punkte, bevor sie direkt in den Verteidigungsmodus schaltete und Malis Aufbau derart störte, dass sie nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Stehende Ovationen für die 31-Jährige und ein Team des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), das endgültig im ersehnten WM-Turnier in der eigenen Hauptstadt angekommen zu sein scheint.
83:58 besiegten die deutschen Basketballerinnen vor 12.550 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Berliner Uber-Arena Mali, sicherten sich durch Spaniens gleichzeitigen Sieg gegen Japan Gruppenplatz zwei und ein erstes K.-o.-Duell in den Play-ins fürs Viertelfinale an diesem Dienstag gegen Südkorea (20.45 Uhr, ProSieben Maxx und Magenta Sport). 'Alle haben Bock, vor dieser riesigen Menschenmenge zu spielen', sagte DBB-Kapitänin Marie Gülich anschließend. Da verfliege sogar die Müdigkeit nach drei Spielen in vier Tagen und der Perspektive, am fünften Tag schon wieder in einem Ausscheidungsspiel gefordert zu sein.
Denn eine solche Atmosphäre wie bei der Heim-WM jetzt erleben deutsche Basketballerinnen, auch wenn sie in der WNBA und damit der besten Liga der Welt spielen, nicht so oft. Hinter einem der beiden Körbe macht bei Spielen der deutschen Frauen ein Fanblock mit Sprechchören, Trommeln, großformatigem Banner und Hüpfen Stimmung – sowohl in der Uber-Arena als auch in der etwas kleineren, atmosphärisch noch etwas dichteren Max-Schmeling-Halle. Die Menschen im Publikum klatschen bei jedem Angriff rhythmisch mit. Ist das deutsche Team in der Verteidigung, hallen die 'Defense, Defense'-Rufe durch die Halle. Bei spektakulären deutschen Korberfolgen springen Tausende gleichzeitig auf - inklusive ohrenbetäubender Jubelexplosion. Selbst bei der nach wenigen Spielminuten abzusehenden 53:83-Auftaktklatsche gegen Spanien bleibt das Publikum bis zur Schlusssirene im Anfeuerungsmodus.
'Froh, das hier in Deutschland erleben zu dürfen'
Als Kind habe sie von so etwas geträumt, wenn sie die Spiele von Alba Berlin angesehen habe, erzählt die gebürtige Berlinerin Alexandra Wilke hinterher. Und Bundestrainer Olaf Lange schwärmt: 'Ich bin so froh, das hier in Deutschland erleben zu dürfen.'
Ich bin so froh, das hier in Deutschland erleben zu dürfen.
Olaf Lange; Frauen-Bundestrainer
Dazu übermalt die Arena-Regie jede Pause mit lautstarker Musik, gerne mit Songs der Berliner Lokalmatadoren wie Peter Fox und Nina Chuba. Gegen Mali darf dann auch erstmals Major Tom 'völlig losgelöst' sein und Scooters HP Baxxter bekennt: 'Maria, Maria – I like it loud'. Die Hallendekoration ist in warmem Orange, der WM-Farbe, gehalten. Das ist alles auf höchstem Entertainment- und Stil-Niveau und nicht nur zeitlich weit weg von der WM 1998 in Deutschland. Denn heute ist Frauen-Basketball so cool wie wahrscheinlich noch nie.
Mehr als 30.000 Menschen bei Deutschland-Spielen
Bundestrainer Lange war vor 28 Jahren schon als Trainer dabei, erinnerte sich zu Beginn des laufenden Turniers, dass damals 1500 bis 1800 Zuschauerinnen und Zuschauer in den Arenen – darunter auch die Max-Schmeling-Halle – waren. Zum Vergleich: Die drei deutschen Vorrundenspiele sahen mehr als 30.000 Menschen vor Ort in der Uber-Arena. Hinzu kamen Millionen an Menschen, die den Fernseher angeschaltet hatten, wenn Leonie Fiebig und Co. in der Bundeshauptstadt auf Korbjagd gingen. Und ja, auch Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte die beiden ersten deutschen WM-Spiele für Besuche beim Basketball.
'Auf dieser Bühne will man als Spielerin sein. Es ist einfach unglaublich für den Frauen-Basketball und den Basketball in Deutschland', sagte Spielmacherin Peterson-Smalls nach dem Spiel gegen Mali auf der Pressekonferenz.
Die letzte Minute des Triumphzuges, der in die K.-o.-Runde führte, hatten die mehr als 12.500 Menschen in der Halle im Stehen verbracht. Den Jubelkreis der deutschen Spielerinnen nach der Schlusssirene beschallt der Stadion-DJ mit Tokio Hotels 'Durch den Monsun'. Das Lied haben Kapitänin Marie Gülich und ihre Kolleginnen als Teamsong ausgewählt. Einen wichtigen Teil des schwierigen Weges zum Traumziel Medaille haben sie bereits absolviert.
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