Bei den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen des Programme for International Student Assessment (PISA-Studie) liegt Österreich erstmals über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Untersucht wurden die Kompetenzen 15-jähriger Schüler:innen in Naturwissenschaften, Mathematik, Lesen und erstmals im Bereich 'Lernen in der digitalen Welt'. Knapp 7.000 österreichische Schüler und Schülerinnen nahmen an den Tests teil. Österreich verzeichnete aber Leistungsrückgänge bei den Lese- und Mathematikkompetenzen – mehr dazu inLesekompetenz hat sich weiter verschlechtert(news.ORF.at).
Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Österreichs Bildungssystem vor großen Herausforderungen stehe, so die Schülerunion. Besonders alarmierend seien die weiterhin bestehenden Unterschiede zwischen Schüler:innen mit unterschiedlichen sozialen und familiären Voraussetzungen. Bildung dürfe nicht davon abhängen, mit welchen Voraussetzungen ein Kind ins Schulsystem startet, so die Union. "Nicht alle Schüler:innen starten unter den selben Vorraussetzungen. Genau deshalb müssen wir dort unterstützen, wo es notwendig ist. Die PISA-Ergebnisse zeigen einmal mehr: Wir brauchen echte Chancengerechtigkeit und eine Schule, die die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen stärker fördert', so die stellvertretende BMHS-Landesschulsprecherin Irma Fejzic.
Trotz allem liegt Österreich über dem OECD-Schnitt, was allerdings damit zusammenhänge, dass die anderen Staaten insgesamt eine schlechtere Entwicklung verzeichneten. Für die Schülerunion ist deshalb klar: Es brauche 'eine Schule, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse und Talente jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin eingeht. Statt Schüler:innen lediglich nach einem einheitlichen Maßstab zu beurteilen, müssen gezielte Förderung, individuelle Lernbegleitung und gerechte Bildungschancen stärker in den Mittelpunkt rücken'.
Die PISA-Ergebnisse dürfen nicht nur Anlass für eine kurzfristige Diskussion über Rankings sein. Sie müssen ein Auftrag sein, gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen darüber zu sprechen, was Schule heute leisten muss, und was sich dafür konkret verändert gehört, fordert die Schülerunion.
'Bildung ist keine Selbstverständlichkeit. Und genau das verdeutlichen uns die aktuellen PISA-Ergebnisse. Dass die Leistungen der österreichischen Schüler:innen seit Jahren rückläufig sind, ist keine Überraschung. Wir als Schülerunion Steiermark hoffen, dass diese Entwicklung endlich einen Weckruf an die Regierung darstellt, Bildung zur klaren Priorität zu machen und konkrete Maßnahmen zu setzen, um die Qualität unseres Bildungssystems nachhaltig zu stärken', so Anni Chen, Landesobfrau der Schülerunion Steiermark.
Jugendliche müssten besser auf die Lebensrealität nach der Schule vorbereitet werden, so die Union: Finanzbildung, digitale Kompetenzen sowie der sinnvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz dürften keine Nebenthemen sein, sondern müssten Teil einer modernen Bildung sein. Dementsprechend begrüße die Union die angekündigten Finanzbildungsreformen und Lehrplananpassungen des Bildungsministeriums.
Die Schüler:innenbewegung Progress Steiermark kritisiert in Bezug auf das Ergebnis hinsichtlich des Zusammenhangs von Bildungserfolg und sozioökonomischem Hintergrund der Eltern, dass Bildungsminister Christoph Wiederkehr 'trotz dieser eindeutigen Datenlage weiterhin auf punktuelle Maßnahmen wie den Chancenbonus setzt, anstatt das strukturelle Problem der Bildungsvererbung umfassend anzugehen', wie es in einer Aussendung hieß.
Jeder vierte Jugendliche in Österreich kann laut aktuellen PISA-Daten einen Text nicht sinnerfassend lesen. Vor zehn Jahren war es noch etwa jeder fünfte. 'Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Chancenbonus tatsächlich die große Antwort auf die Bildungsungleichheit sein kann, als die er politisch präsentiert wird. Unsere Antwort ist klar: Nein. Der Chancenbonus mag ein kleiner Baustein sein, für ein strukturelles Problem dieser Größenordnung ist er schlicht viel zu wenig', so Progress.
Was fehle, sei, so die Schülervertretung, 'eine Gesamtstrategie: Schulen mit besonderen Herausforderungen brauchen dauerhaft mehr Ressourcen, gezielte Unterstützung und ausreichend Personal. Maßnahmen müssen messbare Ziele haben und regelmäßig darauf überprüft werden, ob sie tatsächlich bei jenen Schüler:innen ankommen, die sie am dringendsten brauchen'.
Progress fordert unter anderem eine umfassende, wissenschaftlich evaluierte Strategie gegen die Vererbbarkeit von Bildungserfolg statt einzelner, isolierter Programme, ausreichende und nachhaltige finanzielle Mittel für Schulen mit hohem Anteil an Schüler:innen aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen und eine stärkere Einbindung von Schüler:innenvertretungen bei der Entwicklung neuer Chancengerechtigkeits-Maßnahmen.
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