60er-Jahre-Haus radikal neu umgebaut

60er-Jahre-Haus radikal neu umgebaut
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Category: Entertainment
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von Verena Richter Cometa Architects aus Barcelona arbeiten gern im Bestand. Es geht ihnen darum, dem Wesen eines Hauses auf die Spur zu kommen und gleichzeitig Neues zu schaffen. Wie gut ihnen das gelingt, zeigt der raffinierte Umbau eines unauffälligen 60er-Jahre-Hauses in Athen, das heute keiner mehr übersieht. "Mutig" war das erste Wort, das der Architektin in den Sinn kam, als sie den kleinen Bau aus den 1960er-Jahren sah. "Wie er da neben all den viel höheren Wohnblocks stand und sich von ihrer Größe nicht einschüchtern ließ", erinnert sich die Planerin, die über Gebäude spricht, als hätten sie menschliche Eigenschaften, "das rührte mich." Das Stadtviertel Holargos, in dem das Haus steht, kennt Faidra Matziaraki, die in Athen aufgewachsen ist, seit Langem: "Früher war es ein ruhiges grünes Wohnviertel, doch in den letzten Jahrzehnten wurde es immer dichter bebaut. In Athen leben heute circa 3,5 Millionen Menschen – etwa ein Drittel aller Einwohner Griechenlands." Aus dem unscheinbaren Wohnhaus im Athener Wohnviertel Holargos wurde dank Aufstockung und gerundetem Dachabschluss mit integriertem Skylight "Casa D" – ein Blickfang mit Grünzone. © Giorgos Sfakianakis Schnell war klar, dass Faidra Matziaraki es nicht übers Herz bringen würde, das Haus abzureißen. Stattdessen beschloss sie mit der Bauherrin und dem Architekten Víctor González Martí – mit ihm führt sie seit 2014 in Barcelona das Architekturbüro Cometa –, es radikal umzubauen. "Wir ließen alle Außenwände entfernen, erhielten aber die Grundstruktur und nutzten das vorhandene Skelett als Ausgangspunkt für den Neubau." "Nachhaltigkeit bedeutet auch, bestehende Elemente zu erhalten und wiederzuverwenden" – Faidra Matziaraki, Architektin Deckenplatten wurden entfernt, Räume über zwei Geschosse geschaffen, die Konstruktion wurde mit einem erdbebensicheren Stahltragwerk verstärkt und ein Stockwerk aufgesetzt. Eine Vorgehensweise, die typisch für das Studio Cometa ist. "Víctor und ich arbeiten gern im Bestand", sagt Matziaraki. "Wir versuchen stets, vorhandene Materialien weiterzuverwenden. Wenn uns nicht gefällt, wie sie verbaut sind, bauen wir sie aus und setzen sie anders wieder ein." Um die Luftigkeit des offenen zwei Stockwerke hohen Wohnbereichs zu erhalten, entwarfen die Architekten das Treppenhaus als Stufenskulptur in Pfirsichrosa. © Giorgos Sfakianakis Doch auch nach der Aufstockung blieb der von bis zu siebenstöckigen Häusern umzingelte Bau der kleinste im Viertel. Die Nachbarn blickten weiterhin auf ihn herab. "Man fühlte sich beobachtet", sagt Matziaraki. Deshalb entwickelte sie die Fassade als "trutzige Hülle", wie sie sagt, "die wirkt, als kehre das Haus aufdringlichen Blicken den Rücken zu". Auch die umliegenden Gebäude profitierten von diesem introvertierten Charakter. Denn da der innen liegende Garten zu einem zentralen Element des Entwurfs wurde, sieht man von den umliegenden Balkonen weiterhin in den Himmel – und ins Grüne. "Eine Qualität, die verloren gegangen wäre, wäre hier ein weiterer deutlich höherer Wohnblock entstanden", so Matziaraki. Der bereits vorhandene Garten wurde drei Stufen tiefer gelegt, die alte Betonplatte gegen einen Terrazzoboden ausgetauscht, und einige der Zitronen-, Maulbeer- und Olivenbäume wurden umgepflanzt. © Giorgos Sfakianakis Gleichzeitig sollte der Umbau nicht zu abweisend geraten: "Um der massiven Fassade ihre Strenge zu nehmen, schwingt sich die linke Seite zu einem Oberlicht auf." Ein Balanceakt, der nicht nur ästhetische Gründe hat. Dank dem abgerundeten Aufbau ist das Oberlicht nach Südosten ausgerichtet. Das Tageslicht wird über die gekrümmte Öffnung gelenkt und im Raum verteilt. So entsteht im offenen zweigeschossigen Wohnbereich ein gleichmäßiges, weiches, nahezu schattenfreies Licht. Auf der Galerie, direkt unter dem Oberlicht, befindet sich das Büro der Hausherrin. © Giorgos Sfakianakis "Wir haben möglichst viel Tageslicht reingeholt und möglichst wenig direkte Sonneneinstrahlung" – Faidra Matziaraki, Architektin Für zusätzliche Helligkeit sorgen auf beiden Ebenen die raumhohen verglasten Schiebeelemente der Hauptfassade. Ihre Lamellenläden filtern das Tageslicht. Anders als das Oberlicht erzeugen sie jedoch keine diffuse Beleuchtung, sondern ein wechselndes Schattenspiel. Zugleich schaffen sie Privatsphäre, ermöglichen Blicke nach außen, aber nicht nach innen. "Im Grunde haben wir alle Öffnungen so ausgerichtet, dass sie Tageslicht einfangen, ohne direkte Sonneneinstrahlung zu erlauben, weil die in Griechenland einfach viel zu sehr aufheizt", erklärt Matziaraki. Das gilt auch für die drei diagonalen Einschnitte in die Fassade, die das Lichtkonzept ergänzen. Sie holen optisch das Grün des Gartens ins Haus und blenden gleichzeitig die Nachbargebäude aus. Außerdem verleihen sie der Gebäudehülle Tiefe. "Ohne diese Schlitze", sagt Matziaraki, "würde die Fassade wie eine zweidimensionale Fläche wirken." Links schwingt sich das Gebäude zu einem Oberlicht empor. Die Rundung und die Lamellen der Schiebeläden nehmen der Fassade ihre geometrische Strenge. © Giorgos Sfakianakis Die grünen Küchenfronten und der Terrazzo sind eine Referenz an den Außenbereich. © Giorgos Sfakianakis Salbeigrün und warme Rottöne setzen im ganzen Haus Akzente, auch im Bad. © Giorgos Sfakianakis Während sich die Hauptfassade mit ihrem Balkon zum Garten orientiert, liegt die Haustür seitlich in einer geschützten Eingangsnische. Betritt man das Haus, steht man unmittelbar im offenen Wohnbereich mit Sitzlandschaft und Esstisch. Darüber ein zweigeschossiger Luftraum mit einer Galerie, zu der eine offene Treppenkonstruktion führt. Von dort gelangt man auch zu den Schlafzimmern. Der offene Wohnbereich mit einer gemütlichen beigefarbenen Sitzlandschaft befindet sich unmittelbar neben dem Eingangsbereich. © Giorgos Sfakianakis Im Obergeschoss schläft die Bauherrin auf einem japanisch inspirierten Bettpodest. © Giorgos Sfakianakis "Da sich die zentrale Treppe nicht verstecken ließ, sollte sie zum Blickfang werden." – Faidra Matziaraki, Architektin "Die Treppe war eine der größten Herausforderungen", erinnert sich Matziaraki. "Schließlich hatten wir nicht einen großen Teil der Betondecke herausgeschnitten, um dem Wohnraum nun mit einer massiven Treppe seine Leichtigkeit wieder zu nehmen." Doch am Ende jedes Entwurfs stand ein großes Objekt mitten im Raum. "Uns blieb nur die Flucht nach vorn: Wenn du etwas nicht verstecken kannst, mach es zum Blickfang." Das Ergebnis ist eine postmodern anmutende Metallskulptur in Pfirsichrosa. "Zu der Farbe hat mich die Energie und Lebendigkeit der Bauherrin inspiriert", erklärt Matziaraki. Als das Team von Studio Cometa kurz darauf auch noch eine Hängeleuchte in der gleichen Farbe und mit einem ähnlichen Schwung fand, schien sich eine Überzeugung zu bestätigen, die Matziarakis Arbeit schon lange prägt: dass nicht nur Menschen Haltung und Temperament haben, sondern auch Architektur eine Frage des Charakters ist. Passend zur Farbe der Treppenskulptur fand das Architektenteam die Pendelleuchte "Wireline" von Formafantasma. © Giorgos Sfakianakis Der Grundriss © HÄUSER Umfangreiches Planmaterial zum Haus finden Sie hier zum Download. Cometa Architects Casa D, Athen/Griechenland Cometa Architects wurde 2012 von Víctor González Martí und Faidra Matziaraki in Barcelona gegründet. Von hier aus planen sie international Projekte, ihr Schwerpunkt liegt im Umbau von Bestand. © Cometa Architects Architekten: Cometa Architects, Faidra Matziaraki und Víctor González Martí, Tel. +34-933 39 38 29, cometaarchitects.com Interiordesign: Faidra Matziaraki, Víctor González Martí, Nicolas de Leon, Alvaro Portoles, Niki Chronopoulou Bauzeit: 2023 Wohnfläche: 187m2 Grundstücksgröße: 300m2 Bauweise: massiv Fassade: mineralischer Putz Dach: Flachdach Raumhöhe: 2,78m, im Wohnraum doppelte Raumhöhe Decken/Wände: Putz Fußboden: Parkett, Fliesen, Terrazzo Fenster/Türen: Aluminium (Alumil) Energiekonzept: Luftwärmepumpe, Solarthermie, Photovoltaik, Fußbodenheizung/-kühlung Möblierung: Einbauten und Küche maßgefertigt nach Entwürfen von Cometa Architects. Outdoormöbel aus der Kollektion "Luxembourg": Fermob, Sofa maßgefertigt nach Wünschen der Bauherrin, Beistelltisch "Tavola con Ruote" von Gae Aulenti: Fontana Arte, Pendelleuchte "Wireline" von Formafantasma: Flos, Loungechair "MR01" von Mathias Rasmussen: Gubi, Schreibtischstuhl "Alcora": GV Architectural Furniture Die Casa D wurde im Rahmen des HÄUSER-Award 2026 ausgezeichnet und ist Teil des Buches "Häuser. Die besten Umbauten" von Bettina Hintze.

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