Milliarden-Hilfe: China stützt Banken und Versicherer

Milliarden-Hilfe: China stützt Banken und Versicherer
View on original source
Category: Business
Share
Archive
Like
Mit 360 Milliarden Yuan stärkt China Banken und Versicherer: Die Kapitalspritze soll die Kreditvergabe ankurbeln, zeigt aber zugleich den wachsenden Druck auf das Finanzsystem. Milliarden-Hilfe: China stützt Banken und Versicherer Mit einer neuen Milliarden-Hilfe greift Peking in das chinesische Finanzsystem ein. Insgesamt 360 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 49 Milliarden Euro, fließen in drei staatliche Banken und fünf Versicherer. Den größten Teil der Finanzierung übernimmt das Finanzministerium, das dafür Sonderschatzanleihen im Volumen von 300 Milliarden Yuan (rund 40 Milliarden Euro) ausgibt. Die Maßnahme setzt damit die im vergangenen Jahr gestartete Rekapitalisierung der großen Staatsinstitute fort. Den größten Kapitalbedarf haben die Agricultural Bank of China (ABC) und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) angemeldet. Die Agricultural Bank strebt eine Kapitalerhöhung von bis zu 160 Milliarden Yuan (rund 22 Milliarden Euro) an, bei der ICBC geht es um bis zu 100 Milliarden Yuan (rund 14 Milliarden Euro). Weitere 30 Milliarden Yuan (rund 4 Milliarden Euro) erhält die Export-Import Bank of China (Exim Bank). Auf der Versicherungsseite fließen 35 Milliarden Yuan (rund 4,7 Milliarden Euro) an China Life Insurance (China Life), bis zu 15 Milliarden Yuan (rund 2 Milliarden Euro) an die People's Insurance Company of China (PICC) sowie 10 Milliarden Yuan (rund 1,4 Milliarden Euro) an China Export and Credit Insurance Corp. (Sinosure). Die China Taiping erhält 7 Milliarden Yuan (rund 950 Millionen Euro), China Reinsurance (China Re) weitere 3 Milliarden Yuan (rund 400 Millionen Euro). China: Rekapitalisierung soll Kreditspielraum der Banken erhöhen Auf einen akuten Kapitalengpass des gesamten Bankensektors reagiert Peking damit nicht. Ende Juni lag die durchschnittliche Gesamtkapitalquote der chinesischen Banken bei 15,26 Prozent, die harte Kernkapitalquote bei 10,72 Prozent. Gleichzeitig zeigen die Bilanzen der großen Institute, wie stark sich das Umfeld für die Kreditgeber verändert hat. Die wiederholten Zinssenkungen der chinesischen Zentralbank (PBoC) haben die Nettospannen der Zinsen gedrückt, während die Banken weiterhin günstige Kredite vergeben und wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen unterstützen sollen. Gerade für die großen Staatsbanken entsteht daraus ein widersprüchlicher Druck. Sie sollen die Wirtschaft mit Krediten versorgen, obwohl die Erträge aus diesem Geschäft sinken. Gleichzeitig hat die Immobilienkrise die Qualität der Kreditportfolios belastet, denn Bauträger sind in Zahlungsschwierigkeiten geraten, Sicherheiten haben an Wert verloren und Lokalregierungen sowie deren Finanzierungsgesellschaften sitzen auf hohen Schulden. Die schwache Kreditnachfrage der privaten Haushalte verschärft das Problem zusätzlich. Den Banken verschafft die Rekapitalisierung deshalb vor allem zusätzlichen Spielraum für die Kreditvergabe und für die Abfederung möglicher Verluste. Die China International Capital Corporation (CICC) schätzt, dass allein die 300 Milliarden Yuan (rund 40 Milliarden Euro) aus der zweiten Rekapitalisierungsrunde eine Bilanzexpansion von rund 4 Billionen Yuan (rund 540 Milliarden Euro) auslösen. Wang Qing vom Ratinghaus Orient Golden Credit schätzt den Kreditimpuls beider Wellen zusammen auf 6 bis 7 Billionen Yuan (rund 810 Milliarden bis 945 Milliarden Euro). Diese Zahlen beschreiben allerdings eine theoretische Kapazität. Erstmals erhalten auch Versicherer staatliches Kapital Erstmals bezieht Peking große staatliche Versicherer systematisch in eine solche Kapitalmaßnahme ein. China Life und PICC stehen dabei unter einem ähnlichen Druck wie die Banken. Das anhaltend niedrige Zinsniveau belastet die Renditen ihrer Anlageportfolios, während die demografische Entwicklung die Verpflichtungen aus Lebens- und Rentenversicherungen erhöht. Hinzu kommt, dass die großen staatlichen Versicherer mit stärkeren Bilanzen auch kleinere und schwächere Institute auffangen sollen. Damit reicht die Maßnahme über die Stabilisierung einzelner Unternehmen hinaus und stärkt die Fähigkeit des Staates, Probleme innerhalb des Versicherungssektors selbst abzufedern. Als Teil der staatlichen Infrastruktur für Exportfinanzierung und Kreditversicherung sollen Exim Bank und Sinosure mit frischem Kapital zugleich die Instrumente stärken, mit denen Peking chinesische Unternehmen bei Auslandsgeschäften finanziell absichert. Peking übernimmt erneut die Rechnung für das Finanzsystem Innerhalb von zwei Jahren ist dies bereits die zweite große Rekapitalisierung. Letztes Jahr stellte das Finanzministerium 500 Milliarden Yuan (rund 68 Milliarden Euro) über Sonderschatzanleihen bereit, woraufhin vier weitere Großbanken insgesamt 520 Milliarden Yuan (rund 70 Milliarden Euro) an Kapital aufnahmen. Zusammen summieren sich die beiden Programme auf 800 Milliarden Yuan (rund 108 Milliarden Euro) über Sonderschatzanleihen und 880 Milliarden Yuan (rund 119 Milliarden Euro) an neuem Eigenkapital. Damit greift Peking auf ein Instrument zurück, das bereits bei der Bankenbereinigung Ende der 1990er-Jahre eine zentrale Rolle spielte. Damals übernahmen vier staatliche Asset-Management-Gesellschaften faule Kredite der großen Staatsbanken im Nennwert von rund 1,4 Billionen Yuan (rund 189 Milliarden Euro zu heutigem Kurs). Anschließend wurden die Banken rekapitalisiert und für den Börsengang vorbereitet. Gemessen am damaligen Bruttoinlandsprodukt entsprach das Volumen rund 20 Prozent. Der entscheidende Unterschied liegt diesmal allerdings in der Form der Belastung. Peking übernimmt die Finanzierung über seine eigene Bilanz, während die staatlichen Institute das frische Kapital innerhalb des Finanzsystems einsetzen. Genau hier setzt die Kritik des Finanzprofessors Michael Pettis von der Peking-Universität an. Seiner Einschätzung nach verbessert zusätzliches Kapital zwar die Bilanz des einzelnen Instituts, nicht aber automatisch die Stabilität des gesamten Systems. Entscheidend sei, ob tatsächlich ein externer Risikoträger Kapital zuführt. Pettis verweist dabei auf die mexikanische Bankenkrise von 1995. Auch dort sahen die Bankbilanzen nach der Privatisierung zunächst ausreichend kapitalisiert aus. Ein großer Teil des Eigenkapitals stammte jedoch direkt oder indirekt aus dem Bankensystem selbst. Als die Krise einsetzte, verwandelten sich die Verluste einzelner Institute deshalb in Verluste des gesamten Systems. Für China liegt darin der Kernpunkt. Der Staat besitzt zwar die fiskalische Fähigkeit, seine Finanzinstitute immer wieder zu stützen. Die Rekapitalisierung beseitigt damit akute Bilanzprobleme und schafft zusätzlichen Spielraum für die Kreditvergabe. Die zugrunde liegenden Verluste aus Immobilienkrise, überschuldeten Lokalregierungen und schwacher Kreditnachfrage verschwinden dadurch allerdings nicht. Sie wechseln lediglich den Platz in den Bilanzen. Pettis sieht deshalb in der aktuellen Kapitalspritze vor allem eine erneute Bestätigung dafür, dass am Ende das Finanzministerium für die Stabilität des gesamten staatlich dominierten Finanzsystems einsteht.

(0)Comments

 

A note on cookies

Newshunt uses essential cookies to keep you signed in and to remember your language and country, so the site works the way you expect. With your permission, we'd also like to use analytics cookies to understand how people use Newshunt and improve it over time.

Accepting only affects analytics. To learn more, view our Privacy Policy or Terms & Conditions.