Ein 24-Jähriger soll zwei Frauen bis zu ihren Wohnungen verfolgt und sexuell bedrängt haben. Vor Gericht räumt er die Vorwürfe ein.
Der Angeklagte Ardit B. ist seit März in Untersuchungshaft. Er hat zwei Frauen verfolgt und bedrängt. Er gesteht alles. Johanna Schneeberger
Alleine nach Hause gehen? Für zwei Frauen wurde genau das zum Albtraum. Ein 24-Jähriger soll sie verfolgt und in ihren Treppenhäusern bedrängt haben – beide Male am helllichten Tag. Jetzt steht er vor dem Landgericht Hamburg.
Im Oktober 2023 fuhr Ardit B. gegen 14 Uhr mit der Buslinie 143 vom Harburger Rathaus. Er hatte bereits fünf Bier und Wodka getrunken und Marihuana konsumiert, wie er erzählt. An der Haltestelle Eißendorfer Straße stieg er aus und folgte einer Frau bis zu ihrem Mehrfamilienhaus.
Dort bedrängte er sie und sprach in einer Sprache, die sie nicht verstand. Schließlich erklärte er ihr mithilfe von 'Google Translate', er wolle Sex mit ihr haben. Sie wies ihn zurück und wehrte sich lautstark. Er versuchte, sie zu küssen und sich an sie zu drücken. Als er sie im Schritt berührte und auch in seine eigene Hose griff, schlug sie ihm mehrmals auf den Kopf. Daraufhin flüchtete er.
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Etwa zwei Jahre später wiederholte sich ein ähnlicher Angriff. Der betrunkene Ardit B. folgte einer 31-Jährigen von der Bushaltestelle Eißendorfer Straße bis zu ihrem Mehrfamilienhaus. Er versuchte, in ihre Wohnung zu gelangen, sie zu umarmen und zu küssen. Als sie lautstark schrie, hielt er ihr den Mund zu. Sie schrie weiter, woraufhin er flüchtete.
Angst auf dem Heimweg: Viele Frauen fühlen sich unsicher
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Dass sich Frauen auf ihrem Heimweg unsicher fühlen, ist kein Einzelfall. Mehr als die Hälfte fühlt sich in Hamburg auf offener Straße unwohl, wie die Studie 'Safe In the City' von Plan International zeigt. Nur ein Drittel der Frauen fühlt sich nachts alleine in den Öffis sicher. Laut einer BKA-Studie weichen zudem fast 60 Prozent der Frauen nachts nach Möglichkeit Fremden aus, 40 Prozent meiden es sogar ganz, im Dunkeln das Haus zu verlassen.
Der Angeklagte Ardit B. ist seit März in Untersuchungshaft. Er hat zwei Frauen verfolgt und bedrängt und gesteht alles. Johanna Schneeberger
Über das Heimwegtelefon können Menschen nachts anrufen, wenn sie sich auf dem Heimweg unwohl fühlen. Unter der Nummer 030 120 741 82 werden sie von Ehrenamtlichen am Telefon bis nach Hause begleitet.
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Gleich zu Beginn des Prozesses bestätigt der Angeklagte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. 'Die Schilderungen werden nicht in Abrede gestellt', sagt sein Anwalt.
'Ich entschuldige mich zunächst bei beiden', sagt Ardit B. 'Ich bereue es sehr. Ich kann nicht einschlafen, wenn ich darüber nachdenke, was ich getan habe.' Er verhält sich ruhig und zurückhaltend.
Geschädigte schildert Depressionen und Angststörungen
Eine der Geschädigten sagt an diesem Dienstag aus. Sie erzählt, dass sie seit dem Vorfall mit Depressionen, Schlafproblemen und Angststörungen zu kämpfen hat. 'Ich kann jetzt nicht normal leben wie vorher', sagt die Frau. 'Wenn ich auf dem Weg bin, gucke ich immer hinter mir, ob jemand hinter mir läuft. Ich drücke die Tür zehnmal hinter mir zu und versichere mich, dass die Tür wirklich zu ist.'
Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt. Die andere Geschädigte soll aussagen, außerdem wird ein psychiatrisches Gutachten der Sachverständigen erwartet. Am Montag darauf soll das Urteil fallen.
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