Fellner Behauptung: Lösen Handys Autismus bei Kindern aus?

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Category: Health
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Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner irritierte mit der Aussage, dass der Handy-Konsum der Eltern Autismus bei Kindern auslösen kann. Was sagen Experten? Es geht nur um zwei Minuten einer Pressekonferenz - aber sie irritieren und lösen heftige Debatten in den Eltern-Blasen aus. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) referierte nach der Regierungssitzung über die Leistungen, die das Land Kärnten übernimmt, damit Inklusion flächendeckend stattfinden kann. So gäbe es etwa 182 Kinder, die im Autismus-Spektrum liegen. Sie könnten ohne persönliche Schulassistenz am Unterricht nicht teilnehmen. Eine Zahl die Fellner in Relation setzte: Im vergangenen Schuljahr seien es 152 Kinder gewesen, ein Jahr früher gar nur 107 Kinder. Zahlen, die Fellner auch in Zusammenhang mit der verbesserten Diagnostik setzt. Er ortet jedoch auch einen anderen Grund 'es gibt Studien, da reden wir von banalen Dingen wie Handynutzung im Beisein der Kinder, von der Aufmerksamkeit, die ich meinen Kindern widme, die sie dringend notwendig haben.' Die Mutter eines betroffenen Kindes wandte sich an die Kleine Zeitung und hinterfragte, 'seit wann Autismus nicht mehr genetisch bedingt' sei, sondern 'vom Handy-Konsum der Eltern ausgelöst' werde, wie man das aus der Wortmeldung Fellners ableiten könne. Die Zahlen 182 Kinder in Kärnten haben eine Diagnose innerhalb des Autismus-Spektrums. Im Schuljahr zuvor waren es 152 Kinder, ein Jahr früher 107. Die Kinder verteilen sich auf 98 Schulstandorte in Kärnten und werden von 58 Vollzeitkräften betreut. Die Kosten liegen bei 2,7 Millionen Euro Tatsächlich taucht auf populärwissenschaftlichen Seiten im Internet seit einigen Jahren das Wort 'virtueller Autismus' auf. Die Bezeichnung beschreibt, dass digitaler Medienkonsum von Kindern selbst bei ihnen autismusähnliche Verhaltensauffälligkeiten auslösen kann. Man beobachtet Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, fehlenden Blickkontakt und Probleme in der Sprachentwicklung. Auch gibt es Studien, die zeigen, dass sich der Handy-Konsum der Eltern negativ auf Kinder auswirke. 'Aber zu sagen: Die Handy-Nutzung der Eltern löst bei den Kindern Autismus aus, ist schlicht falsch', sagt Christa Rados, ärztliche Leiterin der Ambulatorien im psychiatrischen Therapiezentrum Kärnten. Auch Thomas Trabi, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum widerspricht ausdrücklich. 'Fellner spricht ja sogar das eigentliche Thema an: die Diagnose', sagt Trabi. In Kärnten habe sich der Gesetzgeber dazu bekannt, dass die Förderpraxis an eine Diagnose – häufig eben Autismus - gebunden ist. 'Es gibt daher tatsächlich Eltern, die auf eine Autismus-Diagnose drängen, damit ihre Kinder diese Form der Assistenz bekommen', erklärt Trabi und setzt nach: 'Vielleicht wäre aber für diese Kinder eine ganz andere Form der Unterstützung passender.' © Klz / Stefan Pajman Autismus kommt weder vom Handy noch von der Impfung. — Thomas Trabi , Psychiater Dass Kinder, die tatsächlich im Autismus-Spektrum liegen, sich stärker in digitalen Welten verschanzen würden, sei hingegen eine häufige Beobachtung. 'Der virtuelle Raum ist aber nicht der Auslöser für den Autismus', betont Trabi. Hype um Diagnosen Christa Rados warnt auch davor, zu leichtfertig Diagnosen auszusprechen. 'Ich unterstelle niemandem, dass das getan wird, aber die Tendenz jedes störende Verhalten zu pathologisieren ist schlicht da.' Eine dieser Diagnosen, um die es einen Hype gäbe: ADHS. 'Man beobachtet Unruhe, schaut auf eine Score-Card und schon hat man ADHS festgestellt. Vielleicht kommt die Unruhe aber aus einer Angststörung. Es gibt weit mehr als diese eine Diagnose, um die es gerade einen Hype gibt.' © Helge Bauer Medizinerin Christa Rados Den Anstieg von 107 auf 182 Fällen innerhal von zwei Jahren setzt Rados in Relation zur Gesamtschülerzahl von 67.000. 'Da sprechen wir noch lange nich von einer epidemiologischen Entwicklung.' Auch Trabi mahnt zur Differenzierung: 'Es gibt so viele Förderangebote für Kinder. Man sollte genau schauen, was sinnvoll für sie ist und sich nicht vorzeitig auf eine Diagnose konzentrieren.' Und Rados liefert einen letzten Beleg dafür, dass die These, wonach der Handy-Konsum der Eltern Autismus bei ihren Kindern zur Folge habe, nicht stimmen kann: 'Schauen wir uns an, wie viele Eltern gefühlt zu viel am Handy sind: Es müsste viel mehr Kinder mit Autismus geben.'

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