Der südkoreanische E-Commerce-Riese Coupang sieht sich einer massiven Eskalation der regulatorischen und juristischen Auseinandersetzungen in seinem Heimatmarkt gegenüber.
Während das Unternehmen vor Gericht gegen Durchsuchungsbeschlüsse der Wettbewerbsbehörden kämpft, gerät das Papier an der Börse immer stärker unter Druck. Die Aktie markierte am heutigen Montag ein neues 52-Wochen-Tief bei 12,90 € und setzt damit den seit Monaten anhaltenden Abwärtstrend fort.
Juristischer Widerstand gegen Wettbewerbsbehörde
Im Zentrum der aktuellen Verwerfungen steht ein Konflikt mit der südkoreanischen Fair Trade Commission (KFTC). Medienberichten zufolge entsandte die Behörde am 1. September rund 30 Ermittler in die Unternehmenszentrale im Seouler Stadtteil Jayang-dong, um eine neue Untersuchung wegen des mutmaßlichen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung einzuleiten.
Coupang hatte zuvor versucht, diese Vor-Ort-Inspektionen komplett zu verweigern und zog als erstes Unternehmen seit Gründung der KFTC gegen die Anwendung des entsprechenden Gesetzes vor Gericht.
Am vergangenen Mittwoch fand eine gerichtliche Anhörung statt, in der Coupang den Stopp der Durchsuchungen forderte. Das Unternehmen argumentiert laut MLex, dass die Razzien ohne die nach dem Verwaltungsermittlungsgesetz erforderliche Vorankündigung durchgeführt wurden.
Die neue Untersuchung der KFTC erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das oberste Gericht Südkoreas zwei frühere Durchsetzungsmaßnahmen gegen das Unternehmen aufgehoben hat, da ein Wettbewerbsschaden nicht hinreichend nachgewiesen werden konnte. Dennoch bleibt der Druck hoch, da die Behörden weiterhin mögliche Verstöße gegen das Fair-Trade-Gesetz prüfen.
Politische Spannungen und operative Belastungen
Die regulatorischen Maßnahmen gegen das in den USA börsennotierte Unternehmen belasten zunehmend die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Seoul. Am 31. August wies Südkorea Vorwürfe aus dem US-Kongress zurück, wonach Coupang im Vergleich zu einheimischen Wettbewerbern diskriminiert werde.
US-Senator Bernie Moreno forderte unterdessen den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer auf, Zölle gegen Südkorea in Betracht zu ziehen. Moreno kritisierte in diesem Zusammenhang übermäßige Geldstrafen, strafrechtliche Verfolgungen von Führungskräften und eine voreingenommene Durchsetzung regulatorischer Vorschriften.
Diese Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in den jüngsten Geschäftszahlen wider. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Coupang zwar einen Nettoumsatz von 8,9 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Allerdings wies das Unternehmen einen operativen Verlust von 556 Millionen US-Dollar aus. Dieser Fehlbetrag ist maßgeblich auf eine Verwaltungsstrafe in Höhe von rund 410 Millionen US-Dollar in Südkorea zurückzuführen. Ohne diese Sondereffekte lag der operative Verlust bei 146 Millionen US-Dollar.
Die Analysten von Zacks stuften die Aktie am 3. September auf 'Sell' herab und verwiesen dabei auf den anhaltenden Margendruck sowie die hohen Bußgelder im Bereich Datenschutz. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier bereits einen Rückgang von 38%.
Aktuell notiert der Wert bei 13,00 €, womit sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch weiter vergrößert hat. Während Sparten wie der Lieferdienst Eats und die Expansion in Taiwan mit zweistelligen Zuwachsraten wachsen, bleibt die Profitabilität auf Konzernebene durch die rechtlichen Auseinandersetzungen und sinkende Margen gefährdet.
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