Ende des Ölzeitalters: Eine ungeordnete Energiewende könnte zum globalen Sicherheitsrisiko werden

Ende des Ölzeitalters: Eine ungeordnete Energiewende könnte zum globalen Sicherheitsrisiko werden
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Category: Financial
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Was passiert mit Staaten, deren Wohlstand am Öl hängt, wenn die Nachfrage einbricht? Eine neue Studie warnt vor Krisen und Migration bis nach Europa. Eine ungeordnete Energiewende könnte zum globalen Sicherheitsrisiko werden Was passiert mit Staaten, deren Wohlstand am Öl hängt, wenn die Nachfrage einbricht? Eine neue Studie warnt vor Krisen und Migration bis nach Europa. Tankstelle in Lagos im Jahr 2020: Nigeria ist stark von seinen Öleinnahmen abhängig. Laut einer neuen Studie könnten diese ab 2030 um mehr als 60 Prozent einbrechen. Länder wie Algerien, Iran und Angola gelten wegen fehlender Diversifikation als besonders gefährdet. Drohende Staatskrisen könnten laut Studie globale Sicherheitsrisiken, Konflikte und Migration auslösen. Internationale Institutionen sollen bestehende Instrumente koordinierter für einen geordneten Übergang einsetzen. Der weltweite Abschied vom Öl könnte in zahlreichen Förderländern schwere wirtschaftliche und politische Krisen auslösen – mit Folgen weit über deren Grenzen hinaus. Konflikte, soziale Unruhen und wachsende Migration könnten diebegleiten, wenn besonders abhängige Staaten nicht rechtzeitig auf sinkende Öleinnahmen vorbereitet werden. Davor warnt der auf Klimapolitik spezialisierte Thinktank E3G in einer neuen Besonders gefährdet sind demnach Nigeria, Iran, Angola und Algerien. Diese Staaten sind stark von ihren Öleinnahmen abhängig, haben ihre Wirtschaft aber wenig diversifiziert und zu geringe finanzielle Reserven, um einen starken Einbruch abzufedern. Die weltweite Nachfrage nach Öl dürfte in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt erreichen. E3G erwartet diesen zwischen 2030 und 2035. Erneuerbare Energien und die zunehmende Verbreitung von Elektroautos treiben die Entwicklung voran. Danach müssen die Produzenten um einen schrumpfenden Kreis von Abnehmern konkurrieren. Im Vorteil sind Länder wie Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die besonders günstig fördern können und über grosse Reserven verfügen. Produzenten mit hohen Förderkosten dürften den wirtschaftlichen Schock dagegen zuerst spüren. Was auf dem Spiel stehen könnte, zeigt laut der Studie Venezuela. Das Land mit den grössten nachgewiesenen Ölreserven der Welt steckt seit Jahren in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise.. Seither führt seine frühere Vizepräsidentin Delcy Rodríguez das Land übergangsweise. Die USA haben zugleich ihren Einfluss auf die venezolanische Ölindustrie massiv ausgebaut. Zuletzt erklärte US-Präsident Donald Trump, die USA hätten sich mit einer Vereinbarung Zugriff auf 65 Milliarden Barrel«Die Regierungen denken nicht über diese Folgen nach und sind nicht darauf vorbereitet», sagte Studienautorin Beth Walker dem «Guardian». Wenn Ölstaaten den Wandel allein bewältigen müssten und die Entwicklung den Märkten überlassen werde, werde die Transformation für alle riskanter. «Die Instabilität der Förderländer wird zu einem globalen Sicherheitsrisiko. »verschärft sich weiter – und ein langsamer, aber ungeordneter Abschied vom Öl könnte ebenso destabilisierend sein wie ein schneller, möglicherweise sogar stärker. Entscheidend sei deshalb nicht nur die Geschwindigkeit, sondern wie geordnet der Übergang ablaufe. Auch Industrieländer werden die Folgen zu spüren bekommen. Viele Ölproduzenten hätten bislang unterschätzt, wie stark Nachfrage und Förderung zurückgehen müssen, um die Erderwärmung zu begrenzen, warnen Fachleute. Produzenten mit hohen Förderkosten geraten dabei voraussichtlich zuerst unter Druck. Wie gross das Risiko für einige Länder ist, zeigen die Staatshaushalte. In 17 Ländern stammen mehr als 40 Prozent der Regierungseinnahmen aus Öl und Gas. In Irak und Libyen sind es sogar 70 bis 90 Prozent. Ab 2030 könnten diese Einnahmen rapide einbrechen. Für Algerien rechnet E3G mit einem Rückgang um 87 Prozent, für Nigeria mit mehr als 60 Prozent. Algerien gilt als besonders verwundbar: Das Land liegt nahe an Europa und ist bei seinen Energieexporten fast vollständig von der EU abhängig. Fehlende Einnahmen könnten es den Regierungen erschweren, grundlegende staatliche Leistungen zu finanzieren. Zugleich drohen wachsende Schulden und instabile soziale und politische Strukturen. E3G erwartet dabei nicht eine einzige grosse globaleFür Algerien nennt die Studie Unruhen und Migration als mögliche Folgen, für den Irak eine weitere Destabilisierung mit Folgen für die Golfregion. In Nigeria könnte die Handlungsfähigkeit des Staates schwinden – mit Auswirkungen auf andere Teile Afrikas. In Libyen drohen neue Kämpfe um die Ölinfrastruktur und damit zusätzliche Sicherheitsrisiken für Europa. Die möglichen Krisen könnten laut Walker ein deutlich grösseres Ausmass erreichen als jene in Venezuela. Verhindern lasse sich diese Entwicklung nur, wenn Regierungen, Internationaler Währungsfonds, Weltbank und private Finanzinstitutionen enger zusammenarbeiteten. Viele der nötigen Instrumente gebe es bereits, sagte Studienautorin Maria Pastukhova dem «Guardian», bislang würden sie jedoch in getrennten Politikfeldern eingesetzt. Grosse Öl-Abnehmer müssten zudem frühzeitig und klarer kommunizieren, wie stark ihre Nachfrage künftig sinken werde. Die Unterstützung betroffener Länder beim wirtschaftlichen Umbau dürfe nicht allein als Klima- oder Entwicklungspolitik verstanden werden. Angesichts möglicher Konflikte und Migrationsbewegungen sei sie auch eine Frage der Aussen-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Tankstelle in Lagos im Jahr 2020: Nigeria ist stark von seinen Öleinnahmen abhängig. Laut einer neuen Studie könnten diese ab 2030 um mehr als 60 Prozent einbrechen.

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