Göttingen. Mehrere Hundert Menschen sind am Montagabend in der Göttinger Innenstadt zusammengekommen, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Bei einer Kundgebung am Gänselieselbrunnen unter dem Motto 'Keinen Fußbreit den Faschisten' stellten sich verschiedene Gruppierungen aus Göttingen auf.
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Aufgerufen hatte das Göttinger Bündnis gegen Rechts nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort erreichte die AfD, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, 43,8 Prozent der Stimmen.
Nach AfD-Wahltriumph in Sachsen-Anhalt: Bündnis gegen Rechts gibt sich kämpferisch
Bei der Kundgebung in Göttingen äußerten sich Personen aus Politik, Kultur, Gewerkschaften und Gesellschaft zu dem Wahlsieg der AfD. Eine Sprecherin des Bündnisses gegen Rechts sagte, bei der Wahl am Sonntag habe 'eine große Mehrheit der Bürger so abgestimmt, dass sich uns die Nackenhaare hochstellen'.
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Die Demokratie ist ein umkämpftes Terrain, und wir sind bereit, sie zu verteidigen.
Sprecherin des Bündnisses gegen Rechts
Dem Wahlergebnis entgegnete sie allerdings: 'Wir sind mehr. Wir sind die Vielen.' Dabei gab sie sich kämpferisch: 'Die Demokratie ist ein umkämpftes Terrain, und wir sind bereit, sie zu verteidigen. Es gilt, die Lanze für die Demokratie zu brechen.' Deutschland sei ein vielfältiges Land – und so solle es auch bleiben.
Angst vor zunehmendem Rassismus
Für einen Sprecher der Gewerkschaft Verdi sei das Wahlergebnis 'ein Schock, aber leider keine Überraschung'. Die Sorgen vieler AfD-Wähler vor sozialem Abstieg könne er verstehen. Die Schlussfolgerung daraus, eine rechtsextreme Partei zu wählen, aber nicht, sagte er: 'Die AfD setzt sich nicht für die Interessen sozial schwacher Menschen ein. Sie tut genau das Gegenteil.' Für Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten sei die AfD eine Gefahr: 'Sie werden verachtet, verhasst und bedroht.'
Für die Azubis gegen Rechts sprach ein junger Mann aus dem Gesundheitswesen. 'Ich habe Angst, dass meine Kollegen mit Migrationsgeschichte von rassistischer Diskriminierung und Bedrohung betroffen sind.' Für ihn sei der Wahlerfolg der AfD auch ein Ergebnis jahrelanger Einsparungen durch die Politik. 'Wenn der Sozialstaat und das Gesundheitssystem weiter kaputtgespart werden, treibt das nur noch mehr Menschen in die Hände der Rechten', sagte er.
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Auch das Deutsche Theater war mit Schauspieler Bastian Dulisch vertreten. Er betonte, wie das Erstarken rechter Kräfte die Kultur- und Kunstfreiheit bedrohe. 'Wir leben in einer Zeit, die sich wendet.' Diese Wendung richte sich 'gegen uns und insbesondere unsere kulturellen Errungenschaften, gegen die Schönheit, die Gleichheit und die Schwesterlichkeit', sagte Dulisch.
Auch zwei Göttinger OB‑Kandidaten sprachen bei der Demo. Für Linken-Kandidat Thomas Goes ist die AfD der 'parlamentarische Arm einer gewalttätigen Bewegung, die an Deutschland alles hasst, was liebenswert ist', wie er sagte. Rechte Angriffe nähmen auch in Göttingen zu.
Grünen-Kandidatin Onyeka Oshionwu zeigte sich angesichts des AfD-Wahlsiegs beängstigt durch zunehmenden Rassismus in der Gesellschaft. Viele Betroffene in Sachsen-Anhalt würden sich jetzt fragen: 'Sollen sie zurückgehen, und vor allem: wohin?'
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Für die SPD trat Stadtverbands-Vorsitzender Fabian Möller ans Mikrofon. 'Es ist einfach nur noch erschreckend', sagte er über den Wahlerfolg der AfD.
Um die in Teilen getrübte Stimmung bei den Rednern und im Publikum zu brechen, gab es zwischen den Reden auch kleine Showeinlagen. Einer von ihnen war der Göttinger Alternativ-Rapper Tscharällo. Er wollte mit seinen Songs für Aufbruchstimmung sorgen.
GT/ET
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