Neue Klasse, alter Druck

Neue Klasse, alter Druck
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Category: Business
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In China kämpft BMW mit einem Markt, der im ersten Halbjahr selbst rund 20 % schrumpfte. Zugleich belasten Zölle und Umbaukosten die Marge. Sinkende Investitionen, starke Nachfrage nach der Neuen Klasse und Aktienrückkäufe bleiben für Anleger dennoch positive Faktoren. von Verumo-Redaktion 08.09.2026, 18:53 Uhr Lesezeit 6 min Der deutsche Premiumautohersteller BMW DE0005190003 519000 bleibt an der Börse schwer angeschlagen. Am 8. September lag die Stammaktie zeitweise bei rund 64 Euro und damit etwa 31 % unter Jahresbeginn. Vor allem das schwache Geschäft in China lastet auf dem Kurs, ist aber nicht die einzige Erklärung für die niedrige Auto-EBIT-Marge. Schwäche am chinesischen Automarkt reicht über BMW hinaus Im zweiten Quartal sanken BMWs Auslieferungen in China um 30,2 % auf 117.815 Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr betrug das Minus 20,4 %. In Europa stieg der Absatz im Halbjahr dagegen um 5,4 %, in den USA um 3,9 %. Nach BMW-Angaben schrumpfte der chinesische Gesamtmarkt im ersten Halbjahr um 20,2 % und damit nahezu im selben Maß wie BMWs Absatz dort. BMW bewegte sich damit im ersten Halbjahr weitgehend im Takt mit dem Gesamtmarkt. Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch. Chinesische Hersteller erhöhen ihn mit schnelleren Entwicklungszyklen und immer anspruchsvollerer Fahrzeugtechnik. Die Nachrichtenagentur Reuters verweist auf Entwicklungszyklen von teils rund 18 Monaten. Traditionelle Autobauer benötigen demnach ungefähr doppelt so lange. Für BMW steigt damit der Druck, neue Modelle schneller zu entwickeln und bei Software sowie Fahrerassistenz mit der chinesischen Konkurrenz Schritt zu halten. Mehrere Faktoren drücken die Marge Die EBIT-Marge des Autogeschäfts fiel im zweiten Quartal auf 2,3 %, nach 5,4 % im Vorjahreszeitraum. Für 2026 erwartet BMW nur noch 1 bis 3 %. Das liegt deutlich unter dem langfristigen Zielkorridor von 8 bis 10 %. Neben der Schwäche in China drückten erhöhte Zölle die berichtete Quartalsmarge um rund 1,25 Prozentpunkte. Weitere 1,2 Prozentpunkte entfielen auf Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation von BMW Brilliance, BMWs chinesischer Mehrheitsbeteiligung für die lokale Fahrzeugproduktion. Auch der Umbau kostet zunächst Geld. BMW hat mit dem Betriebsrat ein Personalstrukturprogramm vereinbart, zu dem freiwillige Abfindungen gehören. Die Jahresprognose enthält daraus eine Belastung von bis zu 1,25 Prozentpunkten auf die Auto-EBIT-Marge. Bereits im Juni hatte der Konzern angekündigt, dass die beschleunigten Strukturmaßnahmen das Ergebnis im zweiten Halbjahr einmalig belasten. Neue Klasse und Cashflow bilden Gegengewicht Parallel lässt der Investitionsdruck nach. Im ersten Halbjahr gingen die Ausgaben um 30,5 % auf 1,9 Mrd. Euro zurück. Inzwischen liegen die Abschreibungen über den Investitionen, was den freien Cashflow spürbar entlastet. BMW erwartet, dass dieser Effekt auch im weiteren Jahresverlauf anhält. Nach sechs Monaten lag der freie Cashflow des Autogeschäfts bei 1,29 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr hält BMW am Ziel von mehr als 2,5 Mrd. Euro fest. Hinzu kommt die Neue Klasse, BMWs nächste Fahrzeuggeneration mit weiterentwickelter Technik für Elektroantrieb, Elektronik und Software. Der iX3 ist das erste Serienmodell dieser Generation. In den USA kommt er am 25. September zu einem Grundpreis von 61.500 USD auf den Markt. Die nach dem Prüfverfahren der US-Umweltbehörde EPA ermittelte Reichweite beträgt bis zu 434 Meilen. In Europa entfiel seit der Weltpremiere am 5. September 2025 ungefähr jede dritte Bestellung eines vollelektrischen BMW auf den iX3. Ende Juli war das Modell nach BMW-Angaben auf dem Weg zu insgesamt 100.000 Bestellungen. Auch in China muss sich die Neue Klasse nun bewähren. Seit dem 21. August ist die eigens für China entwickelte Langversion des iX3 dort bestellbar. Damit könnte das Modell im wichtigsten Problemmarkt von BMW erste Nachfrageimpulse liefern. Bei den Kapitalrückflüssen bleibt BMW ebenfalls aktiv. Der Konzern hält an einer Dividendenquote von 30 bis 40 % des zurechenbaren Gewinns fest. Das laufende dritte Aktienrückkaufprogramm hat ein Gesamtvolumen von 2 Mrd. Euro. Für 2026 sind daraus 1,25 Mrd. Euro Kapitalrückfluss vorgesehen. Die letzte Tranche läuft seit Juli und soll spätestens Ende November abgeschlossen sein. Kapitalmarkttag wird zum nächsten Belastungstest Die niedrige Bewertung ist weiterhin das zentrale Argument für die Aktie. Das US-Finanzmagazin Barron's beziffert den Nettobarmittelbestand des Autogeschäfts auf rund 16 Mrd. Euro, entsprechend etwa 25 Euro je Aktie. Hinzu rechnet das Magazin weitere Finanzanlagen des Autogeschäfts von etwa 45 Euro je Aktie und rund 28 Euro Buchwert des Finanzdienstleistungsgeschäfts. In Summe kommt Barron's so auf rund 100 Euro je Aktie. Selbst nach der jüngsten Kurserholung bleibt der Abstand zum Börsenkurs groß. Niedrige Bewertungen sind bei Autobauern allerdings üblich, weil Kapitalbedarf und zyklische Margen hoch bleiben. Der nächste zentrale Termin ist BMWs Kapitalmarkttag am 29. und 30. September 2026. Dort muss das Management einen glaubwürdigen Pfad zu höheren Margen skizzieren. Anleger werden besonders auf China, Kosten, Investitionen und Kapitalrückflüsse achten. Die günstige Bewertung hängt damit wesentlich von der weiteren Ertragsentwicklung ab. Erholen sich das Geschäft in China und die operative Marge, bietet der Kurs erheblichen Spielraum. Bleibt die Profitabilität dagegen dauerhaft bei 1 bis 3 %, wäre ein großer Bewertungsabschlag nachvollziehbar.

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