Biohacker und Tech-Millionär Bryan Johnson vermisst seinen Körper bis ins Detail. Nun macht Freundin Kate Tolo mit: 100 Tage lang sammelt sie Daten über ihren Körper.
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Bryan Johnson hat an seinem Körper bereits alles vermessen, was vermessen werden kann. Nun ist seine Freundin Kate dran: Sie lässt ihren Körper 100 Tage lang mit über 50 Geräten vermessen.
x.com/bryan_johnson
Wenn Kate Tolo (30) morgens um 6.30 Uhr aufsteht, spuckt sie als Erstes in ein Röhrchen. Danach misst sie ihre Temperatur und Herzratenvariabilität, stellt sich auf die Waage, bestimmt ihre Hormone, misst die Kraft ihres Beckenbodens und fotografiert ihren Körper. Anschließend folgen unter anderem ein Spaziergang mit Gewichtsweste, ein 30-Minuten-Training im hauseigenen Gym und die Einnahme zahlreicher Supplements.
Am Ende des Tages, um 21.42 Uhr, um genau zu sein, führt Tolo sich ein Acrylgerät, das sie liebevoll Techno-Tampon nennt, in die Vagina ein. Es soll, wie sie sagt, die Durchblutungsschwankungen messen. 13 Minuten später wird geschlafen. Außerdem werden mehrmals am Tag Blut-, Hör-, Atem- und Geschmackstests durchgeführt sowie Stuhlproben analysiert.
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14 Millionen Datenpunkte für die Frauengesundheit
All das macht die Freundin von Bryan Johnson (49) – dem berühmten Biohacker, der für sein radikales Anti-Aging-Programm bekannt ist – angeblich im Namen der Wissenschaft. Tolo will ihren Körper während 100 Tagen so detailliert wie möglich vermessen. Mehr als 50 Geräte kommen dafür zum Einsatz, ihr Tagesplan umfasst über 100 To-dos.
Am Ende sollen laut Johnson rund 14 Millionen Datenpunkte zusammenkommen. Ein zwölfköpfiges medizinisches Team begleitet das Projekt. Kostenpunkt? Rund 2,2 Millionen Euro. Johnson selbst bezeichnet es als «Weltpremiere für die Frauengesundheit» und verspricht, sämtliche Resultate zu veröffentlichen.
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Bei Tolo wurde Endometriose diagnostiziert
Dass sich ausgerechnet Tolo auf dieses Experiment einlässt, hat auch einen persönlichen Grund. Seit Jahren hat sie starke Schmerzen während ihrer Periode. Im Juli gab Johnson bekannt, dass bei seiner Partnerin nach nichtinvasiven Untersuchungen Endometriose festgestellt worden war.
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Was ist Endometriose und wie wird sie behandelt?
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Tolo sagt, ihr gehe es anders als ihrem für seine Anti-Aging-Experimente bekannten Freund nicht darum, möglichst jung zu bleiben. «Ich mache das wirklich, weil ich glaube, dass dies ein Weg ist, damit Frauen verstanden werden», sagt sie gegenüber dem Wall Street Journal.
Endometriose betrifft viele Frauen – gut erforscht ist die Krankheit trotzdem nicht. Umso mehr trifft das Projekt einen Nerv. Zumindest auf Social Media. Unter Videos zum Experiment finden sich auffällig viele begeisterte Reaktionen. «Du bist eine Superheldin, Kate», schreibt eine Userin. Eine andere bedankt sich: «Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich für das bin, was Du für die Forschung zur Frauengesundheit machst.» Jemand Weiteres kommentiert: «Wenn Männer Perioden hätten, wäre das längst durchgeforscht.»
Auch Tech-Millionär Bryan Johnson bekommt ungewohnt freundliche Worte ab. «Er ist so seltsam, aber ich unterstütze jeden, der Geld in Frauenforschung steckt. Frauen sind so wenig erforscht», schreibt eine Person, und jemand anderes meint: «Danke, dass Du quasi der gute Elon Musk bist.»
Frauen wurden in medizinischer Forschung früher ausgeschlossen
Die Kritik an historischen Forschungslücken hat eine reale Grundlage. Frauen waren in medizinischer Forschung lange nicht selbstverständlich vertreten. Hormonschwankungen während des Menstruationszyklus wurden dabei auch als Grund genannt, Frauen aus Studien auszuschließen. In den USA schreibt das National Institutes of Health seit 1993 die Einbeziehung von Frauen in von ihm geförderte klinische Forschung grundsätzlich vor.
Erkenntnisse nicht auf andere übertragbar
Trotz aller Mühen und Investitionen wird Tolos Projekt nicht beantworten können, wie Endometriose bei Millionen anderer Betroffener behandelt werden kann. Denn: Erkenntnisse aus einem einzigen Fall lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Menschen übertragen. Solche sogenannten N-of-1-Ansätze können aber etwa dabei helfen, individuelle Reaktionen von genau dieser einen Person auf Behandlungen zu untersuchen.
Übrigens ist eine Operation für eine Endometriose-Diagnose inzwischen nicht mehr zwangsläufig nötig. Die europäische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie empfiehlt Ultraschall oder MRI als Teil der Abklärung. Eine Bauchspiegelung wird vor allem dann erwogen, wenn Ultraschall oder MRI keine Antwort liefern oder eine Behandlung nicht anschlägt.
Auch kommerzieller Aspekt steckt dahinter
Auch wenn Tolo und Johnson ihr 100-Tage-Projekt als Beitrag zur Frauengesundheit darstellen, gibt es einen kommerziellen Aspekt: Finanziert wird das Ganze von Immortals, der gemeinsamen Firma der beiden. Immortals verkauft Gesundheitsprodukte und plant laut WSJ auch Angebote speziell für Frauen. Tolo betont jedoch, sie wolle andere Frauen nicht dazu bringen, ihren Lebensstil zu kopieren.
Ob aus den 14 Millionen Datenpunkten am Ende neue Erkenntnisse über Endometriose entstehen, ist offen. Die Reaktionen unter Tolos Videos zeigen aber: Der Wunsch vieler Frauen nach mehr Aufmerksamkeit für Krankheiten, die ihren Alltag seit Jahren prägen, ist gross.
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