Belgien reist mit einer der stärksten Aufstellungen für das Eliterennen der Männer bei der WM in Montréal an. Mit Remco Evenepoel und Wout van Aert als designierten Doppelkapitänen weiß Nationaltrainer Serge Pauwels , dass das Austarieren ihrer jeweiligen Ambitionen ebenso entscheidend sein kann wie die Stärke der Helfer um sie herum.
Das belgische Achteraufgebot steht fest: Neben Evenepoel und Van Aert starten Tiesj Benoot, Maxim Van Gils, Thibau Nys, Quinten Hermans, Gianni Vermeersch und Alec Segaert. Im Zeitfahren der Elite schickt Belgien zudem Evenepoel, Rune Herregodts und Segaert an den Start.
Die taktische Aufgabe ist seit dem Ausfall von Tadej Pogacar noch spannender geworden. Belgien wechselt von einem Team mit zwei möglichen Anführern in einem Rennen, das der Slowene wohl maßgeblich geprägt hätte, in die Rolle eines der Hauptfavoriten mit entsprechender Verantwortung.
Pauwels akzeptiert diese Verschiebung, betont jedoch, dass Belgien deshalb nicht von Start bis Ziel das Rennen kontrollieren wird.
Evenepoel zählt zu den Topfavoriten auf den WM-Titel im Straßenrennen
Evenepoel und Van Aert mit klar definierten Rollen
Pauwels erwartet ein Rennen mit anderer Dynamik als üblich, da die Fahrer im WM-Straßenrennen ohne Funkkontakt mit dem Auto auskommen müssen. 'Die Taktik wird komplex, aber ich möchte sie meinen Kapitänen sehr klar vermitteln. Bei einer Weltmeisterschaft haben wir keine Ohrstöpsel', erklärte Pauwels.
Der Nationalcoach plant daher ausführliche Absprachen mit Evenepoel und Van Aert vor dem Rennen. 'Wir haben zwei Leader, die gewinnen wollen, aber es geht auch um das Mandat, das sie von mir erhalten, und um die Verantwortung, die sie im Rennen übernehmen müssen. Wann dürfen sie attackieren und wann müssen sie warten? Das will ich ihnen sehr klar vorgeben.'
Diese Vorbereitung gewinnt zusätzlich an Gewicht, weil Pogacars Ausfall die taktische Ausgangslage verändert hat. Pauwels hatte die Strategie bereits angerissen, doch der Rückzug des Slowenen zwang ihn zurück an das Reißbrett.
Das erste große Teammeeting will er rund zehn Tage vor der WM ansetzen. 'Ich halte es für wichtig, das im Vorfeld zu tun und nicht erst am Vorabend des Rennens. Jeder muss seine Rolle kennen.'
'Ich beginne damit, wie sie [Evenepoel und Van Aert] sich ein ideales Szenario vorstellen, in dem sie gewinnen können. Dann versuche ich, eine gute Mischung ihrer bevorzugten Abläufe zu finden. Das gieße ich in einen Plan und bespreche ihn mit der Mannschaft.'
Belgien nimmt die Favoritenrolle an, will aber nicht das ganze Rennen kontrollieren
In der belgischen Auswahl stehen zudem mehrere Fahrer mit klar umrissenen Aufgaben. Thibau Nys etwa wurde für seine starke Form und seine Eignung für den Kurs in Montréal nominiert, doch Pauwels betrachtet ihn nicht als dritten Kapitän.
'Nys hat eine sehr starke Waffe', sagte der Coach. 'Wenn das Rennen auf den Schlussrunden explodiert, kann er am Mont Royal mit den Besten der Welt mitgehen. Ich glaube sehr an ihn und seine Formkurve zeigt nach oben', so Pauwels. 'Aber seine Rolle ist klar dem Teamdienste untergeordnet. Für einen dritten Leader ist kein Platz.'
Gleichzeitig hat Pogacars Abwesenheit Belgiens Position grundlegend verändert. Pauwels räumt ein, dass sein Team nun das Favoritenetikett annehmen muss.
'Sein Fehlen verändert das Rennen. Das macht einen riesigen Unterschied, aber ich bin deshalb sicher nicht in Jubel ausgebrochen', sagte er. 'Mit Pogacar hätte er bestimmt, wie sich das Rennen entwickelt. Jetzt haben wir die Favoritenrolle und können uns dem nicht entziehen.'
Trotzdem stellt Pauwels klar, dass Favorit zu sein nicht bedeutet, den ganzen Tag das Peloton zu diktieren. 'Aber das heißt nicht, dass wir das Rennen über 270 Kilometer tragen müssen. Wir haben Fahrer, die den Rennverlauf intelligent zu unseren Gunsten prägen können. Verantwortung bedeutet nicht, dass wir vorne blind Tempo machen.'
Belgiens Fahrer für die WM
Straßenrennen Einzelzeitfahren Remco Evenepoel Remco Evenepoel Wout van Aert Alec Segaert Tiesj Benoot Rune Herregodts Maxim Van Gils Thibau Nys Quinten Hermans Gianni Vermeersch Alec Segaert
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