LONDON (IT BOLTWISE) – Smart-TVs von LG sollen laut Sicherheitsanalysen im Standby sensible Audiodaten erfassen und an Server übertragen. Verantwortlich sei offenbar eine Automatic Content Recognition (ACR)-Funktion, die über das reine Erkennen von Bildschirminhalten hinausgeht. Unabhängig davon, ob Nutzer aktiv streamen, sollen Netzwerkscans und kurze Datenpakete ins Internet erfolgen. Betroffene können laut Verbrauchercheck die Funktion 'Live Plus' deaktivieren, müssen aber weiterhin mit Restübertragungen rechnen.
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Die Komfortversprechen moderner Smart-TVs geraten gerade an einer Stelle ins Wanken, die im Alltag kaum jemand auf dem Schirm hat: dem Standby-Modus. Nach einer in der Branche bekannt gewordenen Untersuchung sollen bestimmte LG-Fernseher sensible Audiodaten mitspeichern und anschließend an Server übermitteln. Der Punkt ist dabei weniger 'Surveillance' im Hollywood-Sinn, sondern die technische Ausgestaltung von Funktionen, die eigentlich für Personalisierung und Bedienkomfort gedacht sind – nun aber auch private Inhalte in den Datenstrom bringen können.
Im Zentrum steht eine Technologie namens Automatic Content Recognition (ACR). Die Idee: Das Gerät erkennt Muster aus der Umgebung bzw. aus dem Nutzungsablauf, um Inhalte oder Nutzungssignale automatisch zuzuordnen. In den Tests wurde beschrieben, dass die Fernseher nicht nur das reine Sehverhalten für Werbezwecke auswerten, sondern dafür auch eingebaute oder angeschlossene Mikrofone sowie Kamerakomponenten einsetzen können. Entscheidend ist dabei, dass die Erfassung nicht zwingend an eine aktive Nutzung gekoppelt sein soll, sondern offenbar auch dann läuft, wenn der Fernseher im Standby bleibt.
Um die Mechanik dahinter offenzulegen, haben Sicherheitsforscher den Netzwerkverkehr der Geräte analysiert. Dabei ging es um konkrete Signale: Die Geräte sollen Transkripte bzw. Sprachinformationen aus dem Raum verarbeitet und in die Kommunikation integriert haben. Ergänzend wurde beschrieben, dass man die Tests mit bewusst formulierten Phrasen durchgeführt habe, die sensible Daten simulieren sollten – etwa Meldungen wie 'Meine Sozialversicherungsnummer lautet …' oder 'Meine Kreditkarteninformationen lauten …'. Die verwendeten Inhalte waren den Angaben zufolge nicht echt; genau das sollte zeigen, ob solche Sprachmuster erkannt, verarbeitet und weitergegeben werden – und in welcher Form.
Die Datenerfassung endet laut den Berichten nicht bei Ton und Bild. Stattdessen soll das System auch lokale Netzwerke sowie benachbarte WLAN-Signale scannen. Solche Scans sind technisch nicht ungewöhnlich, wenn Geräte für Wiedererkennung, Pairing oder Konnektivitätsdiagnosen nach Netzen suchen; problematisch wird es aber, wenn diese Signale zusammen mit weiteren Nutzungsdaten in Pakete 'verpackt' werden. In dem beschriebenen Zusammenhang sollen weltweit mehr als 216 Millionen registrierte Geräte betroffen sein, bei denen die Daten für die Werbesparte des Herstellers bereitgestellt würden.
Für die Praxis relevant ist vor allem, dass die Übermittlung ans Internet auch in kurzen Intervallen erfolgen kann. In einem Verbraucherhinweis, der sich auf eine Studie von Forschenden der University of California, Davis, des University College London und der Universidad Carlos III de Madrid stützt, heißt es, dass LG-Modelle mithilfe von ACR regelmäßig Datenpakete an Server des Anbieters senden. Laut dieser Darstellung soll dabei sogar erfasst werden, was auf dem Bildschirm läuft – etwa beim Betrachten von Urlaubsfotos oder beim Spielen an einer Konsole. Besonders konkret ist die zeitliche Komponente: Die untersuchten Modelle sollen demnach alle 15 Sekunden ein Datenpaket ins Internet geschickt haben.
Wer das Risiko reduzieren will, steht damit vor einem Dilemma zwischen 'Einstellungen' und 'Netzwerktrennung'. Die empfohlene Sofortmaßnahme in dem Verbrauchercheck lautet, eine Funktion namens 'Live Plus' am Gerät zu deaktivieren. Der Weg wird dabei für LG mit 'Einstellungen > Allgemein > System > Live Plus' beschrieben. Wichtig ist jedoch die Einschränkung: Laut der gleichen Quelle kann die Deaktivierung die Datenerfassung reduzieren, sie aber nicht vollständig verhindern. Auch die Nutzung einer externen Streaming-Box soll die Übertragung nicht zuverlässig ausschließen, solange der Fernseher selbst mit dem Internet verbunden bleibt.
Technisch lässt sich das so einordnen: Viele Smart-TVs behalten auch im 'ruhigen' Betrieb Backend-Verbindungen, um Updates, Diensteingaben, Lizenzprüfungen oder Telemetrie zu ermöglichen. Wenn ACR bzw. zugehörige Erkennungs- und Diagnosekomponenten bereits im Hintergrund laufen, kann eine einzelne Option zwar Teile der Signalweitergabe drosseln, aber nicht automatisch alle Pfade stoppen. Für Datenschutzverantwortliche oder Haushalte, die maximale Kontrolle wollen, bleibt deshalb in der Praxis ein radikaler Ansatz im Raum: den Fernseher möglichst vollständig vom Internet trennen und Streaming ausschließlich über externe Geräte per HDMI zu nutzen.
Für Unternehmen, die Smart-TV-Flotten oder Hospitality-Setups betreiben, verschiebt sich damit die Bewertungslogik. Es reicht nicht mehr, auf 'Privacy'-Menüs zu schauen; entscheidend wird, welche Datenflüsse im Hintergrund tatsächlich aktiv sind, auch im Standby. Neben der internen Risikoabschätzung spielt außerdem die Lieferanten- und Gerätearchitektur eine Rolle: Firmware-Änderungen können Verhalten anpassen, aber sie sind nicht in jeder Umgebung schnell oder vollständig durchsetzbar. Gerade deshalb lohnt es sich, bei Pilotinstallationen auf Netzwerkmonitoring zu setzen und die Wirkung von Schaltern wie 'Live Plus' gegen reale Datenströme zu verifizieren – nicht nur gegen eine Beschreibung in der Bedienoberfläche.
Unterm Strich zeigt der Fall, wie schnell sich Komfortfunktionen in einen Bereich bewegen, der in Wohnzimmern als besonders sensibel gilt. ACR ist als Konzept an sich nachvollziehbar, doch die Kombination aus Hintergrundbetrieb, potenzieller Audioverarbeitung und regelmäßiger Datenübertragung erhöht die Relevanz für Datenschutz und IT-Sicherheit spürbar. Bis klare, technisch prüfbare Transparenz geschaffen ist, bleibt für Nutzer und Betreiber vor allem eins: Geräteeinstellungen wirken, aber nur ein Teil der Kontrolle. Wer die Übertragung zuverlässig unterbinden will, muss den TV als vollwertigen Internetknoten ernst nehmen und entsprechend behandeln.
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