Die große Rechnung: Warum Deutschland kollektiv 36 Minuten zu viel arbeitet

Die große Rechnung: Warum Deutschland kollektiv 36 Minuten zu viel arbeitet
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Category: Financial
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Stand: 08.09.2026, 18:46 Uhr Kommentare Vollzeitkräfte wollen kürzertreten, Teilzeitkräfte aufstocken. Für Arbeitgeber steckt darin eine klare Botschaft. 3,8 Millionen Erwerbstätige in Deutschland wollten 2025 weniger arbeiten, 1,5 Millionen dagegen mehr. Was zunächst wie ein Ausgleich klingt, ist keiner: Nach den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 ergibt sich über alle Erwerbstätigen hinweg ein rechnerischer Reduktionswunsch von 36 Minuten pro Woche. Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand. Hinter der kleinen Zahl verbirgt sich eine große Aufgabe für Arbeitgeber: Vor allem Vollzeitkräfte wollen kürzertreten, während Teilzeitkräfte häufiger aufstocken möchten. Dürfen Arbeitgeber die Arbeitnehmer bei der Arbeit überwachen? (Symbolbild) © Imagebroker/Imago Die einen wollen raus, die anderen rein Wer weniger arbeiten möchte, kommt aktuell im Schnitt auf 40,9 Wochenstunden und würde am liebsten 10,5 Stunden weniger arbeiten. Wer mehr arbeiten möchte, liegt aktuell bei nur 26,2 Stunden und wünscht sich – ebenfalls – 10,5 Stunden mehr. Fast ein spiegelbildlicher Zufall. Trotzdem bleibt unterm Strich ein kleines Minus: Rechnet man alle Wünsche gegeneinander auf, ergibt sich pro Kopf und Woche eine rechnerische Reduktion von 36 Minuten. Das heißt nicht, dass am Freitag alle gleichzeitig früher gehen – sondern schlicht, dass die Wünsche nach weniger Arbeit in der Summe etwas schwerer wiegen als die nach mehr. Ein alter Traum mit falschem Zeitplan Der Wunsch nach weniger Arbeit ist übrigens nicht neu. Bereits 1930 – mitten in der Weltwirtschaftskrise – veröffentlichte der Ökonom John Maynard Keynes seinen Essay "Economic Possibilities for our Grandchildren". Seine These: Dank technischem Fortschritt würden seine Enkelgeneration, also etwa wir heute, nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen – der Rest wäre Freizeit. Fast hundert Jahre später zeigt sich: Die Produktivität ist tatsächlich enorm gestiegen, die Arbeitszeit aber bei Weitem nicht so stark gesunken, wie Keynes es sich vorgestellt hatte. Seit wann Arbeitszeitwünsche überhaupt gezählt werden Die 3,8 Millionen mit Reduktionswunsch sind größtenteils in Vollzeit (3,3 Millionen), der Rest in Teilzeit. Bei den 1,5 Millionen mit Mehrarbeitswunsch ist es umgekehrt: Die meisten (1,1 Millionen) arbeiten aktuell in Teilzeit, nur 0,4 Millionen in Vollzeit. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es klare Unterschiede: Vollzeit-Männer klammern sich stärker an ihre Stunden als Vollzeit-Frauen – nur 10,3 Prozent von ihnen wollen reduzieren, bei den Frauen sind es 13,5 Prozent. Bei Teilzeit ist es umgekehrt: Hier wollen Männer (10,4 Prozent) häufiger aufstocken als Frauen (7,4 Prozent). Ein Muster, das sich mit klassischen Rollenbildern erklären lässt, die sich in der Praxis offenbar hartnäckiger halten, als es in Umfragen zur Gleichberechtigung oft den Anschein hat. Die Erfindung der "gewünschten" Arbeitszeit Übrigens: Dass wir überhaupt danach fragen, was Menschen wollen und nicht nur, was sie tun, ist gar nicht so selbstverständlich. Der Mikrozensus, aus dem diese Zahlen stammen, existiert in seiner heutigen Form seit den 1950er-Jahren – ursprünglich als reine Beschäftigungsstatistik gedacht. Dass man Wünsche überhaupt erfasst, zeigt: Arbeitszeit ist längst nicht mehr nur eine Zahl auf der Gehaltsabrechnung, sondern eine Frage von Lebensqualität und Selbstbestimmung. Was macht man mit einem Minus von 36 Minuten? Rechnerisch sind 36 Minuten statistisches Kleingeld. Für Unternehmen steckt darin dennoch eine klare Botschaft: Den typischen Arbeitszeitwunsch gibt es nicht mehr. Wer Vollzeitkräfte entlasten und Teilzeitkräfte aufstocken lassen kann, gewinnt im besten Fall zusätzliche Kapazität, ohne neues Personal suchen zu müssen. Die eigentliche Reserve liegt nicht in mehr Arbeit für alle – sondern in besser passenden Stunden für jeden. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand) Der kostenlose Newsletter von Markt und Mittelstand liefert Ihnen zweimal pro Woche alles Wichtige für Sie als mittelständische Unternehmer, aktuelle Trends für Strategie und Finanzierung, nutzwertige Best-Practice-Beispiele aus dem Mittelstand sowie praxisrelevante Studien und aktuelle Forschungsergebnisse. Jetzt den "Markt und Mittelstand"-Newsletter kostenlos abonnieren

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