Soziale Netzwerke, KI-Revolution, Smartphones, ausfallender Unterricht, Corona-Spätfolgen: Junge Menschen stehen heute vor vielen Herausforderungen. Woher kommen die bundesweit schlechter gewordenen PISA-Zahlen? Und wie ist die Lage in Bayern?
so schlecht ab wie nie zuvor. Diese Werte sind niedriger als bei der ersten Erhebung im Jahr 2000, vielfach als "PISA-Schock" bezeichnet. Was läuft im deutschen Bildungssystem schief?
Stärker als in vielen anderen Ländern hängt der Schulerfolg hierzulande vom Elternhaus ab. Bildungsforscher und PISA-Studienleiter Samuel Greiff sagt: "In Deutschland sind nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern leistungsstark. Unter sozial Privilegierten sind es 25 von 100.
" Soziale Unterschiede und psychosoziale Problemlagen würden mehr. Vielerorts herrscht Lehrkräftemangel, auch an Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Das führt oft zu ausfallendem Unterricht, fachfremdem Unterrichten und größeren Klassen. Dadurch sinkt das Lernniveau.
Außerdem kommt die individuelle Förderung häufig zu kurz. In Bayern gibt esPISA-Studienleiter Greiff spricht hier von Versäumnissen bei sprachlichen und numerischen Fähigkeiten. Man müsse früh hinschauen, "welche Jugendlichen, welche Kinder Unterstützung brauchen und dann auch entsprechend fördern". OECD‑Analysen verweisen auf digitale Ablenkungen und lange Bildschirmzeiten: Das ständige Scrollen durch Social‑Media‑Feeds kann konzentriertes, gründliches Lesen erschweren.
Auch andere Studien legen eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als früher nahe – besonders bei täglich viel Zeit am Smartphone. Viele Jugendliche nutzen Künstliche Intelligenz, um Aufgaben zu lösen oder Referate vorzubereiten. PISA-Daten zeigen aber: Wer häufig KI-Chatbots nutzt, schneidet im Schnitt schlechter ab – weil Verständnis und eigenes Üben zu kurz kommen. Laut der aktuellen PISA-Studie gibt es in Deutschland große Leistungsunterschiede zwischen den Schulen.
Dazu kommt, dass Bildung Sache der Bundesländer ist – mit entsprechend vielen verschiedenen Schulformen und Übertrittsregeln. Verpflichtende Ganztagesschulen würden mehr Lernzeit ermöglichen, sind aber nicht die Regel. Laut vielen Fachleuten bräuchte es an vielen Schulen mehr Geld für Projekte, Klassenfahrten, Ausstattung, Lernmaterialien und mehr. Die PISA-Studie liefert deutschlandweite Daten, keine detaillierten bayerischen Zahlen.
Aus Sicht der bayerischen Kultusministerin Anna Stolz sind die Weichen in Bayern bereits richtig gestellt – auch als Reaktion auf frühere Ergebnisse. Die Fächer Deutsch und Mathematik habe man in der Grundschule um sechs Wochenstunden aufgestockt. Und: "Rund eineinhalb Jahre vor der Einschulung erheben wir verbindlich den Sprachstand und schließen bei Förderbedarf eine verpflichtende Sprachförderung an.
" Bei der Ausbildung der Lehrkräfte könne man besser werden. Bayerns Lehrer- und Lehrerinnenverband sieht dagegen großen Handlungsbedarf.
"Wenn immer weniger Lehrkräfte immer mehr leisten sollen, spiegelt sich das auch in den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler wider", betont der Verband. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fragt: "Warum nimmt sich die deutsche Bildungspolitik nicht die internationalen PISA-Spitzenreiter zum Vorbild und macht's auch so?
"Der Bayerische Elternverband fordert einen grundlegenden Kurswechsel. Konkret fordert der BEV: "Aktivierung statt passivem Konsum", Lernen mit mehreren Sinnen, nicht nur einmal Auswendiglernen, Lösungen gemeinsam entwickeln, weniger Prüfungsfixierung und mehr. Das eigentlich Erschreckende sei "nicht mehr der nächste schlechte PISA-Wert, sondern dass die Politik daraus immer noch keinen grundlegenden Kurswechsel ableitet".
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