Das neue Schuljahr hat gerade begonnen – doch die jüngst veröffentlichten Daten zeigen, wie stark sich Österreichs Schulen bereits verändert haben. Im Schuljahr 2024/25 gab es 11.526 Schüler mehr als ein Jahr zuvor.
Doch hinter dem Plus steckt eine bemerkenswerte Verschiebung: Die Zahl der Schüler mit österreichischer Staatsangehörigkeit sank um 423. Gleichzeitig kamen 11.949 Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit hinzu.
Der gesamte Zuwachs entfiel damit auf ausländische Staatsbürger. Genau das hält auch der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) in seinem neuen Factsheet 'Schule und Integration' fest.
Fast jeder zweite Wiener Schüler hat eine nicht-deutsche Umgangssprache. In Favoriten sind es 73,9 Prozent. Österreichweit liegt der Anteil bei 26 Prozent.
Ausländeranteil mehr als verdoppelt
Insgesamt hatten 238.504 Schüler oder 20,9 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit. Vor knapp zwei Jahrzehnten sah das noch völlig anders aus: Im Schuljahr 2006/07 lag der Anteil bei 9,2 Prozent. Seither hat er sich mehr als verdoppelt.
Besonders deutlich ist die Entwicklung in Wien. Hier hatten 2024/25 38,1 Prozent der Schüler eine ausländische Staatsangehörigkeit – der höchste Anteil aller Bundesländer.
Laut ÖIF lebten 40,4 Prozent aller ausländischen Schüler Österreichs in Wien.
Ottakring: Mehr als jeder Zweite ausländischer Staatsbürger
In manchen Wiener Bezirken gehen die Werte noch deutlich höher. In Ottakring hatten 50,9 Prozent der Schüler eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit war dort bereits mehr als jeder Zweite betroffen.
In Favoriten waren es 49,5 Prozent, in der Brigittenau 46,4 Prozent, in Rudolfsheim-Fünfhaus 44,3 Prozent und in Margareten 41,9 Prozent. Am anderen Ende lagen die Innere Stadt mit 25,9 Prozent, die Josefstadt mit 26,6 Prozent und Hietzing mit 28,4 Prozent.
In Wien fast jeder Zweite mit nicht-deutscher Umgangssprache
Noch höher sind die Werte, wenn statt der Staatsangehörigkeit die Umgangssprache betrachtet wird. Österreichweit hatten 26,0 Prozent der Schüler eine nicht-deutsche Umgangssprache. In Wien waren es 48,9 Prozent – also fast jeder Zweite.
Vorarlberg folgt mit 25,3 Prozent, Salzburg mit 21,7 Prozent. Am niedrigsten liegen Tirol mit 17,4 Prozent und Kärnten mit 16,8 Prozent.
Die häufigsten nicht-deutschen Umgangssprachen sind Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (5,2 Prozent) und Türkisch (4,5 Prozent).
Favoriten bei 73,9 Prozent
Innerhalb Wiens sind die Unterschiede enorm.
In Favoriten hatten 73,9 Prozent der Schüler eine nicht-deutsche Umgangssprache. In Simmering waren es 67,6 Prozent, in Ottakring 67,5 Prozent. Deutlich niedriger liegen Josefstadt mit 23,6 Prozent und die Innere Stadt mit 21,7 Prozent.
'Umgangssprache' bedeutet nicht, dass diese Schüler kein Deutsch sprechen. Statistik Austria wertet lediglich die erstgenannte im Alltag gebrauchte Sprache aus. Werden mehrere Sprachen angegeben, zählt nur die erste.
Ein Wert geht allerdings zurück
Bei der Umgangssprache zeigt sich zuletzt eine gegenläufige Entwicklung. Der Anteil war von 15,6 Prozent im Schuljahr 2006/07 auf den bisherigen Höchststand von 27,4 Prozent 2021/22 gestiegen. Seither ging er drei Jahre hintereinander zurück und liegt nun bei 26,0 Prozent.
Der Anteil ausländischer Staatsbürger unter den Schülern entwickelte sich dagegen langfristig weiter nach oben.
Sonderschulen bei 44,6 Prozent
Große Unterschiede gibt es auch zwischen den Schultypen. Am höchsten ist der Anteil mit nicht-deutscher Umgangssprache an Sonderschulen mit 44,6 Prozent. Dahinter folgen Polytechnische Schulen mit 41,5 Prozent und Mittelschulen mit 34,9 Prozent.
An Volksschulen sind es 33,5 Prozent. Deutlich niedriger liegen BHS mit 15,4 Prozent und Berufsschulen mit 11,3 Prozent.
Dennoch sind auch hier die Veränderungen beachtlich: An Volksschulen ist der Anteil binnen zehn Jahren von 27,6 auf 33,5 Prozent gestiegen.
Deutschdefizite: Großer Unterschied nach Staatsangehörigkeit
Besonders auffällig werden die Unterschiede beim Deutschförderbedarf. Österreichweit waren 2024/25 50.813 Schüler außerordentliche Schüler. Das sind Kinder und Jugendliche, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse entsprechend geführt werden.
Ihr Anteil lag bei 4,4 Prozent und damit sogar leicht unter dem Vorjahreswert von 4,6 Prozent. Wien lag mit 7,8 Prozent an der Spitze.
An Volksschulen waren österreichweit 10,8 Prozent außerordentlich. In Wien waren es bereits 19,6 Prozent.
Noch deutlicher ist der Unterschied nach Staatsangehörigkeit: Unter Schülern mit österreichischer Staatsangehörigkeit waren 1,3 Prozent außerordentlich. Bei Schülern mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren es 16,1 Prozent.
Besonders hoch lag der Wert bei syrischen Schülern mit 34,7 Prozent, gefolgt von ukrainischen mit 27,4 Prozent. Bei rumänischen Schülern waren es 16,9 Prozent, bei türkischen 16,2 Prozent.
Jeder zweite Wiener Schulanfänger mit Deutschdefizit
Noch drastischer sind die Zahlen bei den jüngsten Schülern.
Am 1. Oktober 2025 gab es in Wien 21.485 Schulanfänger in der 0. und 1. Schulstufe. Die 0. Schulstufe umfasst Vorschul- und Deutschförderklassen für noch nicht schulreife Kinder. Davon wurden 50,9 Prozent wegen unzureichender Deutschkenntnisse außerordentlich geführt. In der 0. Schulstufe waren es sogar 82,1 Prozent, in der 1. Schulstufe 45,7 Prozent.
Und die Entwicklung geht seit Jahren nach oben: Bei der 0. und 1. Schulstufe zusammen stieg der Anteil von 41,0 Prozent im Schuljahr 2020/21 auf 50,9 Prozent 2025/26. Bei den Erstklässlern allein erhöhte er sich im selben Zeitraum von 35,3 auf 45,7 Prozent.
Margareten sogar bei 76,6 Prozent
Auch hier unterscheiden sich die Bezirke enorm. In Margareten wurden 76,6 Prozent der Schulanfänger der 0. und 1. Schulstufe wegen unzureichender Deutschkenntnisse außerordentlich geführt.
In Ottakring und der Brigittenau waren es jeweils 70,1 Prozent, in Favoriten 69,9 Prozent. In Mariahilf dagegen 19,5 Prozent.
Von den Wiener Schulanfängern, die wegen unzureichender Deutschkenntnisse außerordentlich geführt wurden, hatten 76,6 Prozent eine ausländische Staatsbürgerschaft. 23,4 Prozent waren österreichische Staatsbürger.
(0)Comments