Eklat bei Bundespressekonferenz: Siegmund geht auf Journalisten los – wegen Nazi-Vergleich
Von: Marcus Giebel
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Ulrich Siegmund gerät bei der Bundespressekonferenz mit einem Journalisten aneinander. Daran scheint AfD-Chefin Alice Weidel ihren Spaß zu haben.
Berlin – Die gute Laune war allen dreien anzumerken. Den AfD-Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla wie auch Ulrich Siegmund als Spitzenkandidat der Partei in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam genossen sie die Aufmerksamkeit infolge der Landtagswahl, bei der die Rechtsaußen-Partei 43,8 Prozent der Stimmen holte. Und stellten sich auf der Bundespressekonferenz den Fragen der zahlreichen Journalisten.
Einige bügelte Siegmund im Politiker-Stil ab. So sei es kein Widerspruch, dass er selbst im Vorfeld betonte, keine Minderheitsregierung anführen zu wollen, während Chrupalla trotz der verpassten Mehrheit im Parlament bereits klarstellte, Siegmund werde sich zur Wahl des Ministerpräsidenten stellen.
Ulrich Siegmund nach der Pressekonferenz. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Siegmund auf Bundespressekonferenz: AfD-Politiker gefällt NSDAP-Frage gar nicht
Gleiches gelte für die im AfD-Wahlprogramm festgehaltene These, eine Familie aus Mutter, Vater und Kindern sei die beste Voraussetzung für eine gesunde Kindesentwicklung, und das von Weidel in der Schweiz vorgelebte Modell mit einer Partnerin. Ersteres sei der Optimalfall, doch für Kinder seien auch andere Lebensformen zu unterstützen, bevor der Nachwuchs etwa im Heim aufwachsen müsse, verdeutlichte Siegmund.
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Bei fast jeder Frage bedankte sich der 35-Jährige beinahe begeistert, weil ihm die Möglichkeit gegeben werde, öffentlich Stellung zu beziehen. Nur eine gefiel Siegmund ganz und gar nicht, so dass es zum verbalen Schlagabtausch mit dem Fragesteller kam.
Denn kurz vor Ende der Fragerunde verwies der durch seinen Podcast 'Jung & Naiv' bekannt gewordene Tilo Jung auf die erstmalige Wahl eines NSDAP-Politikers zum Ministerpräsidenten. 1932 übernahm Alfred Freyberg das Amt im Freistaat Anhalt. Da Siegmund rund um die aktuelle Wahl oft von einer historischen Aufgabe gesprochen hatte, wollte Jung wissen: 'Ist Ihr Land einfach immer schon gemacht für historische Aufgaben, wie Sie sich das vorstellen?'
Siegmund contra Podcaster Jung: AfD-Politiker erinnert sich an ausgeschlagene Einladung
Siegmund warf zunächst einen schnellen Blick in Richtung der neben ihm sitzenden Parteichefs, ehe er eine Gegenfrage stellte. 'Wer sind Sie?', wollte er wissen. Und das gleich zweimal. Nachdem sich Jung erneut vorgestellt hatte, machte Siegmund zwar einen gedanklichen Sprung in die Vergangenheit. Jedoch nur in die nahe.
Konfrontierte Ulrich Siegmund mit der dunklen deutschen Geschichte: Tilo Jung ist bekannt für seinen Podcast 'Jung & Naiv'. © Christophe Gateau/dpa
'Achso, da hatte ich auch mal ne Anfrage von damals. Okay, ach, Sie waren das, dieser…', begann er: 'Ach ja, ich erinnere mich.' Aber es sei wohl ganz gut gewesen, dass er nicht zu dem Podcast gegangen sei. 'Ich glaube, ich war ja auch bei Ihnen eingeladen. Ich glaube, ich habe diese Zeit sinnvoller investiert. Sie sehen ja, was die Sachsen-Anhalter von Leuten wie Ihnen halten', fügte Siegmund hinzu. Und wollte Jung eigentlich nicht mehr Aufmerksamkeit schenken.
Doch der stellte fest: 'Das beantwortet nicht meine Frage.' Woraufhin Siegmund meinte: 'Das ist die Antwort auf die Frage.'
Siegmund über Nazi-Vergleich: 'Wir haben in der Lebensrealität einfach andere Probleme'
Also wurde Jung deutlicher: 'Die historische Parallele liegt ja auf der Hand, weil Sie von historischen Aufgaben und Wahlen sprechen. Ich habe gerade eine andere historische Wahl in der deutschen Geschichte angesprochen. Ist Ihnen das eine Bedeutung und ist Ihr Land einfach ein politischer Vorreiter, wie Sie sich das vorstellen? Beantworten Sie die Frage.'
Doch über den Nazi-Vergleich wollte Siegmund ganz offensichtlich kein Wort verlieren. Vielmehr fühlte er sich von Jung provoziert und schoss zurück: 'Ich weiß nicht, was in Ihnen vorgeht, dass Sie sich mit solchen seltsamen Vergleichen auseinandersetzen, dass sie überhaupt sowas recherchieren.'
Vorläufiges Endergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026
AfD: 43,8 Prozent
CDU: 17,2 Prozent
SPD: 9,3 Prozent
Grüne: 8,9 Prozent
Die Linke: 8,6 Prozent
BSW: 5,3 Prozent
FDP: 2,6 Prozent
Sonstige: 4,4 Prozent
Quelle: Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt sei dieser Teil der Geschichte 'völlig egal'. Siegmund versicherte: 'Wir haben in der Lebensrealität einfach andere Probleme als das, was uns einige linke oder Extrem-Journalisten, beispielsweise auch Ihre Person, hier vorschreiben wollen.'
Siegmund schimpft auf Journalisten: 'Menschen in Sachsen-Anhalt lassen sich nicht bevormunden'
Damit schlug er den Bogen zur Wahl, bei der die Menschen in Sachsen-Anhalt 'eine ganz klare Sprache gesprochen' hätten: 'Sie haben Demokratie gelebt.' Und das habe seine Partei möglich gemacht: 'Wir haben als AfD in Sachsen-Anhalt die Demokratie wieder lebendig gemacht. Wir hatten die höchste Wahlbeteiligung seit vielen, vielen Jahren und demzufolge bin ich sehr dankbar und stolz, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt sich nicht von Menschen wie Ihnen bevormunden lassen wollen.'
Tatsächlich gaben 77,8 Prozent der 1,7 Millionen Wahlberechtigten in dem Bundesland ihre Stimme ab. Somit wurde ein Plus von 17,5 Prozentpunkten im Vergleich zur vorigen Wahl 2021 verzeichnet.
Mit der von Jung gestellten Frage hatte sich Siegmund bei seinen Ausführungen aber nicht einmal im näheren Sinne beschäftigt. Gut unterhalten fühlte sich aber zumindest seine Parteichefin: Weidel schien sich während der Schimpftirade schwer damit zu tun, sich ein Grinsen zu verkneifen. Dass das Verhalten von Siegmund einem Eklat gleichkam, dürfte das AfD-Trio nicht wirklich beschäftigt haben. (Quellen: Bundespressekonferenz, offizielle Wahlergebnisse aus Sachsen-Anhalt) (mg)
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