In den Niederlanden steht es in fast jeder Bäckerei-Auslage: das Tijgerbrood, zu Deutsch Tigerbrot. Seine gesprenkelte, aufgesprungene Kruste erinnert an ein Raubtierfell und macht das Gebäck sofort erkennbar. Für viele Niederländer gehört es zum Frühstückstisch wie der Kaffee dazu. Deutsche Reisende reagieren dagegen oft überrascht, manche sogar irritiert.
Das Brot polarisiert seit Jahren zwischen beiden Nachbarländern. Während die einen von der knusprigen Kruste schwärmen, empfinden andere die weiche Krume (das weiche Innere von Backwaren) als gewöhnungsbedürftig. Genau dieser Gegensatz macht das Tigerbrot zu einem kleinen Symbol für die unterschiedliche Brotkultur diesseits und jenseits der Grenze. Wer einmal hineinbeißt, versteht schnell, worüber diskutiert wird.
📌 Fakten zum Tigerbrot Für den Tigerbrot-Teig reichen laut dem Rezept von 'Deutscher Welle' nur 0,8 Gramm frische Hefe, dafür geht der Teig rund 20 Stunden bei Raumtemperatur.
reichen laut dem Rezept von 'Deutscher Welle' nur 0,8 Gramm frische Hefe, dafür geht der Teig rund 20 Stunden bei Raumtemperatur. Gebacken wird das Brot in einem heißen, gedeckelten Bräter, die Ofentemperatur sinkt während des Backens von 250 auf 190 Grad .
. Für die Tiger-Paste kommen neben Reismehl auch Zucker und asiatisches Sesamöl zum Einsatz, das dem Brot eine leicht nussige Note verleiht.
kommen neben Reismehl auch Zucker und asiatisches Sesamöl zum Einsatz, das dem Brot eine leicht nussige Note verleiht. Niederländisches 'roggebrood' hat mit deutschem Roggenbrot geschmacklich wenig gemeinsam, es ähnelt eher Pumpernickel.
hat mit deutschem Roggenbrot geschmacklich wenig gemeinsam, es ähnelt eher Pumpernickel. In niederländischen Supermärkten wird Brot vom Vortag meist deutlich günstiger verkauft, weil es kaum länger frisch bleibt.
Wie entsteht die charakteristische Kruste?
Der Trick hinter dem Muster liegt in einer einfachen Paste. Kurz vor dem Backen bestreichen Bäckerinnen und Bäcker den Teigling mit einer dünnen Schicht aus Reismehl, Wasser, Zucker und etwas Öl. Reismehl enthält kein Gluten, dehnt sich beim Aufgehen des Teigs also nicht mit.
Dadurch reißt die Schicht auf und es entstehen die typischen, unregelmäßigen Risse. Genau dieses Verfahren beschreibt auch DW-Europakorrespondent Georg Matthes, der das Tigerbrot in seiner Backreihe 'Baking Bread' nachgebacken hat. Er zeigte, wie aus einem einfachen Hefeteig mit Hanfsamen und einer Portion Geduld ein knuspriges Brot mit nussigem Aroma wird.
Deshalb schmeckt deutsches Brot vielen Niederländern fremd
Der Unterschied zwischen beiden Brotkulturen beginnt schon beim Teig. Niederländisches Brot wird fast immer mit Hefe gebacken, deutsches Brot dagegen häufig mit Sauerteig. Das Ergebnis: Die niederländische Krume bleibt luftig und weich, während deutsches Brot kompakter und oft leicht säuerlich schmeckt.
Genau diesen Kontrast beschreibt die deutsch-niederländische Bloggerin Alexandra Kleijn auf dem deutschsprachigen Blog 'buurtaal' über die niederländische Sprache und Kultur sehr anschaulich. Niederländer empfänden deutsches Brot häufig als 'schwer und sauer', schrieb sie. Deutsche wiederum bezeichnen niederländisches Brot gerne als 'pappig' oder 'labberig'.
Das macht das niederländische Brot so besonders
Frische spielt bei niederländischem Brot eine viel größere Rolle als in Deutschland. Es schmeckt laut Kleijn am besten ganz frisch, wenn die Kruste noch knusprig und die Krume leicht warm ist. Nach zwei Tagen verliert es bereits deutlich an Qualität, während deutsches Brot auch nach fünf Tagen noch genießbar bleibt.
Neben dem Tigerbrot gehören auch weißes Wit-Brot, dunkleres Bruin-Brot und Vollkornbrot zu den Klassikern. Beliebte Beläge sind Erdnussbutter, Schokostreusel oder einfach Käse. Die weiche Struktur eignet sich dafür besonders gut, weil sie den Belag förmlich aufsaugt.
Wie reagieren Deutsche auf den Brot-Trend?
Trotz aller Skepsis wächst die Zahl der deutschen Fans. Immer mehr Reisende bringen sich Tigerbrot oder Maisbrot aus dem Nachbarland mit nach Hause. Manche Bäckereien in Grenznähe haben das Brot inzwischen sogar ins eigene Sortiment aufgenommen.
International kennt man das Gebäck übrigens unter verschiedenen Namen. In Großbritannien heißt es Giraffe Bread, in den USA spricht man von Dutch Crunch. Der Streit ums richtige Brot bleibt also eine Geschmacksfrage, doch das Tigerbrot hat längst Grenzen überwunden.
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