USA und Russland steigern ihre LNG-Lieferungen nach Europa. Alle anderen Anbieter verlieren massiv – ihr gemeinsamer Anteil fällt binnen eines Jahres auf 19 Prozent.
Eine neue Studie zeigt: USA und Russland legen bei Europas LNG zu, andere Lieferländer verlieren. Ihr gemeinsamer Anteil fällt auf 19 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 stammten bereits 81 Prozent der LNG-Importe des Europäischen Wirtschaftsraums aus den USA und Russland.
Ein Jahr zuvor waren es noch 73 Prozent. Die Lieferungen aller anderen Staaten brachen zugleich von 19 auf 13 Milliarden Kubikmeter ein. Ihr gemeinsamer Marktanteil sank damit binnen eines Jahres von 27 auf 19 Prozent. , sondern den gesamten EWR einschließlich Norwegens.
Norwegisches Gas gilt dabei als heimische Produktion; ausgewertet werden Importe von außerhalb des EWR. Die USA bleiben mit großem Abstand der wichtigste LNG-Lieferant. Ihre Ausfuhren in den EWR stiegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 von 41 auf 44 Milliarden Kubikmeter. Ihr Anteil legte von 57 auf 62 Prozent zu.
Russland lieferte trotz des für 2027 beschlossenen Gasausstiegs ebenfalls mehr: Die Mengen wuchsen von elf auf 13 Milliarden Kubikmeter, der Anteil von 16 auf 19 Prozent. Die gesamten LNG-Importe blieben der Studie zufolge in den vergangenen drei Halbjahren ungefähr stabil. Zusätzliche Mengen aus den USA und Russland verdrängten damit andere Anbieter. Seit dem zweiten Halbjahr 2022 gehe die Diversifizierung ununterbrochen zurück, schreiben die Autoren.
Beim LNG habe sich der Trend 2026 verschärft. Die Studie stellt damit das Diversifizierungsverständnis der EU infrage. Brüssel verlangt nationale Pläne für den Ausstieg aus russischem Gas. Ein Land könne jedoch sein gesamtes Gas aus nur einem anderen Staat beziehen und trotzdem als diversifiziert gelten, kritisieren die Forscher.
Sie nennen das eine 'selektive Blindheit' gegenüber anderen großen Lieferanten. Die stärkere Ausrichtung auf die USA birgt laut NUPI zudem ein politisches Risiko. Die US-Regierung verfolgt ausdrücklich das Ziel einer 'Energiedominanz'. Europa werde damit anfälliger für Druck aus Washington – etwa bei Handel, Digitalregulierung oder Klimapolitik.
TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné hatte bereits im vergangenen Winter vor einer neuen einseitigen Abhängigkeit und möglichen Preisschocksder EU am 7. September mit 757,07 Terawattstunden gefüllt. Das entsprach 66,9 Prozent der Kapazität. Deutschland lag mit 134,93 Terawattstunden bei einem Füllstand von lediglich 54,52 Prozent.
Damit hat Europa vor dem Winter einen deutlich geringeren Puffer als in den vergangenen Jahren. Aktuelle Entsog-Daten zeigen zugleich, wie widersprüchlich sich Europas Gasversorgung entwickelt. Die LNG-Einfuhren der EU lagen im August bei 95.785 Gigawattstunden – gut 41 Prozent weniger als im Januar. Gleichzeitiggegenüber Juli um 7,25 Prozent auf 17.337 Gigawattstunden.
Es ist die letzte verbliebene Route für russisches Pipelinegas in die EU. Die NUPI-Forscher fordern deshalb, nicht nur den russischen, sondern auch den amerikanischen Anteil am Importportfolio zu senken. Langfristig sollen erneuerbare Energien, Speicher, Effizienz und Elektrifizierung den Gasbedarf reduzieren. Kurzfristig müsse Europa seine Speicher unabhängig von der jeweiligen Marktlage stärker füllen und sich auf mögliche Notfallmaßnahmen im Winter vorbereiten.
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