Solingen – Hinter zwei Wohnungstüren in einem Mehrfamilienhaus an der Düsseldorfer Straße hat sich offenbar eine kaum vorstellbare Tragödie abgespielt. Eine ältere Frau und ihr pflegebedürftiger Sohn wurden am Montag tot in ihren Wohnungen aufgefunden. Beide Leichen sollen bereits teilweise verwest gewesen sein.
Gegen 12.55 Uhr hatten besorgte Anwohner Polizei und Feuerwehr zu dem Gebäude in der Ohligser Fußgängerzone gerufen. Ein überquellender Briefkasten und deutlicher Verwesungsgeruch ließen sie Schlimmes befürchten.
Die Einsatzkräfte verschafften sich zunächst Zutritt zur Wohnung einer älteren Bewohnerin. Nach kurzer Suche machten sie dort die erschütternde Entdeckung: In den Räumen lag die bereits teilweise verweste Leiche der Frau.
Doch der Einsatz nahm wenig später eine noch dramatischere Wendung.
Bei der Befragung von Anwohnern erfuhren die Beamten, dass der pflegebedürftige Sohn der Verstorbenen ebenfalls in einer Wohnung innerhalb des Hauses lebte. Da niemand öffnete, verschafften sich Polizei und Feuerwehr auch hier gewaltsam Zutritt.
Auch dort kam jede Hilfe zu spät: Die Einsatzkräfte fanden den erwachsenen Sohn ebenfalls tot auf. Auch sein Leichnam wies bereits ebenfalls Verwesungserscheinungen auf.
Kriminalpolizei und Spurensicherung nahmen umgehend umfangreiche Ermittlungen in beiden Wohnungen auf. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden die Wohnungen anschließend versiegelt. Am Dienstag sollen weitere Spezialisten der Kriminalpolizei die Tatortaufnahme fortsetzen.
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wuppertal wurden die Leichname in das Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Düsseldorf gebracht. Obduktionen sollen nun klären, wann und woran Mutter und Sohn starben.
Nach ersten Erkenntnissen aus Ermittlerkreisen gibt es derzeit keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt. Vielmehr könnte sich hinter den beiden Wohnungstüren ein besonders tragisches Geschehen abgespielt haben.
Demnach soll die ältere Frau möglicherweise bereits längere Zeit tot gewesen sein als ihr pflegebedürftiger Sohn. Ob der Mann nach dem Tod seiner Mutter hilflos in seiner Wohnung zurückblieb und sich nicht mehr selbst versorgen oder Hilfe rufen konnte, ist bislang nicht geklärt.
Gewissheit sollen nun die rechtsmedizinischen Untersuchungen und die weiteren Ermittlungen bringen. Bis dahin bleibt die bedrückende Frage, wie Mutter und Sohn unbemerkt sterben konnten – mitten in der belebten Ohligser Fußgängerzone.
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