Aufräumen? – Vielleicht später - Seniorenmagazin sechs+sechzig

Aufräumen? – Vielleicht später - Seniorenmagazin sechs+sechzig
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Category: Entertainment
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Wie war Ihr Frühjahr? Haben Sie geschrubbt, poliert, sortiert, weggeworfen? Anders gefragt: Haben Sie ausgemistet? Falls ja, sollten Sie nun glücklich sein. Denn Ballast abwerfen macht froh. Sagen die Expertinnen und Experten für die Feinheiten der menschlichen Seele. Mir gelingt Aufräumen in aufgeräumter Stimmung nie so recht. Es dauert, bis der Trennungsschmerz dem Wohlbefinden weicht. Wenn überhaupt. Und das geht vielen Menschen so. Was man in Siedlungen mit Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften sieht. Hier sind die Gehwege zuverlässig zugeparkt, viele Garagen sind stets geschlossen. Was dafür spricht, dass eine beliebte Aufräum-Methode praktiziert wird: Stört ein Gegenstand an Platz A, so bringe ihn zu Platz B, wo du ihn nicht mehr siehst. Wo Autos abgestellt sein sollten, lagert alles Mögliche. In den Häusern stehen Möbel. Auch im Sinne der uns alle nährenden Konjunktur sollten wir diese gelegentlich austauschen und neu investieren. Jedoch: Sollte es einem Montage-Team gelungen sein, einen Schrank ordnungsgemäß aufzustellen (klappt nicht immer), steht dieser zuverlässig 30, 40, 50 oder mehr Jahre an der Wand. Gelegentlich vom Staub befreit, sieht er fast genauso aus wie am ersten Tag. Oder wie wir Älteren unseren Erben gerne sagen: »Lasst ihn stehen. Er ist doch noch gut. Dieses tolle Eichenholz kriegst du heute nirgends mehr.« Tatort Kleiderschrank: Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, kann es sein, dass die Nutzungsrate der dort gelagerten Textilien auf unter zehn Prozent sinkt. Denn: Viele Menschen wachsen bis ins hohe Alter. Nicht nach oben, aber in die Breite oder in Bauchhöhe nach vorne. Dann spannt, drückt und zwickt, was einstmals schick oder gar erotisch ausgesehen hat. Der schöne Schmetterling ist wieder eine Raupe. Aber ausmisten? Fällt schwer. Schließlich ist da dieser immerwährende Plan: Ab morgen nehme ich ab. »Schmeißhemmung« bei Büchern Doch unsere tatsächlich fast unaufräumbaren, unbelebten Mitbewohner sind Bücher. Selbst wenn wir dauernd mit dem Smartphone herumhantieren, haben wir hier eine Beiß- oder besser Schmeißhemmung. Nicht jedes Buch ist spannend oder klug, der Inhalt ist manchmal kaum wichtiger als jener unserer Hochadels-Illustrierten. Letztere werden nach dem Durchblättern unverzüglich Altpapier. Beim Buch geht das nicht. Erst recht nicht, wenn 24 Bände Brockhaus mit Ledereinband dereinst in 36 Monatsraten finanziert wurden und im Regal so wunderbar nach einem Bildungsbürger-Haushalt aussehen. Doch muss unser Besitz an überflüssigen Dingen mit dem Alter immer weiter wachsen? Nein, unser allwissendes, künstlich intelligentes Internet hilft mit Tipps wie diesen: »Betrachten Sie Ihr Zuhause mit den Augen eines potenziellen Käufers. Wie können Sie Haus oder Wohnung möglichst attraktiv machen? Lassen Sie Ihr Heim gut wirken, indem Sie Herumstehendes in Schränke, Regale und Kisten räumen oder sich davon trennen. Stellen Sie sich vor, der Käufer würde auch die Schränke übernehmen. Welche Schubladen und Fächer sollte er lieber nicht inspizieren?« Super, das weist uns den Weg. Aber jetzt? Im Sommer? Besser nicht. Text: Klaus Schrage Cartoon: Sebastian Haug

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