Tötungsdelikt in Bremen-Vegesack: Psychische Erkrankung bleibt Spekulation

Tötungsdelikt in Bremen-Vegesack: Psychische Erkrankung bleibt Spekulation
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Category: Politics
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Ein 22-Jähriger soll seine Nachbarn getötet haben. Die Innenbehörde will anders mit gewalttätigen psychisch Kranken umgehen – dabei soll er gesund sein. Ein 22-Jähriger soll seine Nachbarn getötet haben. Die Innenbehörde will anders mit gewalttätigen psychisch Kranken umgehen – dabei soll er gesund sein.wiederholt suggerieren – nicht mit Ja beantworten. So hatte sich der mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Nachbar des Paares, vor der Tat Ende Juni nur einmal so auffällig verhalten, dass die Polizei eingeschritten war. Das geht aus einemBei dem Vorfall im April hatten laut der Polizei Nach­ba­r:in­nen nachts Schüsse aus einer Druckluftwaffe gehört. Der 22-Jährige soll bei der Fahndung mit 'einer Langwaffe mit einem Messer an der Spitze in der Hand' Stichbewegungen in Richtung von Polizisten gemacht, und einen Polizisten in die Hand gebissen haben. Danach hatte das Ordnungsamt ein allgemeines Waffenbesitzverbot gegen ihn ausgesprochen – so steht es im Bericht der Innenbehörde. Offen ist, ob die Klinik in Bremen-Nord, in die ihn die Polizei zur Begutachtung gebracht hatte, einen Fehler gemacht hat. Denn die Klinik stellte weder Eigen- noch Fremdgefährdung fest, auch keine psychische Erkrankung. Für psychisch gesund hält ihn auch die sachverständige Person der Staatsanwaltschaft, die den Beschuldigten nach der Tötung seiner Nachbarn untersucht hatte und derzeit ein Gutachten über ihn erstellt. 'Wir gehen davon aus, dass er voll schuldfähig ist', sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der taz.zitiert den Therapeuten in zwei Artikeln in einer Weise, die zum einen danach klingt, als erstelle er eine Ferndiagnose, und zum anderen,, die unter anderem das Ziel hatte, mehr Pa­ti­en­t:in­nen ambulant zu Hause zu behandeln anstatt im Krankenhaus. 'Nein', sagt Janzen im Gespräch mit der taz, 'ich finde den Grundsatz der Psychiatriereform richtig. ' Zudem behaupte er nicht, es besser zu wissen als zwei Sachverständige, die anders als er mit dem mutmaßlichen Täter selbst gesprochen haben. Aber ihn treibe der Fall sehr um, sagt er hörbar aufgebracht am Telefon. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein psychisch gesunder Mensch die Tat begangen hat. Laut Polizei wiesen die Getöteten mehrere Schnitt- und Stichverletzungen auf. Besonders auffällig findet Janzen, dass der mutmaßliche Täter anschließend versucht haben soll, sich selbst zu töten. Er war mit lebensgefährlichen Verletzungen in einem Maisfeld gefunden worden. Auch der Vorfall im April klinge für ihn nicht nach einem psychisch Gesunden. 'Ich will wissen, welche Qualifikation die Person hatte, die ihn damals untersucht hat, wie lange sie das getan hat und ob sie weitere Informationen über ihn eingeholt hat. ' Bisher hat sich die Klinik dazu mit Verweis auf das laufende Strafverfahren nicht geäußert. Die Expertise des oder der dafür beauftragten forensischen Sachverständigen zweifelt Janzen ebenfalls an. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu deren oder dessen Qualifikation. Janzen selbst hat bis vor anderthalb Jahren in der Justizvollzugsanstalt gearbeitet und erstellt nach eigenen Angaben seit 25 Jahren forensische Gutachten. In diesen geht es unter anderem um die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person aufgrund einer psychischen Erkrankung Straftaten begeht. In der Innendeputation am Donnerstag wird es auch um Konsequenzen aus dem Vorfall gehen: Inwiefern er Anlass bietet, anders mit potenziell gewalttätigen psychisch kranken Menschen umzugehen. Die Innenbehörde hält dies für geboten, heißt es im Bericht an die Innendeputation, den die CDU angefordert hatte. Und das, obwohl die psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters bisher nur eine Vermutung ist, die diejenigen nicht bestätigt haben, die ihn untersucht haben. Eine 'gemeinsame Taskforce' solle jetzt 'konkret' geplant werden, steht in dem Bericht. Zudem werde ein Prüfauftrag an die vor anderthalb Jahren etablierte 'Ständige Konferenz zu psychisch kranken Menschen mit Gefährdungspotential' vergeben. Die Stäko dient dazu, die Verantwortlichen aus den Bereichen innere Sicherheit, Gesundheit und Justiz zu vernetzen. Im Bericht steht, sie solle 'kurzfristig prüfen, ob die Strategie des ‚Hamburger Netzwerks für personenbezogenes Risikomanagement' auch auf Bremen anwendbar ist, und sodann die erforderlichen Maßnahmen umsetzen'.bereits im November auf einer Sitzung erörtert werden sollte. Drei Monate später, im Februar, hatte die Gesundheitsbehörde auf taz-Nachfrage mitgeteilt, die Implementierung der Strategie in Bremen solle geplant werden. Eine Sprecherin der Innenbehörde sagte der taz, es gehe in erster Linie um die Weitergabe von Daten zwischen den unterschiedlichen Stellen, die mit dem genannten Personenkreis zu tun haben. Das ist nicht ohne Weiteres möglich, da gesundheitsbezogene Informationen dem Datenschutz unterliegen. Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Hätte ein Mann, der verdächtig ist, seine Nachbarn getötet zu haben, weggesperrt sein müssen? Der Fall wird zur Kritik an der Psychiatrie genutzt. Nach der Tötung von zwei Menschen, Eltern eines Kleinkindes, beginnt die Suche nach Schuldigen. Die Lokalzeitung findet sie in der Psychiatriereform. Sie verspricht Verzicht auf Zwang, doch laut Kri­ti­ke­r*in­nen gefährdet die Psychiatriereform den Schutz von Patient*innen. Viele werden obdachlos. Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.

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