Pisa-Ergebnisse: Expertin fordert Bildung zur Chefsache zu machen

Pisa-Ergebnisse: Expertin fordert Bildung zur Chefsache zu machen
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Category: Politics
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Vielerorts fehlen Lehrkräfte, viele Schulgebäude sind sanierungsbedürftig, und bei der Digitalisierung gibt es große Defizite. Wie lässt sich das lösen? Es gibt durchaus Bundesländer, die sich in diesen Bereichen verbessert und viel in ihre Schulgebäude investiert haben. Dort sieht man positive Effekte. Das Bild ist also nicht überall nur düster. Aber sicher: Die Lehrkräfteversorgung, insbesondere im ländlichen Raum, ist ein Riesenproblem. Das war beispielsweise auch in Sachsen-Anhalt im Wahlkampf ein Thema. Die rechtsextreme AfD Sachsen-Anhalt will die Bildungspolitik dort grundlegend verändern, die Schulpflicht abschaffen. Was wären die Folgen? Die Schulpflicht abzuschaffen, hielte ich für fatal. Man kann in den USA sehen, welche Folgen es haben kann, wenn der Schulbesuch nicht mehr verbindlich ist oder nicht ausreichend kontrolliert wird. Dort gibt es Regionen mit sehr niedrigen Bildungsniveaus. Das hielte ich für enorm problematisch. Die Schulpflicht abzuschaffen, hielte ich für fatal. Bildungsforscherin Anne Sliwka Wann hat Deutschland bildungspolitisch denn die falsche Abzweigung genommen? Den einen entscheidenden Zeitpunkt gibt es nicht. Man muss die deutschen Daten differenziert betrachten. Der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und den Pisa-Lernständen ist in Deutschland enorm stark. Deutschland hat also vor allem ein Gerechtigkeitsproblem? Ja. Das wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass Deutschland Schülerinnen und Schüler sehr früh auf unterschiedliche Schularten verteilt und damit auch segregiert. Nur in sehr wenigen Bildungssystemen weltweit ist der Effekt der besuchten Schulart auf den Lernstand so groß wie in Deutschland. In diesem Bereich gehören wir bei Pisa zur Schlussgruppe. Was bedeutet dieser "schulartbezogene Effekt" konkret? Welche Schulart ein Kind besucht, hat in Deutschland einen sehr starken Zusammenhang mit seinem Lernstand. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. An nicht gymnasialen Schularten fehlen teilweise die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse mitziehen können. Aber damit sind wir schon bei der Interpretation. Das eigentliche Problem liegt also noch tiefer? Ja. Welche Schulart ein Kind besucht, hängt in Deutschland sehr stark mit dem sozioökonomischen Hintergrund seiner Familie zusammen. Insofern kann man schon von einem ungerechten Schulsystem sprechen. Es teilt Kinder sehr früh auf, und dadurch geht die Schere zwischen den Schularten weit auseinander. Und dann verstärken sich die Unterschiede noch? Genau. An manchen Schulen sind nicht genügend Lehrkräfte vorhanden, häufiger fällt Unterricht aus, und es wird mehr fachfremd unterrichtet. Das verstärkt aus meiner Sicht die Ungerechtigkeit zusätzlich.

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