Die obige Gleichung stammt aus einer modernen Arbeit, die versucht hat, die Ideen von Grosseteste in aktuelle wissenschaftliche Sprache zu übersetzen. Ausgangspunkt für seine Überlegungen waren damals die antiken Texte über Atome und die Frage, wie es sein kann, dass Materie zwar aus diesen punktförmigen Objekten besteht, trotzdem aber in der Lage ist, ein bestimmtes Volumen auszufüllen. Grosseteste schlug als Antwort das Licht vor: Es erfüllt den gesamten Raum, auch den zwischen den Atomen, und die Wechselwirkung zwischen Atomen und Licht ist es überhaupt erst, die Materie erzeugt.
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Wenn Grosseteste von Licht spricht, meint er aber nicht dasselbe, was wir heute darunter verstehen. Zu Beginn gab es nur »Lux«, eine spezielle Art von Licht, das sich von einem Punkt aus schlagartig in alle Richtungen ausgebreitet hat. Dabei wurde das Universum samt der Materie darin aufgebläht. Aber, so Grosseteste, dann muss die Materie dabei auch immer weiter verdünnt werden. Dieser Prozess muss irgendwann ein Ende haben, denn sonst würde ein Vakuum entstehen, das es den Vorstellungen des 13. Jahrhunderts nach nicht geben darf. Irgendwann muss die Materie daher eine minimal mögliche Verdünnung erreicht haben – und in diesem quasi perfekten Zustand nimmt sie einen kristallinen Zustand ein. Oder anders gesagt: Sie bildet eine kristallene Sphäre, die gleichzeitig den äußeren Rand des Kosmos bildet.
Die Sphäre beginnt nun zu leuchten, aber nicht mehr mit dem »schöpferischen« Licht des Lux, sondern mit einem Licht, das »Lumen« genannt wird. Während dieses Lumen zurück ins Zentrum strahlt, schiebt es dabei die übrig gebliebene Materie vor sich her – und diese Verdünnung erzeugt weitere Kristallsphären. Das Lumen wird immer schwächer und im Mittelpunkt des Kosmos reicht seine Kraft nicht mehr, um die Materie zu kristallisieren. Nur hier bleibt sie im normalen, unperfekten Zustand und bildet eine Kugel: unsere Erde.
Kristallene Sphären
Die Erde im Mittelpunkt, umgeben von kristallenen Sphären: Robert Grosseteste hat damit erklärt, wie der mittelalterliche Kosmos hätte entstehen können. Und er hat es auf eine Weise getan, die man tatsächlich auch mathematisch formulieren kann. Die obige Gleichung ist ein Beispiel dafür und beschreibt, wie sich die Materieverteilung in Abhängigkeit vom Abstand zum Zentrum verändert.
Man kann auch die Wechselwirkung von Lumen und Lux entsprechend modellieren. Und wenn man Grossetestes Modell dann im Computer testet, zeigt sich, dass man damit (und mit der richtigen Wahl der Anfangsbedingungen) ein Universum simulieren kann, das dem damaligen Weltbild entsprochen hat.
Robert Grosseteste hat gezeigt, dass es möglich ist, eine Theorie aufzustellen, mit der sich die Entstehung des Universums beschreiben lässt, ohne Rückgriff auf die Religion. Und auch wenn das Universum in Wahrheit ganz anders aussieht, war das definitiv keine schlechte Leistung.
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