Jährliche Updates, Lizenzpolitik und Geldmacherei: Sportspiele stecken in der Krise. Und ausgerechnet ihr Erfolg ist ihnen längst zum Verhängnis geworden. Wieso sich nicht nur "EA Sports FC", "NBA 2K" und Co. ändern müssen, sondern auch wir aus unserer Komfortzone raus müssen!
Ich liebe Sportspiele. Schon immer! Als kleiner Stöpsel begann alles mit Spielen wie 'Kick-Off', 'Winter Games' oder 'Great Courts'. Diese Liebe habe ich mir über inzwischen vier Jahrzehnte bewahrt, doch sie ebbt langsam ab.
Nicht, weil mich Sportspiele nicht mehr interessieren würden, vielmehr weil die großen Produktionen inzwischen langweilig und eingefahren sind. Lizenzen, jährliche Updates und das große Geld dahinter, das sind nur einige der Punkte, die Sportspieler heutzutage beschäftigen.
Geschickt abgeschaut: Was für 'NBA 2K' die Stadt war, wird bei 'EA Sports FC 27 The Grounds'.
Jedes Jahr das gleiche Spiel
Die jährliche Erscheinungsweise tat bereits in der Vergangenheit etablierten Reihen nicht gut: 'Assassin's Creed' und auch 'Call of Duty' sind da sicher die ersten Beispiele, die den meisten in den Sinn kommen. Oder man erinnere sich nur an das 'WWE 2K20'-Desaster.
Im Sportspiel-Genre sind diese Updates aber noch gang und gäbe. Wir können die Uhr danach stellen, dass uns EA Sports im September mit einem weiteren 'Madden NFL', einem neuen 'NHL' und einem 'EA Sports FC' versorgt. Dazwischen findet dann noch irgendwo das von Visual Concepts entwickelte 'NBA 2K' seinen Platz, und 'WWE 2K' aus demselben Schuppen kommt inzwischen zur WrestleMania-Season im März.
Jedes Jahr überschütten uns die Entwickler mit Buzzwords und großen Versprechungen über Innovationen und Verbesserungen. Die ganz großen Sprünge erfolgen aber meist nur dann, wenn man eine Spanne von drei bis fünf Jahren betrachtet. Die direkten Nachfolger tippeln in Sachen Gameplay und Technik zumeist nur vorwärts, anstatt zu sprinten. Beim Kunden bleibt viel zu häufig ein fader Beigeschmack: 'Jetzt habe ich für neue Trikots, ein paar Animationen und Gameplay-Variationen den Vollpreis bezahlt.'
Dass Sportspiele von Electronic Arts und 2K weiterhin so erfolgreich sind, zeigt zum einen die starke Bindung an die Marken, zum anderen aber auch, was für Gewohnheitstiere Gamer doch immer wieder sind. Ich frage mich manchmal, wie etwa 'NBA 2K' als fortlaufendes Projekt funktionieren würde – also als Service-Spiel und Basisplattform, die kontinuierlich bespielt, verbessert und angepasst wird. Ein neuer Teil erschiene erst dann, wenn Technik und Spielmechanik einen echten Generationswechsel rechtfertigen. Ausgerechnet die immer stärkere Ausrichtung auf dauerhafte Onlinewelten würde ein solches Modell längst ermöglichen.
Heute schon bezahlt! Viele Sportspiele koppeln die Progression in den Spielmodi massiv an Mikrotransaktionen.
Mehr Marktplatz als Videospiel
Wenn man die Sache genauer betrachtet, herrschen mit EA Sports und 2K aktuell zwei große Publisher über ein gesamtes Genre. Und das ist ein Problem. Denn auch dadurch fehlt die Konkurrenz. Es gibt somit keinen Druck von außen, etwas an der eigenen Strategie und Entwicklungsphilosophie zu ändern.
Erinnert sich noch wer an die berüchtigte Rivalität von 'FIFA' und 'Pro Evolution Soccer'? Oder an Zeiten, in denen SEGA noch im US-Sport mitmischte? Die Konkurrenzsituation schenkte Sportbegeisterten eine Wahl. Das sieht heute anders aus. Wer Fußball oder Basketball auf der größtmöglichen Bühne genießen möchte, kommt an 'EA Sports FC' oder 'NBA 2K' nicht vorbei. Diese Monopolstellung ist schädlich – für die Entwicklung des Genres, aber auch für uns als Kunden.
Diese komfortable Position macht sich auch bei der Monetarisierung bemerkbar. Ultimate Team und MyTeam sind längst zentrale Säulen der Spiele und ihrer Geschäftsmodelle. Kartenpakete, virtuelle Währungen und zeitlich begrenzte Inhalte sorgen dafür, dass der Vollpreis nur noch der Eintritt ist. Besonders bitter: Mit dem nächsten Jahres-Update beginnt die Spirale wieder von vorn.
Ohne die großen Namen sind Lizenzspiele wie WWE 2K für die wenigsten attraktiv.
Lizenzprobleme und ein Ausweg aus der Sackgasse?
Und dann gibt es natürlich noch die Lizenzpolitik. Ganz egal, ob Namen, Trikots oder Logos – der Wiedererkennungswert ist ein wichtiger Faktor beim Verkauf der Spiele. Gerade bei der jüngeren Zielgruppe sind Lizenzen ein Verkaufsgrund. Exklusive Rechte sind mächtig und ein großer Wettbewerbsvorteil. Neue Anbieter können spielerisch noch so interessant sein: Fehlen Namen und Wettbewerbe, steigt direkt die Einstiegshürde.
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Was an dieser Stelle deutlich wird: Die hier beschriebene Sackgasse begründet sich nicht in der Technik, sondern in einer jahrzehntelangen Entwicklung. Jahresrhythmus, Mikrotransaktionen und Lizenzmacht verstärken sich gegenseitig. EA Sports FC und Co. sind für Publisher, aber auch für Lizenzgeber längst Franchises geworden, und Mehreinnahmen durch Mikrotransaktionen sind ein fester Teil der Finanzplanung.
Sportspiele brauchen nicht die eine große Revolution. Aber sie benötigen mehr Vielfalt in der Breite, mehr Experimente wie etwa zuletzt 'Copa City' oder 'Rematch' – vor allem aber auch mehr Bereitschaft der Community, sich auf diese einzulassen.
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