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Martin Reißmann

Meinungsfreiheit in Plauen auf dem Prüfstand

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In Plauen hat die Friedensaktion-Plauen-Vogtland zu einem Diskussionsabend über Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Demokratie eingeladen. Im Komturhof wurde sachlich darüber gesprochen, wie frei politische Meinungsäußerung erlebt wird und welche Rolle klassische Medien und Social Media dabei spielen. Unter der Leitfrage 'Wie frei ist die Meinungsäußerung in Deutschland wirklich – und wie unabhängig sind unsere Medien?' diskutierten Gäste und Experten im Komturhof Plauen. Ausgangspunkt der Runde war Artikel 5 des Grundgesetzes mit dem Satz 'Eine Zensur findet nicht statt' sowie eine Umfrage des Instituts Allensbach, nach der nur noch rund 46 Prozent der Deutschen glauben, ihre politische Meinung frei äußern zu können. Diskussionsabend im Komturhof beleuchtet Rolle von Medien, Algorithmen und Debattenkultur. Foto: M. Reißmann Warum dieses Gefühl so weit verbreitet ist, welche Erfahrungen Menschen mit Widerspruch, Ausgrenzung oder Zurückhaltung machen und wie sich dies auf die öffentliche Debatte auswirkt, war eine der Kernfragen des Abends. Immer wieder stand dabei die Frage im Raum, wie groß der Einfluss klassischer Medien und sozialer Netzwerke auf das Meinungsklima ist. Rund um Artikel 5 Grundgesetz entspann sich eine lebhafte, aber sachliche Debatte. Diskutiert wurde, wo rechtliche Grenzen der Meinungsfreiheit tatsächlich verlaufen und wo subjektive Eindrücke von 'nicht mehr alles sagen können' entstehen. Eine zentrale Rolle spielte die Allensbach-Umfrage. Die Zahl von rund 46 Prozent der Bürger, die ihre politische Meinung nach eigener Einschätzung noch frei äußern können, wurde im Saal aufgegriffen und hinterfragt. Auch die Verantwortung klassischer Medien gegenüber diesem Stimmungsbild wurde vielfach angesprochen. Auf dem Podium saß Holger Friedrich, Herausgeber der Berliner Zeitung und der neuen Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Er nutzte den Abend, um seine Neugründung vorzustellen – eine Zeitung, die aktuelle Themen bewusst aus ostdeutscher Perspektive beleuchten will. Friedrich brachte die Sicht eines Medienunternehmers ein, der sowohl die wirtschaftliche Seite der Branche kennt als auch die Verantwortung von Verlagen in polarisierten Zeiten. Zur Sprache kam, wie redaktionelle Entscheidungen getroffen werden, welche Themen gesetzt werden und wie sich wirtschaftlicher Druck und publizistischer Anspruch zueinander verhalten. Holger Friedrich nutzte den Abend auch, um die Idee hinter seiner Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ) und der dahinterstehenden Ostdeutschen Medienholding zu erläutern. Ihm gehe es darum, einen spürbaren Unterschied zu den etablierten, traditionell westdeutsch geführten Verlagen zu setzen. Ziel sei ein Dialog 'auf Augenhöhe' – gerade dann, wenn Meinungen aufeinandertreffen. Ein konstruktives Miteinander innerhalb Deutschlands wäre aus seiner Sicht nicht nur innenpolitisch hilfreich, sondern auch nach außen ein wichtiges Signal. Besonders erfreut zeigte sich Friedrich darüber, dass in Sachsen, wo die OAZ im Februar gestartet ist, viele Türen schneller als erwartet aufgegangen seien und das Projekt auf reges Interesse stoße. Professor Markus Heinker, Dekan und Professor für Medienwirtschaft und Medienpolitik an der Hochschule Mittweida, ergänzte die Runde um eine analytische Sicht. Als früherer Journalist, Medienmanager und späterer Medienanwalt schilderte er, wie Redaktionen arbeiten und an welchen Stellen Verleger und Rundfunkräte tatsächlich Einfluss nehmen. Ausführlich sprach er über die Verantwortung des Journalismus. Auffällig sei, so seine Beobachtung, dass Journalistinnen und Journalisten heute deutlich belehrender und aktivistischer auftreten als früher – ein Eindruck, den auch seine Studierenden regelmäßig schildern. Thema war auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Heinker betonte, dass er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als wichtigen Baustein der Demokratie verteidige: 'Wir brauchen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so dringend wie nie.' Medien könnten zwar nie die eine objektive Wahrheit verkünden, sich ihr aber annähern. Problematisch seien jedoch Strukturen, in denen viele gut entlohnte Journalistinnen und Journalisten darauf hofften, 'bis zur Rente durchzukommen'. Diese Rahmenbedingungen erschwerten in seinen Augen eine wirklich kritische, unbequeme Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft und machen umfassende Reformen des Systems umso dringlicher. Diskussionsabend im Komturhof beleuchtet Rolle von Medien, Algorithmen und Debattenkultur. Foto: M. Reißmann Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte die Absage von Torsten Kleditzsch, Chefredakteur der 'Freien Presse'. Er hatte seine Teilnahme nach einer ursprünglichen Zusage zurückgezogen, weil er nach eigener Begründung nicht auf eine aus seiner Sicht neutral moderierte und ausgewogen besetzte Runde traf. Im Saal wurde dieser Schritt von vielen Gästen als unglückliches Signal wahrgenommen – gerade bei einer Veranstaltung, die ausdrücklich auf offenen Meinungsaustausch und kontroverse, aber faire Debatte setzt. Die Absage selbst wurde damit Teil der Diskussion über Medienpräsenz, Verantwortung und Dialogbereitschaft. Die Friedensaktion-Plauen-Vogtland machte deutlich, welches Ziel sie mit solchen Abenden verfolgt. 'Einmal mehr geht es uns darum, unterschiedliche Auffassungen offen und sachlich zu diskutieren. Grundlage eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses ist: miteinander reden, einander zuhören und niemanden wegen seiner abweichenden Meinung ausgrenzen', betonte Mitinitiator Jürgen Lösche, der gemeinsam mit Dr. Udo Junker die Initiative trägt. Diese Gesprächskultur – geprägt von Zuhören, Widerspruch und gegenseitigem Respekt – wurde als Kern eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses beschrieben. Genau daran knüpfte der Abend im Komturhof an. Die Friedensaktion-Plauen-Vogtland ist als überparteiliches Bündnis im Vogtland seit Jahren aktiv. Ihr gehören auch mehrere Akteure der Friedlichen Revolution von 1989 an. Ostermärsche, Podiumsdiskussionen mit Militär- und Sicherheitsexperten, Proteste gegen Aufrüstung oder Gesprächsabende mit Gästen wie Vizeadmiral a.D. Kay-Achim Schönbach oder Oberst a.D. Wolfgang Richter zeigen, dass die Gruppe immer wieder den Dialog zu sicherheitspolitisch heiklen Themen sucht. Der Abend im Komturhof knüpfte an diese Tradition an – mit einem klaren Fokus auf die Grundlagen der demokratischen Öffentlichkeit: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und die Verantwortung aller Beteiligten, Debatte nicht zu scheuen, sondern zu ermöglichen.
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