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Sascha Karberg

Frei genug, man selbst zu sein: Wie vorherbestimmt ist die Persönlichkeit?

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Die Party ist wild, es wird getanzt, der Small Talk läuft auf vollen Touren – es gibt Menschen, für die gibt es nichts Schöneres. Der Erbonkel gehört nicht dazu. Je mehr Leute auf einem Haufen, umso unangenehmer fühlt es sich an. Und so größer die Sehnsucht nach einem guten Buch. Es wäre schön, wenn es anders wäre. Doch nach jahrzehntelangem, zu Teenagerzeiten mitunter peinlichem Bemühen, sich zu überwinden, bleibt nur das Eingeständnis, wohl nicht zum Partylöwen geboren zu sein. Etwas fehlt. Womöglich sind es ein paar der 1260 Genvarianten, die, einer aktuellen 'Nature'-Studie zufolge, daran beteiligt sind, eine bestimmte Persönlichkeit zu formen. 1,14 Millionen Menschen hatten einen Persönlichkeitstest durchgeführt und Erbgutproben abgegeben, sodass ein Forschungsteam erstmals überprüfen konnte, welche DNA-Abschnitte besonders häufig mit grundlegenden Eigenschaften wie Kontaktfreudigkeit, Empathie, Ängstlichkeit, Ordnungssinn oder Neugier verbunden sind, den 'Big Five' (siehe Kasten). Für die Verhaltensforschung ist das ein Meilenstein. Denn bislang tappte man im Dunkeln, welche Gene die Persönlichkeit und damit auch viele Aspekte des menschlichen Verhaltens mitprägen, etwa in der Liebe oder auf Arbeit. Zwar war bekannt, dass näher verwandte Menschen tendenziell ähnlichere Persönlichkeiten haben als entfernter Verwandte, Persönlichkeitsunterschiede also zu etwa 40 bis 60 Prozent erblich sind. Doch welche Gene beteiligt sind, blieb offen. Bisherige Untersuchungen konnten keine statistisch eindeutigen Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen der Studienteilnehmer und einzelnen Genabschnitten in ihren Genomen feststellen: Die Zahl der getesteten Personen war immer zu klein. Nur, wenn eine Genvariante einen großen Einfluss auf ein Persönlichkeitsmerkmal gehabt hätte, wäre das in den kleinen Studien aufgefallen. Wie sich jetzt in der großen, Millionen Teilnehmer umfassenden 'Nature'-Studie herausstellte, trägt jeder einzelne der 1260 Genabschnitte jeweils nur sehr wenig zur Persönlichkeitsbildung bei – aber zusammengenommen wirken sich die kleinen Genunterschiede dann eben doch aus: 'Wenn eine Person viele genetische Varianten aufweist, die mit Extraversion zusammenhängen', so die Forschenden, 'dann ist die Wahrscheinlichkeit etwas höher, dass sie extravertierter ist.' Das bedeutet aber nicht, dass allein die Genetik die Persönlichkeit eines Menschen bestimmt, betont das Forschungsteam. Der Einfluss der 1260 Erbgutabschnitte erkläre zusammen nur maximal 16 Prozent der Persönlichkeitsunterschiede zwischen Menschen. Die Umwelt spiele 'eine wichtige Rolle bei unserer Persönlichkeitsentwicklung': also Erziehung, soziales Umfeld – vielleicht ja sogar esoterische Selbsterfahrungskurse. Ausgeschlossen ist es also nicht, dass der Erbonkel an sich arbeiten kann, um Partys einmal wirklich zu genießen. Dass es mit zunehmendem Alter deutlich plausibler wirkt, sich mit dem Hinweis auf irgendein Gebrechen vorm Tanzen zu drücken, hilft schon mal. Der 'Erbonkel' – Geschichten rund um Gene, jedes Wochenende.
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