GE

Gelbe Liste Online

KI wird für viele Patienten zur zweiten medizinischen Meinung

Image
ChatGPT & Co. spielen für viele Menschen bereits eine Rolle bei Gesundheitsfragen. Eine aktuelle Befragung zeigt, wie häufig KI vor oder nach dem Arztkontakt genutzt wird und wo Patienten weiterhin klare Vorteile beim Arzt sehen. Künstliche Intelligenz etabliert sich zunehmend als Begleiter bei gesundheitlichen Fragestellungen. Die aktuelle repräsentative Studie 'KI-Nutzung im privaten Alltag 2026' der Pronova BKK zeigt, dass viele Menschen KI-Systeme bereits vor, nach oder sogar anstelle eines Arztbesuchs konsultieren. Gleichzeitig bleibt die Ärzteschaft aus Sicht der Befragten bei zentralen Aspekten der Versorgung weiterhin im Vorteil. Fast jeder Zweite nutzt KI vor dem Arztbesuch 46 % der Befragten gaben an, bereits eine KI genutzt zu haben, um vor einem Arztbesuch eine medizinische Einschätzung oder Selbstdiagnose zu erhalten. Besonders ausgeprägt war dieses Verhalten in jüngeren Altersgruppen. Unter den 18- bis 29-Jährigen lag der Anteil bei 79 %, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 73 %. Insgesamt nutzte die Hälfte der Befragten KI bei gesundheitlichen Fragestellungen. Besonders stark vertreten waren jüngere Erwachsene, während die Nutzung in der Altersgruppe ab 60 Jahren deutlich geringer ausfiel. Jeder Dritte hat bereits auf einen Arztbesuch verzichtet Bemerkenswert ist der Anteil der Personen, die KI nicht nur ergänzend, sondern als Alternative zum Arztbesuch einsetzen. 31 % der Befragten berichteten, bereits eine KI genutzt zu haben, anstatt einen Arzt aufzusuchen. Bei den 18- bis 29-Jährigen lag dieser Anteil bei 54 %, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 50 %. Die Befragung liefert jedoch keine Informationen darüber, um welche Beschwerden es sich handelte oder ob die Entscheidungen medizinisch angemessen waren. Die Ergebnisse erlauben daher keine Aussage zur Qualität der KI-gestützten Selbstdiagnosen. KI dient häufig als digitale Zweitmeinung Die Nutzung von KI endet häufig nicht mit dem Arztkontakt. 36 % der Teilnehmer hatten bereits eine KI eingesetzt, um eine ärztliche Diagnose oder Therapieempfehlung zu überprüfen. Weitere 35 % konnten sich dies für die Zukunft vorstellen. Damit scheint sich ein neues Informationsverhalten zu etablieren. Patienten holen zunächst digitale Informationen ein, konsultieren anschließend einen Arzt und gleichen die erhaltenen Empfehlungen danach erneut mit einer KI ab. Im Konfliktfall folgt jeder Vierte eher der KI Von den Befragten, die sowohl Arzt als auch KI konsultiert hatten, berichteten 43 %, bereits unterschiedliche Empfehlungen oder Diagnosen erhalten zu haben. Wenn Arzt und KI voneinander abwichen, folgten: 43 % der Empfehlung des Arztes, 30 % einem Mix aus beiden Einschätzungen, 26 % der Empfehlung der KI. Der Befund deutet darauf hin, dass KI-Systeme für einen relevanten Teil der Bevölkerung bereits über die Rolle einer reinen Informationsquelle hinausgehen und als eigenständige Entscheidungsgrundlage wahrgenommen werden. Hohe Zufriedenheit mit KI-generierten Gesundheitsinformationen Die Nutzer bewerteten ihre Erfahrungen überwiegend positiv. Insgesamt zeigten sich 87 % mit den von der KI erhaltenen Informationen, Ratschlägen oder Befunden zufrieden beziehungsweise eher zufrieden. Diese hohe Zufriedenheit könnte erklären, weshalb viele Patienten KI-Systeme wiederholt für medizinische Fragestellungen einsetzen. Die Studie untersuchte jedoch nicht die medizinische Richtigkeit der Antworten. Persönliches Verständnis bleibt Domäne des Arztes Trotz der hohen Akzeptanz von KI sehen die Befragten deutliche Vorteile auf Seiten der Ärzteschaft. Besonders groß war der Vorsprung beim Verständnis für die persönliche Situation des Patienten. 56 % ordneten diesen Aspekt eher Ärzten zu, lediglich 12 % eher der KI. Auch bei der Zuverlässigkeit der Informationen schnitten Ärzte besser ab. 55 % sahen hier einen Vorteil bei Ärzten, 10 % bei KI-Systemen. Beim wahrgenommenen Umfang des medizinischen Wissens lagen Ärzte ebenfalls vor der KI. KI punktet bei Verständlichkeit und Nachfragemöglichkeiten In anderen Bereichen werden KI-Systeme hingegen zunehmend als Konkurrenz zum klassischen Arztgespräch wahrgenommen. 32 % der Befragten sahen die Möglichkeit zu ausführlichen Nachfragen eher bei der KI, weitere 26 % bewerteten beide gleichermaßen. Bei der Verständlichkeit medizinischer Informationen ordneten 19 % einen Vorteil der KI zu, während 41 % keinen Unterschied zwischen KI und Arztgespräch sahen. Gerade die jederzeitige Verfügbarkeit und die Möglichkeit, ohne Zeitdruck wiederholt nachzufragen, könnten damit künftig stärker die Erwartungen von Patienten an die Kommunikation in der medizinischen Versorgung prägen. KI-gestützte Ärzte genießen eher mehr als weniger Vertrauen Die Befragung untersuchte auch die Einstellung gegenüber Ärzten, die sich bei der Diagnostik von KI unterstützen lassen. 35 % der Teilnehmer gaben an, solchen Ärzten eher oder deutlich mehr zu vertrauen. Lediglich 21 % äußerten weniger Vertrauen. Bei 44 % hatte der KI-Einsatz keinen Einfluss auf das Vertrauen. Besonders ausgeprägt war die Zustimmung bei jüngeren Erwachsenen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen vertrauten 49 % eher Ärzten, die KI in ihre Arbeit einbeziehen. Die Arzt-Patienten-Beziehung verändert sich Die Ergebnisse der Studie sprechen weniger für einen Ersatz des Arztes durch künstliche Intelligenz als für eine veränderte Rolle digitaler Informationsquellen. Viele Patienten nutzen KI vor dem Arztbesuch zur Orientierung, nach dem Arztbesuch zur Überprüfung und während des gesamten Entscheidungsprozesses als Gesprächspartner. Für die ärztliche Praxis dürfte deshalb künftig nicht allein medizinisches Fachwissen entscheidend sein. Ebenso wichtig wird die Fähigkeit sein, KI-generierte Informationen gemeinsam mit Patienten einzuordnen, Fehlinformationen zu korrigieren und Unsicherheiten zu begegnen. Die Studie legt nahe, dass genau an dieser Schnittstelle die zukünftige Rolle der Ärzteschaft liegen könnte.
KI wird für viele Patienten zur zweiten medizinischen Meinung
View on original source
Share
Archive
Like

(0)Comments

 

Related Opinion

A note on cookies

Newshunt uses essential cookies to keep you signed in and to remember your language and country, so the site works the way you expect. With your permission, we'd also like to use analytics cookies to understand how people use Newshunt and improve it over time.

Accepting only affects analytics. To learn more, view our Privacy Policy or Terms & Conditions.