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Walter Rothschild

Über Stehtreppen, Auf- und Abzüge der Bahn

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Im Berliner Hauptbahnhof sind häufig mehr als die Hälfte der Rolltreppen außer Betrieb Laut den neuesten F.E.*.Statistiken gibt es in Deutschland 2.376 Bahnhöfe mit einem oder mehreren Aufzügen – insgesamt 4.221 –, von denen derzeit 2.082 betriebsbereit sind, also weniger als die Hälfte, sowie 5.256 Bahnhöfe und Haltestellen mit insgesamt 9.334 Rolltreppen (sowohl Auf- als auch Abwärtsrolltreppen), einschließlich der S-Bahn; davon sind 4.207 betriebsbereit, ebf. weniger als die Hälfte. Die anderen sind Stehtreppen. Das bedeutet, dass für alle potenziellen Fahrgäste mit körperlichen Behinderungen, für Personen, die Gehhilfen, Rollstühle, Kinderwagen und Buggys nutzen, sowie für Personen mit schwerem Gepäck etwa die Hälfte der Bahnsteige im deutschen Eisenbahnnetz unzugänglich oder kaum zugänglich ist. Es nützt nichts, wenn die Züge (doch) pünktlich fahren und die Bahnsteighöhe sogar zu den Türen passt, wenn man den Bahnsteig nicht erreichen kann. In den Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung der Bundesbahn und der Reichsbahn und der anschließenden Wiederzersplitterung in DB Stations & Service, DB Netz, DB Regio, DB Fernverkehr, InfraGo, Arriva, ODEG, Abellio, Bayernbahn, Cantus, Flixtrain, Nordbahn, Metronom, Trilex, Erixx, RDC und viele weitere Betreiber (obwohl, wenn etwas schiefgeht, immer nur 'die Bahn' die Schuld bekommt) wurden mehrere hundert Bahnhöfe umgebaut und modernisiert. In den meisten Fällen bedeutet dies neue, höhere Bahnsteige, die nicht mehr ebenerdig erreichbar sind. Einige verfügen über Zickzack-Rampen für Fahrgäste mit Fahrrädern und viel Geduld, aber überall stehen nun Aufzüge und Rolltreppen, die stolz verkünden, wie viel diese Sanierung gekostet hat. Das einzige Problem ist: Man kann sie häufig nicht benutzen. Weil das Wort 'Stehen' hier so wichtig ist. Und an diesen modernisierten, blitzsauberen betonierten Bahnhöfen gibt es kein Personal, das Rat oder Hilfe anbieten könnte. Bahnkunden sind offensichtlich unwichtig Warum ist das so? Warum stehen sie wochen- oder monatelang still? Mit kleinen Schildern – 'Diese Rolltreppe wird gerade repariert, für Ihre Bequemlichkeit'? Warum sind keine Ersatzteile vorrätig? Warum gibt es nie genug Mechaniker vor Ort? Mir ist aufgefallen, dass an Flughäfen, in Hotels und Einkaufszentren zwar mal eine Rolltreppe ausfällt, aber nie für lange Zeit und nie mehr als eine gleichzeitig. Weil die Kunden dort wichtig sind? Bei Flugzeuge gilt das Redundanz-Prinzip: Von alle wichtigen Teilen gibt es mindestens zwei, falls eines ausfällt. Warum nicht bei der Bahn, obwohl die viel mehr Leute benutzen als ein Flugzeug? Gibt es regelmäßige Wartung? Kaum wahrnehmbar. Und wenn es doch einmal passiert, dann immer zur Hauptverkehrszeit, sodass die Leute an den rot-weißen Absperrungen vorbeischlurfen müssen oder die stillstehende Rolltreppen mit den hohen Stufen als Geh- oder Stolpertreppe benutzen. Ich habe das miterlebt, als ein 'Kunde' im Rollstuhl auf einem Bahnsteig (in Bünde, Westfalen) festsaß, weil der Aufzug ‚'unter Reparatur' stand und er keine andere Möglichkeit hatte, als eine Stunde auf den nächsten Zug vom gleichen Inselbahnsteig zum nächsten Bahnhof zu warten, in der Hoffnung, von dort aus mindestens wieder in die Welt hinauszukommen. An solchen Bahnhöfen – unterirdisch oder auf Viadukten – ist der Zugang zum Bahnsteig keine Annehmlichkeit, sondern eine absolute Notwendigkeit. Warum berücksichtigen die Planer, Architekten und Statistik-Erfinder das nicht? Warum schaffen sie keine Alternativen? Warum bauen die Aufzugshersteller Aufzüge, die so leicht kaputtgehen? Und die Eisenbahn und Verkehrsbetriebe kauft diese, ohne Abzüge von den Kaufpreis zu nehmen? Manchmal sind sie nicht einmal mit einem Schutzdach versehen, sondern werden sogar im Freien gebaut, sodass Laub, Schnee und Hagel in den Mechanismus eindringen können. Dann kann es keiner Überraschung sein. Eine Reise besteht nicht nur aus dem Zug oder den Sitzplätzen, sondern umfasst auch das Erreichen der Züge und das Verlassen derselben. Ich habe den Eindruck, dass dies von den Verantwortlichen für die Vergabe von Verkehrsaufträgen manchmal übersehen wird. Übrigens: Mir ist aufgefallen, dass kaum zwei Aufzüge in Bahnhöfe die gleichen Zahlen auf ihren Tasten haben. In vielen steht '0' (logischerweise) für das Erdgeschoss, '1' für den Bahnsteig auf der Brücke; oder '0' für den Bahnsteig und '-1' für den Fußgängertunnel; Oder ‚0' für den Tunnel und ‚1' für den Ausgang; Oder 'U' für 'Unterführung' und 'E' für 'Erdgeschoss'. In Cottbus werden hierfür '-1' für Bahnsteig und '-2' für den Tunnel verwendet. Oder es gibt ein Wort wie 'Passerelle', das jeder Reisende natürlich verstehen soll. Oder einfach 'Auf' und 'Ab'? Nein, das wäre zu einfach. Wir wollen alle nur aufgehen, ja? * F.E.-Statistik: Ein Fachbegriff für 'frei erfundene Statistiken', der häufig in Eisenbahnkreisen und Verkehrsplanungsämtern verwendet wird. So könnte beispielsweise behauptet werden, dass ein eingleisiger Haltepunkt auf einer bestehenden Strecke für 'nur 4.96 Millionen Euro' umgebaut werden könnte, und natürlich weiß jeder, dass das nur eine willkürliche erste Schätzung ist, kaum mehr als eine Skizze auf ein alten Umschlag, und es am Ende 2.6 Milliarden kosten wird – aufgrund des Krieges in der Ukraine, von Problemen in der Lieferkette, krankheitsbedingten Ausfällen, COVID, Personalengpässen, Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ersatzteilen, Planungsänderungen, wetterbedingten klimatischen Bedingungen und klimabedingten Wetterbedingungen sowie der Inflation über die 25 Jahre der Projektlaufzeit. Das I.F.E.S. (Institut für frei erfundene Statistiken) in Zahlendorf veröffentlicht jedes Jahr einige neue Prognose für bestimmte Bundesprojekte ('Stuttgart 32', Autobahnbrücke, Flughäfenerweiterungen usw.). F.E.-Statistiken sind jedoch für Planungszwecke unverzichtbar und werden daher von Landtagen und Bundestag in Auftrag gegeben und in die Planungsbudgets einbezogen – aus dem einfachen Grund, dass es andernfalls schwer zu berechnen wäre, ob der Endpreis für eine Streckensanierung oder ein Militärpanzer zweimal, dreimal, fünfeinhalbmal oder zwanzigmal so hoch war wie ursprünglich beantragt. In England erfüllt das 'Centre for Creative Arithmetic' dieselbe Funktion – mit seinem berühmten Motto, das aus Genesis, Kapitel 9, stammt: 'Seid kreativ und vermehrt euch!' Rabbi Walter Rothschild ist nicht nur Experte für jüdische und andere komplizierte Glaubensfragen, sondern auch promoviert für das noch komplizierter Bahn-Unwesen, insbes. in Palästina.
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