Eine aus der Propaganda- und Desinformationsforschung mittlerweile sattsam bekannte Grundregel ist: Wenn jemand erstmal herausgekippt ist aus dem gesellschaftlichen Grundkonsens, kann man ihn kaum noch zurückholen.
Auch vielen Wählerinnen und Wählern der AfD in Sachsen-Anhalt geht es nicht primär um Realität, nicht um echte Bedrohungen, Nachteile oder Herabsetzungen. Es geht um Realitätskonstruktion.
Was nicht bedeuten soll, dass es keine realen Nachteile gäbe: Wer etwa im Osten auf dem Land lebt, hat oft wirklich die Erfahrung gemacht, dass nach der Kneipe nun auch der Bäcker dichtgemacht hat, der nächste Supermarkt 20 Kilometer weit entfernt ist, und es weit und breit keine Arztpraxis mehr gibt.
Auch hier spielt Realitätskonstruktion eine zentrale Rolle: Die AfD und ihr gewogene Medien und Akteure haben mit viel Aufwand eine Gegenrealität erzeugt, in der Deutschland vor dem Untergang steht, Kriminalität immer weiter zunimmt, Migration ein existenzielles Problem ist, es keine Klimakrise gibt und »die Medien« lügen.
Man muss dieser Realitätsverzerrung entschlossen, konzertiert und vor allem konsequent entgegentreten. Sonst wird die Zahl der Abgekoppelten immer größer.
Das setzt bei allen anderen politischen Akteuren voraus, dass sie sich der Methode der Realitätsverzerrung verweigern, die zum Markenkern der Rechtsextremen gehört. Sonst ist jede neue Lüge, Halbwahrheit, Verzerrung oder Auslassung nur ein weiterer Beleg dafür, dass »die da oben« sowieso ständig lügen.
Frage: Und können Sie noch Menschen erreichen, die AfD wählen?
Wölk: Nein, die bewegen sich so sehr in ihrer eigenen Bubble, dass sie für anderes gar nicht mehr offen sind. Das ist eine komplett faktenlose Parallelwelt. (…) Egal aus welcher Richtung man sich nähert: Man erreicht diese Menschen nicht mehr mit Argumenten.«
Das ist die größte Gefahr für die Demokratie, die ohne gemeinsame Realität nicht funktionieren kann. Stoppen kann man diesen Trend nur, indem man sich selbst an die Tatsachen hält. Wir brauchen eine Brandmauer gegen den Bullshit.
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