Wie geht es nach der Wahl in Sachsen-Anhalt weiter? Der Frage, die sich nun alle einen Tag nach dem Erfolg der AfD und dem Debakel für die CDU in dem Bundesland stellen, haben wir uns von wirtschaftlicher Perspektive aus genähert. Was bedeutet dies für Unternehmen, die dort aktiv sind? Und welche Konsequenzen ziehen sie daraus? Der Drogerieunternehmer Raoul Roßmann (41) plädiert auch nach dem Wahlsieg der AfD für Verlässlichkeit für die Menschen und Mitarbeiter. Und will weiter Millionen Euro in sein Zentrallager in Landsberg investieren. Ulrich Weitz, Gründer und Vorstand der Spezialchemiefirma Ibu-tech, befürchtet indes Schwierigkeiten, künftig Zuwanderer, aber auch Führungskräfte für seinen im Aufbau befindlichen Standort in Sachsen-Anhalt zu bekommen.
Und auch andere Wirtschaftsführer melden sich zu Wort: Der frühere Siemens-Chef und heutige Daimler-Truck-Aufsichtsrat Joe Kaeser (69) warnt die CDU entschieden vor einer Regierungsbeteiligung. Philipp Schröder (43), Chef des Solarunternehmens 1Komma5°, fordert den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (70; CDU). Mein Kollege Claas Tatje hat sich bei Unternehmen umgehört: Wie Unternehmer auf den AfD-Triumph reagieren .
Das VW-Werk in Osnabrück soll künftig als Rüstungsstandort genutzt werden. Das Land Niedersachsen und der israelische Investor Aurelius wollen das Werk zu einem 'Kompetenzzentrum für die Verteidigungsindustrie' umbauen. Als erstes Projekt sollen in der Fabrik demnach Luftverteidigungssysteme des staatlichen israelischen Iron-Dome-Herstellers Rafael produziert werden.
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt könnten bis 2029 rund 723.000 Fachkräfte fehlen – und damit annähernd doppelt so viele wie 2025. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Besonders betroffen sind demnach Handel, Kinderbetreuung und -erziehung sowie Sozialarbeit und -pädagogik. Danach folgen Gesundheits- und Krankenpflege sowie Bauelektrik.
Die Deutsche Bank hat sich mit einem vertraulichen Vergleich die 152-Millionen-Euro-Klage ihres ehemaligen Investmentbankers Dario Schiraldi (51) vom Hals geschafft. Der einstige Leiter des Großkundengeschäfts sah sich im Zusammenhang mit umstrittenen Geschäften mit dem italienischen Geldhaus Monte dei Paschi di Siena aus dem Jahr 2008, die in Italien zu einem Strafverfahren führten, als Sündenbock dargestellt. Ihre Probleme los ist die Bank damit nicht. Vier weitere ähnliche Klagen sind noch in London anhängig.
Bei der BASF hätten ihr einige sogar die CEO-Nachfolge zugetraut. Doch als der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Bock (68) Melanie Maas-Brunner 2023 eine Verlängerung ihres Vorstandsmandats anbot, entschied sich die heute 58-Jährige dagegen. Sie wimmelte danach noch mehrere Headhunter ab. Bis sie dann, als der Anruf des früheren Zeiss-CEOs Michael Kaschke (69) kam, doch wieder für eine neue, große Aufgabe zusagte: als Präsidentin des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft . Seit Juni ist sie dort an Bord. Und eine, wie ich finde, ziemlich überzeugende Begründung für ihren neuen Job hat sie auch: 'Man kann nicht immer nur meckern, dass sich zu wenig bewegt in Deutschland, man muss selbst etwas tun.'
Was hat mein Wettbewerber vor? Welche strategische Richtung schlägt er ein? Und wie sollte ich am besten darauf reagieren? Viele Führungskräfte nutzen Jahresabschlüsse, Pressemitteilungen und Kundenfeedback, um zu beobachten, was die Konkurrenz gerade so umtreibt. Oder wohin sich potenzielle Übernahmekandidaten entwickeln. Dabei geben Stellenausschreibungen schon viel früher Aufschluss über die Richtung, in die Unternehmen steuern, schreibt Wei Shi, Managementprofessor von der Miami Herbert Business School. In seinem Artikel für den Harvard Business manager zeigt er auf, wie man die Hinweise am besten auswertet.
Politik passiert nicht nur in Berlin und alle vier Jahre im Wahllokal nebenan, davon ist die Beraterin Martina Nieswandt überzeugt. Auch der Arbeitsplatz ist politisch. Wer im Unternehmen mitentscheiden darf, wessen Stimme zählt und wie mit denen umgegangen wird, die anders denken – all das formt ihrer Ansicht nach, wie Menschen Demokratie erleben. Nieswandt hat dazu mit ihrem Mann und Geschäftspartner Roland Geschwill ein Buch geschrieben. Meine Kollegin Sara Mously mit Nieswandt darüber gesprochen. Zu dem brandaktuellen Interview bitte hier entlang.
Meine Empfehlung für den Abend:
Von KI erhoffen sich viele Unternehmen massive Produktionsgewinne. Doch die hängen nicht allein von Technologie, Lizenzen und Agenten ab. Erst wenn die Mitarbeiter ihre Arbeit tatsächlich anders erledigen, ist KI im Unternehmen angekommen. Hier spielten nicht nur die Führung, sondern auch die Personalabteilungen eine wichtige Rolle. Stellenprofile müssen neu gefasst, Weiterbildungspläne geschrieben, Arbeitsabläufe neu definiert und Leistung muss neu definiert und gemessen werden. Wie unterschiedlich Dax-Konzerne das Thema angehen, wo Menschen und IT bereits zusammengedacht werden und wo KI schon welche Aufgaben übernommen hat, hat meine Kollegin Eva Buchhorn aufgeschrieben . Ihr letzter Satz bringt den Status der Entwicklung auf den Punkt: 'work in progress'.
In diesem Sinne Ihnen einen schönen Abend
Ihre Mirjam Hecking
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