Ist das noch Sport oder nur noch Show? Am vergangenen Wochenende starteten Mixed-Staffeln sogenannter Content Creator über 100 Meter beim Finale der Diamond League in Brüssel, der besten Leichtathletikserie der Welt. Langsam liefen sie ins Ziel ein.
In den Tagen zuvor hatten sich bereits etliche Spielerinnen und Spieler bei den US Open über akkreditierte Influencer beschwert, die während der Ballwechsel aufstanden, um sich selbst und den Court bei grellem Licht ihrer Handykameras zu filmen.
Und dann wäre da noch die Spanienrundfahrt Vuelta. Die Ausrichter engagierten die Influencerin Erola Jons und gaben ihr sogar exklusiven Zugang zu den Fahrern, der den anderen Journalisten nicht gewährt wurde. Das Ergebnis der Arbeit der extrem auf Reichweite ausgerichteten Frau: Sie überschritt sämtliche Schamgrenzen, verfolgte Fahrer bis in die Umkleiden und verstörte sie mit absurden Fragen. Die Influencer im Sport, sie beginnen zu nerven!
Aus dem Sport kam viel Kritik, die Content Creator freuten sich trotzdem. Sie konnten etliche Clips abfeuern.
Nun ist es billig, über erfolgreiche Influencer herzuziehen. Über die Gags von TheLordJohnny etwa, einem Teilnehmer der deutschen Mixed-Staffel in Brüssel, kann man lachen. Die Sporttipps seiner Staffelkollegin Julia Schuler sind hilfreich. Beide haben viele Hunderttausend Follower auf ihren Kanälen, die sie sich hart erarbeitet haben.
Auf der Tartanbahn eines Diamond-League-Meetings haben sie dennoch nichts verloren. Das gilt ebenso für Erola Jons bei der Vuelta (die keinerlei Expertise im Radsport vorweisen kann) und für etliche Content Creator beim Tennis dieser Tage in New York.
Die Intention der Veranstalter, egal ob bei den US Open, der Vuelta oder der Diamond League, ist klar: Sie erhoffen sich durch die Reichweitenbringer selbst mehr Reichweite, mehr Klicks und mehr Likes für ihre eigenen Videos.
Doch die Idee geht nicht auf. Sie schreckt vielmehr die treuen Fans der Sportarten ab. Es ist simpel: Die Zuschauer kommen zur Leichtathletik wegen Stars wie Armand Duplantis oder Amy Hunt, zum Radsport wegen Tadej Pogačar und zu den US Open wegen Carlos Alcaraz und Co.
Der Kern des Sports ist, wie sollte es anders sein, immer noch die sportliche Leistung. Sicher, ein bisschen Zirkus schadet nicht, aber nur in geringen Dosen.
Die Kosten, die sich der Sport aufbürdet, indem er die Türen für Influencer weit öffnet, dürften höher sein als der Nutzen. Umgekehrt ist es womöglich nicht anders. Die Vuelta-Reporterin Erola Jons postete zuletzt wieder häufiger Bilder von sich selbst. Ihre Selfies erhielten ein Vielfaches mehr Likes als ihre Clips von der Vuelta.
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