Im Vergleich zum Osten der Republik wähnt sich die politische Mitte in NRW in nahezu paradiesischen Zuständen. Hier arbeitet die schwarz-grüne Koalition recht unaufgeregt und solide, mit klarer Mehrheit. Die Christdemokraten unter Ministerpräsident Hendrik Wüst hätten derzeit sogar die Möglichkeit, bei der nächsten NRW-Landtagswahl zwischen Grünen und SPD zu wählen. Die politische Mitte am Rhein ist also stabil und funktionsfähig.
Davon können die Parteien im Osten nur träumen. Und dennoch wirkte Wüst auf Terminen zuletzt verhältnismäßig nachdenklich und still. Der Regierungschef scheint zu ahnen, dass dunkle Wolken auch über NRW aufziehen.
Der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, wie krass der Bundestrend der dortigen CDU geschadet hat. Die notorische Unzufriedenheit mit Schwarz-Rot im Bund wird sich sehr wahrscheinlich auch Ende April zur Landtagswahl in NRW entladen. In jüngsten Umfragen mussten CDU und SPD am Rhein bereits Verluste hinnehmen.
AfD könnte sich in NRW verdreifachen
Gleichzeitig wächst die AfD in NRW stark. Schaffte sie es 2022 nur knapp in den Landtag, so sehen Umfragen die Partei nun zwischen 15 und 20 Prozent. Sie könnte sich verdreifachen. Dass der Landesverband einen heftigen Machtkampf austrägt, dürfte viele AfD-Wähler kaum interessieren.
Wüst sollte sein Augenmerk bei allen erwartbaren Reservekanzler-Diskussionen jetzt also voll auf NRW richten. Hier gibt es genug zu tun. Immer wiederkehrende Spekulationen, Wüst könnte Merz kurzfristig als Kanzler nachfolgen, dürften beim Wähler in NRW vor einer Landtagswahl nicht gut ankommen. Und der Typ, der 'All in' geht, und Merz offen herausfordert, ist Wüst auch nicht. Er organisiert im Hintergrund Mehrheiten. So wie 2021, als er sich über Monate bedeckt hielt – und dann Laschet als Ministerpräsident nachfolgte.
Ein Kanzlersturz, organisiert aus NRW, ist derzeit also unwahrscheinlich – trotz der katastrophalen Zustimmungswerte der Bundesregierung.
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